Tagung der kaufmännischen Ausbildungsleiter in Siegen

„Ausbildungsleiter“: „Fachkräfte werden schon bald knapp. Ein Mangel, dem frühzeitig begegnet werden sollte“, war sich Kornelia Haugg (Leiterin der Abteilung Berufliche Bildung und lebenslanges Lernen im Bundesministerium für Bildung und Forschung) sicher. (Foto: cs)

Kaufmännische Ausbildungsleiter
Praxisbeispiele: Mehr Aus-Bildung machen

„Mehr Aus-Bildung machen“ – Unter diesem Motto fand in der IHK Siegen eine große Tagung des Kuratoriums der deutschen Wirtschaft für Berufsbildung statt, an der knapp 130 kaufmännische Ausbildungsleiter aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. Am ersten Veranstaltungstag standen zahlreiche Workshops und Fachvorträge insbesondere zu den Themen „Fachkräftemangel“, „neue Zielgruppen für die Ausbildung erschließen“ und „Berufseinstiegs-Begleitung“ im Mittelpunkt. Zuvor hatte IHK-Präsident Klaus Th. Vetter die Bildungsfachleute begrüßt und die heimische Wirtschaftsregion vorgestellt: „Bodenständig, offen, direkt, lösungsorientiert und zupackend – so werden viele unserer Unternehmen wahrgenommen. In Siegen-Wittgenstein und Olpe bildet eine weit überwiegend eigentümerbestimmte und mittelständisch geprägte Unternehmensstruktur das wirtschaftliche Rückgrat. Nur rund ein Dutzend unserer Betriebe beschäftigen mehr als 1000 Mitarbeiter, jedoch 98 Prozent weniger als 50 Beschäftigte.“ Doch der demografische Wandel werde auch die beiden heimischen Kreise treffen. Bis zum Jahre 2019 verliere die Region 25 Prozent ihrer Schulabgänger. Vetter: „Fachkräfte werden knapp. Ein Mangel, dem frühzeitig begegnet werden sollte.“ Eine Aussage, die Kornelia Haugg (Leiterin der Abteilung Berufliche Bildung und lebenslanges Lernen im Bundesministerium für Bildung und Forschung) sowie Jürgen Hollstein (Geschäftsführer Kuratorium der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung) eins zu eins unterstrichen.

„Der Kampf um Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt ist in vollem Gange und macht auch vor dem Ausbildungsmarkt nicht halt“, erläuterte Jens Kettler (Geschäftsbereichsleiter Bildungswesen der Edeka Aktiengesellschaft). Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres sind in vielen Branchen noch Ausbildungsplätze frei und nicht alle werden bis August besetzt werden können. „Die Gründe sind vielfältig. Die demografische Entwicklung spielt in vielen Landesteilen eine entscheidende Rolle, aber es gibt weitere Gründe“, ging Kettler ins Detail. „Die Unternehmen klagen schon seit längerem, dass nicht alle Bewerber den Anforderungen genügen und die notwenige Ausbildungsreife bei fast jedem fünften Schulabgänger zu wünschen übrig lässt“, so Dr. Günter Kneppe von der SMS Siemag AG. Das Dahlbrucher Unternehmen gab den 130 Fachleuten am Ende des ersten Veranstaltungstages denn auch die Gelegenheit, die Produktionshallen zu besichtigen und das neue „Lernwerk“ in Augenschein zu nehmen. Dr. Kay Mayland ließ es sich dabei nicht nehmen, die zahlreichen Gäste persönlich zu begrüßen und ihnen das differenzierte Personal- und Ausbildungskonzept des Unternehmens zu erläutern.

Zu Beginn des zweiten Veranstaltungstages hieß der Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, Paul Breuer, die Gäste in der Region willkommen. Er machte deutlich, dass der Kreis Siegen-Wittgenstein eine leistungsfähige Qualifizierungs-Infrastruktur als einen zentralen Baustein seiner regionalen Wirtschaftsförderung auffasst. Daher habe man in den vergangenen Jahren intensiv in die Berufskollegs investiert, suche den engen Schulterschluss mit der Universität Siegen und sei bestrebt, den innerregionalen Wissenstransfer auf allen Ebenen zu intensivieren. Der Darstellung der in den Workshops erzielten Gesprächsergebnisse folgte ein Vortrag von Dagmar Ludzay zum Thema „Wenn Erwachsene lesen lernen…“, der sich mit den kürzlich veröffentlichten Studienergebnissen zur Häufigkeit funktionaler Analphabeten in Wirtschaft und Gesellschaft befasste. Wilfried Malcher (HdE) gab zudem einen umfassenden Sachstandsbericht zur derzeit in Angriff genommenen Neuordnung der Büroberufe.

Höhe- und zugleich auch Schlusspunkt der Veranstaltung war sicherlich der Vortrag von Prof. Dr. Hans Brügelmann. Unter dem Thema „Fieber zu messen ist noch keine Diagnose, Fieber zu senken noch keine Therapie“ befasste sich der Siegener Wissenschaftler mit den aus seiner Sicht illusionären Versprechen standardisierter Leistungsmessungen im Bildungswesen. Da Menschen keine Maschinen seien, verhielten die sich in unterschiedlichen Kontexten eben auch unterschiedlich. Dies müsse generell bei Leistungsmessungen berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund warnte Brügelmann vor einer unkritischen Übernahme erzielter Testergebnisse in der politischen Diskussion. Zugleich wies er eindringlich darauf hin, dass in der schulischen Wirklichkeit der Versuch unternommen werde, Schülerinnen und Schüler möglichst individuell zu fördern, während man gleichzeitig in politischer Hinsicht auf das Instrument der Standardisierung abhebe. Hier bestünde ein nicht auflösbarer Widerspruch. 

 

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