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DIHK-Umfrage zur Finanzierungssituation der Unternehmen

Harte Bilanzzahlen zählen bei Krediten mehr als Geschäftsaussichten

Das Ergebnis der Anfang 2005 durchgeführten IHK-Umfrage zur Finanzierungssituation der Unternehmen liegt vor und kann wie folgt zusammengefasst werden:

  • Die Finanzierungssituation der Unternehmen bessert sich, bleibt aber gleichwohl schwierig. Von einer Lösung der Fremdfinanzierungsprobleme der deutschen Wirtschaft kann keine Rede sein. Trotz historisch niedriger Kapitalmarktzinsen und trotz konjunkturell bedingt schlapper Kreditnachfrage: Im Frühjahr 2005 übersteigt die Anzahl der Unternehmen mit abermals gewachsenen Kreditproblemen weiterhin deutlich die Zahl derjenigen Unternehmen, die bei den Hausbanken attraktivere Konditionen aushandeln konnten. Offenkundig setzt sich die Differenzierung der Kreditkonditionen nach Bonität spürbar fort. Bei Unternehmen, die über schlechtere Konditionen klagen, steht neben den Zinsen vor allem das Thema Sicherheiten im Vordergrund.
  • Die traditionelle Eigenkapitalschwäche des deutschen Mittelstands beeinträchtigt unter dem bonitätsorientierten Leitbild der Unternehmensfinanzierung massiv dessen Ausstattung mit Fremdmitteln. Denn Kreditinstitute versehen die harten Bilanzdaten eines Kreditnehmers mit einem hohen Gewicht bei der Kreditentscheidung. Insbesondere die Eigenmittel eines Unternehmens gelten bei der Basel-II-konformen Beurteilung des Kreditantrags durch Kreditinstitute als wesentlicher Bonitätsmaßstab. Wie bereits in den Vorjahren äußern daher insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMUs), Unternehmen der Bauwirtschaft sowie Betriebe in Ostdeutschland die größten Probleme bei den Kreditverhandlungen mit der Hausbank.
  • In Kreditverhandlungen mit der Hausbank erfahren diejenigen Unternehmen Vorteile, die aktuell auch ihre Geschäftslage positiv einschätzen. Ein ähnlich enger Zusammenhang zwischen Kreditkonditionen und Geschäftserwartungen der Unternehmen besteht hingegen nicht. Die Kreditinstitute orientieren sich mithin an einer vergangenheitsbezogenen Praxis bei der Bonitätsbeurteilung: Positive Zukunftsaussichten von Unternehmen werden im Ratingverfahren weitaus geringer gewichtet als der Blick auf die Vergangenheitsdaten der Unternehmensbilanz – und hier insbesondere auf die Eigenkapitalausstattung. Gefüllte Auftragsbücher alleine reichen für günstige Finanzierungskonditionen offenkundig nicht aus.
  • Unternehmen, die günstigere Kredite beziehen können, sind auch eher bereit, am Standort Deutschland zu investieren. Trübe Investitionsabsichten äußern indes Unternehmen, die verschlechterte Kreditkonditionen hinnehmen mussten oder denen der Kreditzugang verwehrt wurde. Finanzierungsbedingungen für Unternehmen tragen also ihren Teil zum schwierigen – durch hohe Steuer- und Abgabenlasten geprägten – Investitionsumfeld in Deutschland bei. Auch auf die Beschäftigungspläne färben die jeweils gewährten Kreditkonditionen ab: Unternehmen mit positiven Hausbankerfahrungen planen für das Restjahr 2005 weitaus eher Aufstockungen ihres inländischen Personalbestandes. Verschärfte Kreditkonditionen erschweren also offenkundig – zusätzlich zu Tarifrecht und Arbeitskosten – Beschäftigung steigernde Investitionen bei den betroffenen Unternehmen.

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