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Aktuelle Meldung

Nr. 044 - Initiative „Entwicklungsachse Siegen – Wittgenstein“
Unternehmer und Arbeitnehmer kämpfen gemeinsam - Mehrheit soll nicht länger schweigen – 9040 Unterschriften

11.04.2011 15:33

„Es ist für uns nicht länger hinnehmbar, dass öffentlich der Eindruck erweckt wird, als gäbe es zwischen Kreuztal und Bad Berleburg hauptsächlich Gegner einer vernünftigen Verkehrserschließung zwischen dem Kernraum Siegen und Wittgenstein. Wir sind überzeugt, dass diejenigen, die bisher besonders fleißig gegen verkehrsgerechte Straßen Leserbriefe geschrieben und Widerstandseichen gepflanzt haben, eine klare Minderheit unserer Bevölkerung repräsentieren. Wir werden ab sofort der Politik in Düsseldorf und Berlin deutlich machen, wie die sogenannte „schweigende Mehrheit“ unserer Region wirklich denkt.“ So umriss Christian Kocherscheidt, geschäftsführender Gesellschafter der Berleburger Firma EJOT und IHK-Vizepräsident, die Zielsetzung eines Initiativkreises aus Unternehmern und Gewerkschaften, der sich kürzlich gegründet hatte. Als Sprecher dieses Initiativkreises äußerte Christian Kocherscheidt im Rahmen einer Pressekonferenz bei den Erndtebrücker Eisenwerken, dass sich die Region mit den aktuellen Verkehrsverhältnissen zwischen Kreuztal und dem Wittgensteiner Raum keinesfalls abfinden dürfe. „Leider sind wir relativ weit weg von Düsseldorf und Berlin. Umso nachdrücklicher müssen wir in Zukunft unsere Interessen hartnäckig vertreten“, so Kocherscheidt.

Als „erstes eindrucksvolles Zeichen“ nannte er die gemeinsame Unterschriftenaktion von Wirtschaft, Handwerkerschaft und Gewerkschaften, die in den letzten sechs Wochen zwischen Kreuztal und Bad Berleburg durchgeführt wurde. Sie unterstreicht die gemeinsamen Interessen von Unternehmen und ArbeitnehmerInnen, die gleichermaßen unter verstopften Straßen und unzumutbaren Verkehrsverhältnissen leiden. Mit der Klage, dass „Nachteile im Wettbewerb um Kunden und Aufträge sowie bei der Mobilität und im Bemühen um die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen nicht länger hinnehmbar seien“, haben sich in dieser kurzen Zeit mit ihrer persönlichen Unterschrift etwa 9000 Bürgerinnen und Bürger zwischen Kreuztal und Bad Berleburg solidarisch erklärt. „Dieses Maß an Solidarität in der Region ist sicherlich ein erster Paukenschlag, mit dem wir uns auch politisch stärkeres Gehör verschaffen können“, so das Fazit von Kocherscheidt.

Mit diesem Rückenwind wird der Initiativkreis weitere Planungsschritte, öffentliche Anhörungen und noch zu erwartenden Diskussionen aktiv, konstruktiv, aber auch im nötigen Umfang offensiv begleiten. „Deshalb war diese Unterschriftenaktion kein einmaliger Schnellschuss, sondern erst der Auftakt für eine gegebenenfalls über Jahre angedachte Gemeinschaftsinitiative von Wirtschaft und Gewerkschaften. Dabei zählen wir selbstverständlich auch auf die regionale Politik, etwa in Person des Landrates, der heimischen Bundestags- und Landtagsabgeordneten sowie der Bürgermeister von Kreuztal, Hilchenbach, Erndtebrück und Bad Berleburg“, so Kocherscheidt.

Aus ihrer unterschiedlichen Betroffenheit bezogen die Unternehmer Jörg Schorge, Erndtebrücker Eisenwerke, und Bernd Berge, Berge-Bau, Position. So wies Schorge darauf hin, dass die verkehrstechnische Erreichbarkeit des Produktionsstandortes Erndtebrück von gleicher existenzsichernder Bedeutung sei, wie der Zugang zum Weltmarkt für die in Erndtebrück gefertigten Produkte. Der Wettbewerbsdruck im Baugeschäft und die wünschenswerte tägliche Rückkehrbarkeit von Mitarbeitern von Baustellen, hob Berge als besonders wichtigen Beweggrund hervor, um sich für eine deutlich verbesserte Erreichbarkeit von Wittgenstein zu engagieren.

Bundestagsabgeordneter Willi Brase, Regionalvorsitzender des DGB Südwestfalen, umriss die große Sorge der Gewerkschaften um die Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region. „Wenn nicht auf Dauer bessere Verkehrsverhältnisse und damit Standortbedingungen in unserem Raum gesichert werden, dann sind auf Dauer auch Arbeitsplätze bedroht“, so Brase. Hiermit, so kündigte er an, wollten und könnten sich die Gewerkschaften aus ihrem Selbstverständnis heraus keinesfalls abfinden.

Aus persönlicher Betroffenheit berichtete Petra Lux, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von SMS in Hilchenbach, über die Leiden einer Berufspendlerin. Der Einkommens- und vor allem Freizeitverlust durch schwierige Verkehrsverhältnisse mit Staus zu den Hauptverkehrszeiten, vor allem zwischen Kreuztal und Hilchenbach, seien aus Arbeitnehmersicht inakzeptabel. Seit Jahren werde die Region und damit auch die ArbeitnehmerInnen und Menschen immer wieder vertröstet.

IHK-Hauptgeschäftsführer Franz J. Mockenhaupt begrüßte die Initiative aus Unternehmern und Gewerkschaften, die deutlich mache, dass angesichts des „schiefen politischen Eindrucks der Politik in Düsseldorf und Berlin über den heimischen Wirtschaftsstandort und seine Menschen“ mit vielen tausend Unterschriften in kurzer Zeit nun ein überaus deutliches Signal gesetzt werde. Selbstverständlich werde die Industrie- und Handelskammer (IHK) als Organisation der heimischen Wirtschaft die Initiative organisatorisch auch in Zukunft unterstützen.

„Nur gemeinsam sind wir stark und beileibe keine schweigende Mehrheit“, dieses Resümee zog in seinem Schlusswort Landrat Paul Breuer. Er erinnerte an die jahrelangen vielfältigen Aktivitäten und Initiativen, die immer wieder von unterschiedlicher politischer Seite, nicht zuletzt auch von ihm persönlich, unternommen wurden, um zu einer verbesserten Verkehrserschließung des Wittgensteiner Raumes zu kommen. Immer wieder habe man über Jahre und Jahrzehnte hin neue politische Hürden aufgebaut, wechselnde politische Mehrheiten erlebt und auch ein häufig verändertes Planungsrecht als Handlungshemmnis hinnehmen müssen. Er erinnerte daran, dass nicht nur er als Landrat seit Jahrzehnten für eine bessere Verkehrsanbindung des Wittgensteiner Raumes kämpfe, sondern auch die klare politische Mehrheit im Kreistag, wie auch in den Stadt- und Gemeinderäten zwischen Kreuztal und Bad Berleburg grundsätzlich gemeinsam „an einem Strick“ ziehen. „Dass die klare Mehrheit gewählter politischer Vertreter eines Raumes in einer zentralen Infrastrukturfrage die gleiche Forderung erhebt, gerät leider manchmal zu sehr in Vergessenheit und wird sowohl in Düsseldorf wie auch in Berlin zu wenig gewürdigt“, so Landrat Paul Breuer.

Hintergrundinformationen:
Hermann-Josef Droege, Tel. 0271/3302-312, E-Mail: hermann.droege@siegen.ihk.de

 

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