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Aktuelle Meldung

Nr. 113 - Glänzende Wirtschaftsdaten, aber Stimmung kippt
IHK stellt Ergebnisse ihrer Konjunkturumfrage vor

27.09.2011 14:40

Die Turbulenzen der letzten Wochen an den Finanzmärkten, ausgelöst durch die europäische und amerikanische Schuldenkrise, gewinnen mehr und mehr Einfluss auf die Konjunktureinschätzungen der Unternehmen im IHK-Bezirk Siegen. „Die Zweifel daran, dass die Politik diese Schuldenprobleme lösen kann, nehmen zu. Obwohl die Fundamentaldaten der Realwirtschaft, wie Beschäftigung, Auslastung, Auftragseingang und Ertragslage, wenig Anlass dafür geben, steigt deshalb die Skepsis über den weiteren Konjunkturverlauf“, kommentiert IHK-Präsident Klaus Th. Vetter die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage, an der sich rund 500 Unternehmen in Siegen-Wittgenstein-Olpe aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen beteiligt haben.

„Auch die Unternehmen im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) sind nicht immun gegen die von außen eingebrachten Störungen in ein in weiten Bereichen noch stabiles wirtschaftliches Umfeld. Deshalb ist die Stimmung schlechter als die Lage“, ergänzt IHK-Hauptgeschäftsführer Franz J. Mockenhaupt.

Das unterstreichen auch die Umsatzdaten in der Industrie, plus 24 Prozent bis zum Juli 2011 gegenüber dem Vorjahr, und die guten Arbeitsmarktdaten. Konsequenterweise beurteilen die Unternehmen deshalb auch ihre Situation noch einmal besser als am Jahresanfang.
Unter dem Strich aber, wenn Lagebeurteilung und Zukunftserwartungen zusammen gefasst werden, sinkt das regionale Konjunkturbarometer wieder, nachdem es vom Januar 2009 von 70 Punkten auf 123 Punkte im Januar 2011 angestiegen war. Der aktuelle Wert erreicht 112 Punkte. Trotz des Rückgangs ein Wert, der weit über dem langfristigen Mittel liegt und der angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Rahmendaten keinen rasanten Konjunkturabsturz ankündigt.

Von allen befragten Unternehmen aller Wirtschaftszweige beurteilen im September 39 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage gut, nur 11 Prozent als schlecht. In fast allen Wirtschaftszweigen ist damit die Lagebeurteilung besser als am Jahresanfang. In der Industrie und bei den unternehmensnahen Dienstleistern brummt vielerorts das Geschäft. Die Auftragsbücher sind bei den meisten Betrieben gut gefüllt und die Produktionsauslastung ist gegenüber Jahresbeginn erneut gestiegen. Die Umsätze florieren. Etliche Betriebe erwarten für 2011 eines der besten Jahresergebnisse. Die Investitionsneigung hat zwar etwas nachgegeben, bleibt aber auf hohem Niveau. Nach wie vor möchte fast jeder Dritte im Inland sein Investitionsbudget ausweiten. Der Einzelhandel beurteilt das Sommergeschäft positiv. Steigende Löhne und Gehälter und ein entspannter Arbeitsmarkt stimulieren die Nachfrage.

Die Erwartungen der Unternehmen sind über alle Wirtschaftszweige hinweg dagegen zurückhaltender geworden. Nur noch 18 Prozent aller Betriebe setzen auf eine bessere Entwicklung, knapp ein Fünftel befürchtet Verschlechterungen. Allerdings: Fast zwei Drittel der Unternehmen setzen auf eine gleichbleibende Entwicklung. Die große Mehrheit dieser Unternehmen beurteilt ihre aktuelle Lage befriedigend oder sogar gut. Das relativiert den starken Rückgang bei der Zahl der Betriebe, die auf eine noch bessere Entwicklung setzen. Das konjunkturelle Gesamtbild ist nicht so schlecht, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Bis auf das Baugewerbe zeigen in allen Sparten die Konjunkturbarometer fast gleichförmig nach unten, weil die Erwartungen überall abgerutscht sind.

Auch wenn die Industrieunternehmen im Vergleich zum Jahresbeginn über schwächere Auftragseingänge berichten, geben diese insgesamt keinen Anlass, einen Konjunktureinbruch zu befürchten. Die ausländische Nachfrage bleibt rege. Das gilt insbesondere für den Maschinenbau. Hier berichten über die Hälfte der Betriebe von steigenden Auftragseingängen. Das Auslandsgeschäft bietet offenbar weiter gute Wachstumschancen, auch wenn erwartet wird, dass die Dynamik der Weltwirtschaft insgesamt nachlässt.

Die größten Konjunkturrisiken aus Sicht der Unternehmen bleiben die steigenden Energie- und Rohstoffkosten. Daneben fürchten die Unternehmen vor allem konjunkturdämpfende Effekte, die von dem Störfeuer der Finanzmärkte wegen der nach wie vor ungelösten Staatsschuldenproblematik ausgelöst werden. Hier ist die Politik gefordert. Die öffentlichen Haushalte müssen mit aller Entschlossenheit wieder auf Kurs gebracht werden, damit die positiven Impulse der Realwirtschaft im gesamten Wirtschaftsgeschehen wieder Überhand gewinnen.

Zu den Ergebnissen im Einzelnen:

Der Industriemotor läuft rund: 40 Prozent der Betriebe beurteilen ihre Lage als gut und nur 11 Prozent als schlecht. Die Produktionsniveau ist weiter gestiegen: 42 Prozent der Firmen melden Auslastungsgrade von über 85 Prozent. 82 Prozent sind zu über 70 Prozent ausgelastet. Knapp ein Drittel stuft den Auftragsbestand als hoch ein. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres sind die Industrieumsätze um fast ein Viertel gestiegen. Das Inlandsgeschäft stieg um 15 Prozent, der Export um 37 Prozent. Eine so gute Zwischenbilanz gab es schon lange nicht mehr. Allerdings spüren die Betriebe ein Nachlassen der Auftragseingänge: Deutlicher bei den Inlands- als bei den Auslandsorder. Beim Export registrieren mehr Unternehmen steigende (26 Prozent) als fallende Tendenzen (19 Prozent). Gerade der Maschinenbau baut weiter stark auf die Impulse aus dem Ausland. Infolge der aktuellen „Kassandrarufe“ sind die Industriebetriebe allerdings beim Blick nach vorne vorsichtiger geworden: Nur noch 17 Prozent erwarten bessere Geschäfte, 20 Prozent schlechtere. Von der großen Zahl der Befragten, die eine gleichbleibende Entwicklung erwarten (64 Prozent), beurteilen allerdings 90 Prozent ihre aktuelle Lage gut oder befriedigend.

Das Baugewerbe brummt: 57 Prozent der Betriebe melden eine gute Lage, ganz wenige stufen sie als schlecht ein. Die regionalen Bauumsätze sind bis Juli 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18 Prozent gewachsen. Im gewerblichen Bau liegt das Plus sogar bei knapp 29 Prozent. Mehr als die Hälfte der Baufirmen stufen den Auftragsbestand als hoch ein und ein Viertel meldet steigende Order. Trotzdem nehmen die Baubetriebe ihre Erwartungen zurück, vor allem aus saisonalen Gründen, aber auch im Zuge der allgemeinen Verunsicherung: Nur noch 15 Prozent setzen auf bessere Geschäfte, ebenso viele erwarten Einbußen.

Im Einzelhandel schätzen mit 22 Prozent in etwa gleich viele Betriebe ihre Lage gut wie schlecht ein. Das Sommergeschäft wird positiv beurteilt: 42 Prozent der Einzelhändler konnten ihre Umsätze in den vergangenen Monaten steigern. Das aktuelle Kaufverhalten wird hingegen überwiegend als zurückhaltend bezeichnet. Obwohl die Voraussetzungen für den Konsum gut stehen, erwartet der Einzelhandel vor dem Hintergrund der spekulativen Krisendiskussion um einen Konjunkturabsturz in absehbarer Zukunft keine Besserungen im Verbraucherverhalten. So erwarten künftig nur 16 Prozent der Betriebe bessere, 18 Prozent jedoch schlechtere Geschäfte.

Jeder zweite Großhändler beurteilt die Lage gut, nur 5 Prozent sagen „schlecht“. Besonders der produktionsnahe Großhandel profitiert von der guten Situation der Industrie. Die künftigen Geschäfte schätzt die Branche zwar vorsichtiger ein. Ein Viertel setzt aber auf weitere Steigerungen und 57 Prozent auf einen stabilen Verlauf. Da die Angaben des Großhandels traditionell eine gewisse konjunkturelle „Vorlauffunktion“ haben, lassen diese Einschätzungen darauf hoffen, dass sich die allenthalben prognostizierten konjunkturellen Abwärtstendenzen im Rahmen halten könnten. Nur 18 Prozent der Großhändler blicken skeptisch nach vorne.

40 Prozent der Dienstleister berichten über eine gute Lage, nur 8 Prozent über eine schlechte. Alle Dienstleistungsbranchen geben bessere Einschätzungen ab als im Januar: Zu vorderst der unternehmensnahe, aber auch der Verkehrsbereich. Letzterer muss jedoch mit steigenden Kosten bei anhaltendem Preisdruck fertig werden. Der Dienstleistungssektor blickt insgesamt viel vorsichtiger nach vorne: Nur noch 22 Prozent der Betriebe sehen Steigerungen, ebenso viele sind zurückhaltend eingestellt.

Der regionale Arbeitsmarkt hat sich positiv entwickelt: Ende August 2011 wurden 11.595 Arbeitslose registriert, 2265 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ging um einen Prozentpunkt auf 5,2 Prozent zurück und liegt damit auf einem Spitzenplatz der niedrigsten Quoten in Nordrhein-Westfalen (NRW). Die Einstellungsneigung der Unternehmen ist nicht mehr so ausgeprägt wie zu Jahresbeginn, aber deutlich mehr Betriebe wollen eher Mitarbeiter einstellen als Beschäftigung abbauen.

Hintergrundinformationen:
Stephan Jaeger, Tel. 0271 3302-315, E-Mail: stephan.jäger@siegen.ihk.de

 

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