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Lili-Zoé Peetz, GEDIA Gebrüder Dingerkus GmbH

Lili-Zoé Peetz, GEDIA Gebrüder Dingerkus GmbH

  • Auszubildende zur Industriekauffrau
  • 13. Oktober bis 9. November mit WINGs in Portsmouth
  • Gastbetrieb: Portsmouth Central Library

Abenteuer England

Auch ich hatte das Glück, vier Wochen in einem englischen Gastbetrieb arbeiten und in einer Gastfamilie leben zu dürfen. Von diesem Abenteuer möchte ich euch berichten, um auch euch in etwas Vorfreude und den englischen Lifestyle zu versetzen.

Während der vier Wochen in England ist mir bewusst geworden, wie unterschiedlich wir Europäer sind. Obwohl England nur eine Flugstunde entfernt ist, habe ich in Portsmouth, Südengland, einen gänzlich anderen Alltag als in Deutschland erlebt. Generell wirkte das Leben ruhiger und gleichzeitig exzessiver auf mich.

Ruhiger bezüglich der „Arbeitseinstellung“. So habe ich weder Hektik noch Anspannung oder Stress bei meinen Kollegen erlebt. Dies lag zum einen vielleicht an meiner Arbeitsstätte, einer Bücherei, doch auch meine Gastmutter sprach mit einer gewissen „Gleichgültigkeit“ über ihre Arbeit. Auf mich wirkte es, als habe der Beruf in Großbritannien einen geringeren Stellenwert als in Deutschland, wo sich ja viele Menschen stark über ihre berufliche Position definieren. So schilderten es mir auch viele der anderen deutschen Austauschschüler. Auch die Arbeitseffizient scheint geringer als in Deutschland, Computer schienen mir weniger genutzt zu werden und ein ausgefeiltes EDV-Schulungssystem wie in meinem deutschen Ausbildungsbetrieb ist mir in meinem englischen Gastbetrieb nicht begegnet.

Auf der anderen Seite wird das Privatleben deutlich exzessiver als in Deutschland gelebt. So sind die Pubs täglich gut gefüllt, nicht nur am Wochenende. Viele Briten gehen mehrmals die Woche aus. Dabei ist die Kneipen-Kultur legendär. Auch wir passten uns bereitwillig diesem Lebensstil an. Besonders empfehlenswert sind die Wetherspoon Lokale (im Volksmund ‚Spoons‘). Sie gehören zu einer Ladenkette und sind deswegen sehr preisgünstig, bieten aber trotzdem gute Speisen und Getränke. Der „Cider Strongbow Darkfruit“ wurde schnell zu meinem Lieblingsgetränk. Generell sind die Cider typisch britisch und schmecken alle sehr gut. Sie sind ein wenig mit dem deutschen Radler oder einer Fassbrause vergleichbar. Und auch die kleineren Kneipen sind sehr schön. In vielen kann man zusätzlich Billard oder Darts spielen. Dabei lernten wir ein paar Engländer kennen.

Dieser lebensfrohe Alltag liegt vielleicht auch an der Stadt Portsmouth. Portsmouth ist eine Studentenstadt. Dadurch ist es eine sehr junge und hippe Stadt, in der immer etwas los ist. Durch die vielen Studenten ist auch der ÖPNV relativ gut. Die meisten Busse fahren im 10- oder 30-Minuten Takt. Es kann aber auch passieren, dass nur jeder zweite Bus kommt, was der Engländer mit der ihm typischen Gelassenheit hinnimmt. Und in den meisten Fällen ist es auch nicht so schlimm, denn obwohl Portsmouth eine Stadt ist, ist fast alles innerhalb von 30 Minuten fußläufig erreichbar. (Tipp: Ladet euch die „First Bus-App“ herunter. In ihr ist ein digitaler Busfahrplan von Portsmouth)

Überhaupt ist Portsmouth eine sehr schöne Stadt mit viel Sehenswertem, zahlreichen Shoppingmöglichkeiten und einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm. Direkt am Hafen gelegen ist das Outlet „Gunwharf Quays“, in dem viele namenhafte Modemarken vertreten sind. Direkt daneben sind die „Historic Dockyards“, in denen mehrere antike Kriegsschiffe liegen, die zu besichtigen sind. Auch eine Hafenrundfahrt lohnt sich, da der Hafen den Großteil der britischen Schiffsflotte sowie den Flugzeugträger „Queen Elizabeth“ beherbergt. Einen Ausblick über all das kann man vom Spinnacker Tower genießen, der mit einem regulären Eintrittspreis von £ 11.50 zwar teuer ist, aber einen Besuch absolut wert!

Des Weiteren gibt es das D-DAY Museum. Dieses ist sehr sehenswert und informiert umfassend über die Landung der Alliierten in der Normandie. Das Museum hat ein aufwändig handgesticktes, 90 Meter langes Relief, auf dem von der Vorbereitung des D-Day über die Durchführung  bis zum Sieg der Alliierten die Geschichte szenisch dargestellt wird. Es gibt noch viele weitere Attraktionen in Portsmouth, wie zum Beispiel ein Aquarium, das Marine Museum, zwei verschiedene Piere und einen historischen Weg über die Geschichte Portsmouths direkt am Meer und der Burg entlang. Ihr merkt es sicher schon, Portsmouth ist sehr vielseitig, man kann hier ein bis zwei Wochenenden unterhaltsam verbringen.

An einem Wochenende bin ich nach Brighton gefahren. Die Küstenstadt liegt ca. 1,5 Stunden südlich von Portsmouth entfernt und ist sehr schön. Zum einen gibt es den Brighton Pier direkt am Meer. Dort kann man Achterbahn fahren oder sein Glück bei einem der zahlreichen Glücksspiele versuchen. Auch die „Lanes“ (Füßgängerzonen) im Stadtinneren sind sehr schön. Durch die Enge und die einzigartigen Boutiquen wirken sie ein wenig verwunschen. Ich empfehle sehr, Brighton zu besuchen, doch wenn, dann sollte man dies in kleinen Gruppen oder einzeln tun, da die Eindrücke sehr vielseitig sind und jeder die Stadt anders erkunden möchte. Des Weiteren kann in der Stadtmitte der Royal Pavilion besichtigt werden, ein beeindruckendes indisch-chinesisches Bauwerk, das nach dem Vorbild indischer Mogulpaläste errichtet wurde.

Auch auf der Isle of White waren wir. Diese Insel liegt nur etwa 10 Minuten mit dem Hovercraft von Portsmouth entfernt. Die Insel ist landschaftlich sehr schön, deswegen kann ich eine Rundfahrt mit einem Bus nur empfehlen. Und man sollte genau planen, was man auf der Insel ansehen möchte, da die Wegzeiten meist recht lang sind. Wir haben uns die „Needles“ (Steinformation) im Meer und die „Chamber of Shine“ (kleines Naturschutzgebiet) angesehen. Beides war schön, doch ich bin mir sicher, dass es auf der Insel noch weitaus schönere Orte zum Laufen, Wandern und Entdecken gibt.

Abschließend kann ich sagen, dass ich die Region um Portsmouth sehr schön fand. Doch auch die Stadt sollte nicht vernachlässigt werden. So ist die Promenade entlang des Meers sehr schön, besonders im Dunkeln, wenn bunte Glühbirnen den Weg erhellen.

Während meines Auslandpraktikums habe ich bei Mehri gewohnt. Sie ist eine sehr nette 50-jährige Dame und lebt sehr zentral in Southsea, das Meer ist nur ca. 7 Minuten zu Fuß entfernt und die Stadtmitte 10 Minuten per Bus. Das Abendessen hat Mehri meist frisch zubereitet und aufgrund ihrer iranischen Herkunft gab es viele leckere Variationen von Hühnchen und Reis.

Gearbeitet habe ich wie schon erwähnt in der Central Library. Sie ist sehr zentral gelegen, so dass die ÖPNV-Verbindung dorthin problemlos funktioniert. Die Bücherei ist sehr groß und erstreckt sich über drei Stockwerke. Dort arbeiten ca. sechs Personen pro Tag. Das gesamte Team ist sehr nett, interessiert und hilfsbereit, so dass auch der berühmte englische Small-Talk hier gut trainiert werden konnte. Zwei Tage habe ich an der Rezeption gearbeitet. Dabei habe ich Neukunden registriert, Kunden bei der Suche nach Büchern geholfen, Reservierungen bearbeitet, Kunden angerufen und verschiedene Artikel verkauft. Außerdem gab es ein Internetcafé, in dem simple Computer-Unterstützung geleistet wurde. Zwei Mal pro Woche finden in der Bibliothek Aktivitäten für Kleinkinder und Schulen statt. Dabei werden Geschichten vorgelesen, gesungen und gebastelt. Bei diesen Veranstaltungen durfte ich immer mit helfen. Der Dresscode ist nicht allzu streng, doch man sollte ordentlich und gepflegt erscheinen, da man sehr viel Kundenkontakt hat. Die meisten Mitarbeiter trugen stets eine schwarze Hose oder einen Rock mit T-Shirt, Hemd und Bluse.

Abschließend lässt sich sagen, dass es ein sehr schöner Arbeitsplatz für ein Auslandspraktikum ist: Man kommt mit vielen verschiedenen Leuten in Kontakt und spricht viel. Auch die Aufgaben sind für vier Wochen in Ordnung: Sie sind nicht zu anspruchsvoll und deswegen leicht zu lernen. Dadurch durfte ich auch sehr schnell eigenständig und alleine arbeiten.

Insgesamt haben mir die vier Wochen in England sehr gut gefallen. Es hat Spaß gemacht, eine neue Kultur kennen zu lernen. Außerdem ist es nun viel leichter für mich, auf fremde Personen zuzugehen. Es war auch sehr interessant, in einem fremden Land zu arbeiten. Dadurch habe ich verstanden, dass jedes Land seine eigene Arbeits- und Alltagskultur hat. Dies wird mir besonders in Bezug auf ausländische Kunden, Lieferanten und Auslandsstandorte weiterhelfen.

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Ansprechpartner

Dr. Christine Tretow

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