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Nr. 039: Heimische Industrie startet verhalten ins neue Jahr: Sorgen wegen Lehrstellenlage wachsen

16.04.2021 | Im Januar und Februar setzten die Industrieunternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe 2,2 Mrd. € um. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr beträgt 4,4 %. „102 Mio. € weniger an Industrieumsatz sind alles andere als ein guter Start ins neue Jahr. Vor allem in Siegen-Wittgenstein könnte es deutlich mehr sein. Die Corona-Pandemie belastet nach wie vor einen Großteil der heimischen Betriebe. Der leichte Aufholprozess zum Ende des vergangenen Jahres wurde nicht überall ins neue Jahr mitgenommen“, kommentiert IHK-Präsident Felix G. Hensel die aktuellen Umsatzzahlen des Statistischen Landesamtes. Es werde deutlich, dass sich eine schnelle Rückkehr auf das Vorkrisenniveau über alle Branchen hinweg noch nicht abzeichne. Felix G. Hensel: „Natürlich stottert der regionale Beschäftigungsmotor nicht überall. Gut ist auch, dass der Rückgang bei uns schwächer ausfällt als im Landesdurchschnitt (- 5,9 %). Klar ist jedoch: Je länger die Pandemie dauert, desto schwieriger gestaltet sich eine durchgängige Erholung. Hoffnung macht indessen der mancherorts wieder steigende Auftragseingang.“

Unternehmen aus dem Kreis Olpe starten besser ins neue Jahr

Zwischen den beiden Kreisen des IHK-Bezirkes ist ein deutlicher Unterschied zu beobachten. Während die Unternehmen aus dem Kreis Olpe in den ersten beiden Monaten das Umsatzniveau des Vorjahres nahezu erreichen konnten (-0,1 %), verzeichneten die Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein Einbußen von 7,8 %. IHK-Konjunkturexperte Stephan Häger: „Die Unternehmen aus dem Kreis Olpe haben einen wirklich ordentlichen Start ins neue Jahr hingelegt. Während der Auslandsumsatz in den ersten beiden Monaten noch unter dem Vorjahresniveau lag (-2,8 %), stieg der Inlandsumsatz um 1,5 %. Dagegen verbuchten die Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein sowohl im Auslandsumsatz mit -8,5 % als auch im Inland mit -7,2 % deutliche Einbußen.“

Beschäftigung in der Industrie sinkt weiter

Die Corona-Pandemie hinterlässt auch auf dem regionalen Arbeitsmarkt weiterhin deutliche Spuren. In den Industrieunternehmen mit 50 und mehr Mitarbeitern waren im Februar 54.078 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 1.747 bzw. 3,1 % weniger als vor einem Jahr. Stephan Häger: „Der Beschäftigungsrückgang ist in allen für unsere Region bedeutsamen Industriebranchen zu beobachten. Vor allem bei den Unternehmen der Metallerzeugung und -bearbeitung schlägt er mit -7,0 % deutlich zu Buche. Im Vergleich zu den Spitzenwerten aus dem Jahr 2019 ging die Industriebeschäftigung sogar um etwa 4 % zurück. Damit sind derzeit etwa 2.200 Menschen weniger in der Industrie tätig als vor zwei Jahren.“ Gelinge es nicht, schleunigst wieder einen nachhaltigen, breit getragenen Wachstumspfad einzuschlagen, bestehe die Gefahr, dass sich diese Entwicklung verfestige.

Sorgen wegen der Lehrstellenentwicklung

Dies wiederum kann sich ebenfalls negativ auf den Lehrstellenmarkt auswirken, der der IHK ohnehin derzeit große Sorgen bereitet. IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener: „Normaler Schulunterricht war in den letzten 12 Monaten nicht drin. Erhebliche fachliche Defizite der Schulabgänger sind daher wahrscheinlich. Wegen weitgehend geschlossener Schulen lagen zudem sämtliche Instrumente einer aktiven Berufsorientierung auf Eis. Betriebspraktika fanden nicht statt, klassische Berufsmessen waren nicht erlaubt, die übliche Heranführung an die betriebliche Wirklichkeit fiel nahezu komplett der Pandemie zum Opfer. Größere Teile der Schulabgangsklassen dürften dadurch erheblich verunsichert und weitgehend ohne Orientierung sein.“ Im Ergebnis könne dies dazu führen, dass die Nachfrage nach betrieblichen Lehrstellen in diesem Jahr noch weiter abnehme. Dass weite Teile des Handels, das komplette Gastgewerbe und zahlreiche andere Dienstleister ihr Ausbildungsengagement reduzieren dürften, verschärfe das Problem. Klaus Gräbener: „Wem der Staat die gewerbliche Tätigkeit mittlerweile über Monate hinweg verbietet, der kann guten Gewissens auch keine Lehrverträge abschließen. Da helfen auch keine staatlichen Ausbildungsprämien.“ Die Region sei daher gut beraten, wenn sie sich kurzfristig kreative Stützmaßnamen überlege, die auf drei Ebenen ansetzen müssten. Zunächst ginge es darum, zweifellos bestehende schulische Defizite zu beseitigen. Zugleich seien die jungen Menschen über nach wie vor attraktive Berufsbereiche zu orientieren und schließlich dann nach hoffentlich bald überstandener Pandemie in dann wieder offenstehende Ausbildungsplätze und duale Studienmodelle zu vermitteln.

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Stephan Häger

Tel: 0271 3302-315
Fax: 0271 3302400
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