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Nr. 073: Neue Gründer braucht das Land

06.09.2019 | Mehr als 46 % der Unternehmensgründer bemängeln den „großen bürokratischen Aufwand“. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung zum Gründungsklima in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW befragte 585 Unternehmensgründer in NRW, die im ersten Halbjahr 2018 mit ihrem eigenen Betrieb starteten, um zu erfahren, was sie anspornt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen bzw. was sie davon abhält: In welchen Bereichen werden sie aktiv? Wie finanzieren sie ihre Gründung? Und erfüllen sich ihre Erwartungen? Eines der größten Hindernisse ist nach wie vor die Bürokratie. „Das geht beim Start los und wird im Laufe des Unternehmerdaseins leider auch nicht besser“, bemängelt Sabine Bechheim, Leiterin des Referats Gründung, Sicherung, Nachfolge bei der Industrie- und Handelskammer Siegen. „Bei allen Befragungen steht das Thema Bürokratieabbau für Unternehmer ganz oben auf der Agenda. Hier muss dringend etwas passieren, zumal die Angst, hier etwas falsch zu machen, potenzielle Unternehmensgründungen ausbremst.“

Obwohl oder weil sich die Wirtschaft in NRW in den vergangenen Jahren so gut entwickelt hat, wagen immer weniger Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit und gründen ein eigenes Unternehmen. Allein seit dem Jahr 2014 sank die Zahl der jährlichen Unternehmensgründungen von knapp 70.000 auf unter 60.000 im Jahr 2017. Das Problem wird verschärft durch einen weiteren Effekt des demografischen Wandels: Die Generation der „Babyboomer“ geht in Rente – und damit viele Inhaber von Familienunternehmen. Laut einer Studie von IHK NRW suchen in den nächsten zehn Jahren rund 65.000 Familienunternehmen einen Nachfolger.

„Was wir auch sehen, ist, dass die Umsetzung sehr zügig erfolgt“, ergänzt Bechheim. „72 % brauchten für die Vorbereitungsphase weniger als sechs Monate. 16 % nahmen sich bis zu einem Jahr Zeit, 12 % brauchten mehr als ein Jahr zur Vorbereitung.“ Und es fällt auf, dass sich nach wie vor nur wenige Gründer im Vorfeld beraten lassen. Nahmen im Jahr 2017 etwa 22 % der Befragten eine Gründungsberatung in Anspruch, waren es nun sogar nur noch 20 %.

Die meisten der befragten Gründer starteten mit relativ wenig Kapital. Mehr als die Hälfte setzte weniger als 5000 € ein, 28 % bis zu 25.000 €, 10,5 % bis zu 100.000 €; 9,5 % investierten mehr als 100.000 €. Vier von fünf Gründern setzen ausschließlich auf eigenes Geld, nur 21 % nutzten zur Gründung Fremdkapital. 23 % der Befragten waren zudem die öffentlichen Finanzierungshilfen nicht bekannt.

Immerhin: 28 % der Befragten sehen keinerlei Schwierigkeiten bei der Unternehmensgründung. Das sind drei Prozentpunkte weniger als 2017. Und ein weiterer Wert ist im Vergleich zu 2017 schlechter geworden: die wirtschaftliche Situation der Gründer. Konnten sie damals nach einem knappen Jahr der Selbstständigkeit zu 55 % mit ihren Einnahmen über die Runden kommen, sind es nun nur noch 50 %. Bei 27 % wird dies in spätestens einem halben Jahr der Fall sein (2017: 28,5 %); 22 % sehen noch kein Licht am Ende des Tunnels.

39 % der Befragten bescheinigen dem Land ein gutes oder gar sehr gutes Gründerklima, 2017 war es noch knapp die Hälfte. „Hier sieht man, dass die Maßnahmen der Landesregierung wie das Gründerstipendium NRW zum Gründungszeitpunkt dieser Gruppe noch nicht gegriffen haben“, erläutert Sabine Bechheim diese Erkenntnis. „Insofern wird es interessant zu sehen sein, wie sich das Gründungsklima in den kommenden beiden Jahren verändern wird.“ Neu in der Studie 2019 war eine Befragung zum Thema Unternehmensnachfolge. Um zu ergründen, wie man eine Unternehmensübernahme erleichtern könnte, wurden die Mitglieder der sogenannten Nachfolger-Clubs befragt, die die IHKs in NRW schon vor einiger Zeit gründeten.

Die erste Erkenntnis aus dieser Erhebung lautet: Derzeit ist der Kreis der Interessenten relativ eingeschränkt. Es handelt sich überwiegend um Männer im Alter zwischen 40 und 59 Jahren, die bereits über eine hohe Berufserfahrung verfügen und diese nun in einem eigenen Unternehmen einsetzen wollen, ohne deswegen mit einer Neugründung sozusagen bei null anfangen zu wollen. Knapp zwei Drittel der Befragten sind als Geschäftsführer tätig. Um mehr Schwung in das Thema Unternehmensnachfolge zu bekommen, wäre es wichtig, weitere Interessenten zu aktivieren. An erster Stelle sind hier die Frauen anzusprechen, die sich bisher kaum mit einer Übernahme beschäftigen. „Aber auch jüngere Fachkräfte mit dem entsprechenden Know-how könnten einen frühzeitigen Start in die Eigenständigkeit wagen“, erklärt Bechheim.

Seiten-ID: 3101

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Ansprechpartner

Sabine Bechheim

Tel: 0271 3302-305
Fax: 0271 3302-44305
E-Mail