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Nr. 029: IHK-Wirtschaftsgespräch in Lennestadt: Es fehlen Fachkräfte und Gewerbeflächen

24. April 2024/ „Lennestadt verfügt über einen guten Unternehmensmix. Die Industrieumsätze sind in den letzten 23 Jahren um 61 % gestiegen, weit mehr als im Landesdurchschnitt. Hinzu kommt, dass die Kaufkraft in bemerkenswerter Weise vor Ort gebunden wird.“ IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener zeichnete beim IHK-Wirtschaftsgespräch bei der Tracto-Technik GmbH & Co. KG in Lennestadt ein positives Bild von der wirtschaftlichen Entwicklung in der Kommune. Offenkundig sei in der Kommune viel richtig gemacht worden. Sorgen bereite indes ein Rückgang der Bevölkerung um beinahe 10 % seit der Jahrtausendwende. Zwar stünden heute beinahe 1.000 Menschen mehr in Lohn und Brot als vor 23 Jahren, allerdings liege dieser Zuwachs unter dem Landesdurchschnitt, so Gräbener.

„Vieles konnte in den letzten Jahren im Interesse einer zukunftsgerechten Entwicklung positiv umgesetzt werden“, erläuterte Bürgermeister Tobias Puspas vor den mehr als 80 anwesenden Unternehmensvertretern. Der Einzelhandel profitiere nicht zuletzt von einer gelebten Nähe zur Gemeinde Kirchhundem. Allerdings: Hätten viele produzierende Betriebe in der Vergangenheit für ihr Wachstum noch auf Erweiterungspotenziale vor Ort zurückgreifen können, bestehe die Möglichkeit mittlerweile nicht mehr. „Es gibt praktisch keine verfügbaren Flächen mehr. Das stellt die dezentrale Wirtschaftsentwicklung vor große Herausforderungen.“

Spürbare Abhilfe ist hier nicht absehbar. Das zeigte der Bericht von IHK-Geschäftsführer Hans-Peter Langer über den Regionalplan, der sich nach wie vor im Entwurfsstand befindet. Die Würdigung zahlreicher kritischer Anmerkungen der IHK durch die Bezirksregierung Arnsberg hält Ernüchterndes bereit: Nur ein sehr geringer Teil der vorgeschlagenen Suchräume für Gewerbe und Industrie wurde im aktuellen Entwurf des Regionalplans berücksichtigt. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht. „Durch die politische Maßgabe, beträchtliche Flächen für die Windenergie auszuweisen, ist das Thema Gewerbeflächen in den Schatten gerückt“, bilanzierte Langer.

Nach wie vor weise der Kreis Olpe ein Gewerbeflächendefizit von rund 200 Hektar auf. Alleine Lennestadt fehlten 38 Hektar. Tobias Puspas: „Wir werben in Arnsberg immer wieder für mehr Flexibilität bei der Flächenzuweisung im ländlichen Raum, wie sie auch in anderen Regierungsbezirken praktiziert wird. Bislang leider ohne Erfolg.“ Mit einem rechtskräftigen Plan, der für die kommenden 22 Jahre festlegt, wo in der Region welche raumwirksame Entwicklung noch möglich ist, wird im kommenden Jahr gerechnet. „Dann werden acht Jahre vergangen sein, in denen sich etliche Fachplaner mit dem Planwerk befassen mussten“, zeigte Langer den erheblichen bürokratischen Aufwand für das Verfahren auf. 

IHK-Geschäftsführerin Sabine Bechheim stellte die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt dar. Im IHK-Bezirk sei ein Plus an Ausbildungsverträgen von 2,4 % zu verzeichnen. „In Lennestadt betrug der Zuwachs fast 19 %. Das ist im Vergleich schon sehr gut.“ Dennoch sei auch hier die Lage mit Sorgen der Betriebe um adäquaten Nachwuchs zu beschreiben, denn das Niveau der Vor-Corona-Jahre sei nach wie vor und auf Dauer nicht zu erreichen. In einer Umfrage Anfang des Jahres hatten 154 von 270 Betrieben über einen signifikanten Rückgang an qualifizierten Bewerbungen für ihre Ausbildungsplätze geklagt. Das habe zur Folge, dass etliche Plätze entweder nicht, sehr spät oder mit nicht so gut qualifizierten jungen Menschen besetzt würden.

Stefan Schauerte (W. Schauerte GmbH & Co. KG) stellte in der anschließenden Diskussion fest, dass es selbst bei erheblichen Anstrengungen zur Fachkräftegewinnung längst keine Erfolgsgarantie mehr gebe: „Trotz Praktika, Tagen der offenen Tür, Messen und Schulbesuchen wird es immer schwieriger, Leute zu finden. Auch die Zahl der Enttäuschungen nimmt zu. Was uns immer wieder motiviert, sind die ‚Lichtblicke‘, in denen es gelingt, junge Menschen für die betriebliche Ausbildung zu gewinnen!“ Dass Glücksfälle mitunter den Unterschied machen können, bestätigte Christof Böhne (b&p Metalltechnik GmbH): „Wir konnten einen Auszubildenden über ein Tagespraktikum gewinnen, der sich ganz bewusst auf einen kleinen Betrieb eingelassen hat, in dem er schnell in Verantwortung kommen kann.“ Eine „Entscheidungsschwäche“ angesichts der schieren Vielzahl an Möglichkeiten machte indes Sebastian Menn (SPS-Software & Automatisierungstechnik) bei vielen Jugendlichen aus. Wichtig sei, dass Betriebe diesen Menschen nicht nur finanziell Sicherheit böten, sondern auch durch eine aktive Einbindung in Prozesse.

Timotheus Hofmeister, geschäftsführender Gesellschafter von Tracto-Technik, hatte zuvor einen spannenden Einblick in die Geschäftsfelder des Spezialisten im Bereich des grabenlosen Leitungsbaus gegeben. Das IHK-Wirtschaftsgespräch fand im Rahmen der Messe „Hands on Days“ von Tracto-Technik statt, zu der rund 1.700 Geschäftskunden und Besucher aus aller Welt den Weg an den Unternehmenssitz des Weltmarktführers in Lennestadt-Saalhausen fanden.

 

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