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Nr. 078: Digitaler Produktpass: IHK drängt auf praktikable und bürokratiearme Umsetzung

4. Dezember 2025/ Die Europäische Union verfolgt mit Tempo den Wandel hin zu einer ressourceneffizienten und klimaneutralen Wirtschaft. Dazu gehört der Digitale Produktpass (DPP). Er soll künftig alle wesentlichen Informationen über Herkunft, Zusammensetzung, Reparaturfähigkeit und Wiederverwendbarkeit von Produkten bündeln und entlang des gesamten Lebenszyklus digital verfügbar machen. Dadurch kann das Instrument zur Kreislaufwirtschaft beitragen. Auf viele Betriebe kommen damit jedoch Pflichten zu, auf die sie häufig unvorbereitet sind.

Nach aktuellen Erhebungen kennen rund 40 % der Unternehmen in Deutschland den Digitalen Produktpass nicht; nur 4 % haben damit begonnen, sich hierauf vorzubereiten. Branchenübergreifend teilen nur 18 % der Betriebe Daten in digitaler und standardisierter Form – eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren des DPP. Bereits 2027 soll der erste verbindliche DPP für Batterien eingeführt werden. In den Jahren 2027 und 2028 folgen Textilien, Reifen sowie Eisen und Stahl. Ab 2028 werden voraussichtlich auch Produktgruppen wie Möbel und Spielwaren einbezogen. Perspektivisch dürfte nahezu jeder Wirtschaftsbereich betroffen sein. Parallel entstehen derzeit eine EU-weite DPP-Datenbank zur Registrierung der digitalen Produktschlüssel sowie Normen, die eine standardisierte Datenstruktur sicherstellen sollen.

Für viele Unternehmen wirft dieser Fahrplan etliche Fragen auf: Welche Daten müssen künftig bereitgestellt werden? Wo erfolgt die Registrierung? Wie lassen sich bestehende Systeme einbinden? Und welcher konkrete Nutzen ergibt sich für den eigenen Betrieb? Die IHK Siegen drängt deshalb auf frühzeitige, klare und praxistaugliche Vorgaben. „Der Digitale Produktpass kann ein wirkungsvolles Instrument für die Kreislaufwirtschaft werden. Dies gelingt aber nur, wenn die Regeln für Unternehmen tatsächlich umsetzbar bleiben“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thilo Pahl. „Wir brauchen einfache, nachvollziehbare Prozesse und eine konsequente Orientierung an bestehenden Standards. Zusätzliche bürokratische Belastungen würden die Wettbewerbsfähigkeit unserer regionalen Unternehmen erneut schwächen.“

Digitaler Produktpass eröffnet Vorteile

Das Instrument selbst kann aus Sicht der IHK verschiedene Vorteile bieten, die von einer höheren Transparenz entlang der Wertschöpfungskette über eine bessere Rückverfolgbarkeit des Materialeinsatzes bis hin zu effizienteren Wartungsprozessen reichen. Auch neue Geschäftsmodelle sind demnach denkbar. Gleichwohl warnt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), dass die Digitalisierung der Produktinformationen nicht zulasten kleiner und mittlerer Unternehmen gehen darf, die oft weniger technische und personelle Ressourcen besitzen.

Für eine möglichst praxisnahe Umsetzung muss aus Sicht der Kammer der Fokus auf bürokratiearme Vorgaben und die Nutzung etablierter Standards gerichtet sein. So würde die Anbindung an verbreitete Datenformate vielen Betrieben den Einstieg erleichtern. Zudem brauche es technische Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen, und es müssten Dateninfrastrukturen geschaffen werden, betont die IHK. Schließlich könne eine verpflichtende Berücksichtigung des DPP bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand wichtige Impulse zur Schließung von Stoffkreisläufen setzen. „Der Digitale Produktpass wird in wenigen Jahren Realität sein“, unterstreicht Dr. Thilo Pahl. „Wer sich rechtzeitig damit auseinandersetzt, kann nicht nur gesetzliche Anforderungen erfüllen, sondern auch eigene wirtschaftliche Vorteile sichern!“

Die IHK begleitet die regionale Wirtschaft auf diesem Weg – und setzt sich auf politischer Ebene dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für alle Unternehmen, insbesondere für kleine und mittlere Betriebe, praxistauglich gestaltet werden.

Weitere Informationen:

Neue Informationen zum Digitalen Produktpass

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