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Nr. 082: „Bürokratie runter, Energie bezahlbar – Wachstum jetzt“

19. Dezember 2025/ DIHK-Präsident Peter Adrian war Gastredner bei der Wintersitzung der Vollversammlung der IHK Siegen. Der Trierer Unternehmer startete provokativ: Er nahm Bezug auf den angekündigten „Herbst der Reformen“ und fragte: „Kommen überhaupt Reformen?“ Adrian forderte einen klaren Aufbruch: weg vom kurzfristigen Stückwerk, hin zu einem verlässlichen, wachstumsfreundlichen Kurs. Die Mitglieder der Vollversammlung – Unternehmer aus den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe – befürworten diesen Kurs. Walter Viegener, Präsident der IHK Siegen, fasste die Forderungen der regionalen Wirtschaft in drei Punkten zusammen: „Wir brauchen bei den Strompreisen Entlastung in der Breite. Die Bürokratie muss konsequent und effektiv abgebaut werden. Und wir müssen schneller werden, insbesondere bei den Genehmigungsverfahren.“

Diese Aussagen entsprachen überwiegend auch den Schwerpunkten in Adrians Appell: Er forderte die Bundesregierung auf, mit weniger Bürokratie Spielräume für Innovation in Unternehmen zu schaffen. Zudem appellierte er an klimapolitische Vernunft ohne deutsche Alleingänge, die die Wirtschaft im internationalen Wettbewerb behindern. Und er drang auf verlässliche Rahmenbedingungen für die Transformation in den Schlüsselindustrien. Dazu seien tiefgreifende Reformen notwendig: „Die Strukturprobleme in Deutschland können wir nicht länger allein mit immer mehr Schulden lösen. Nur Wachstum schafft Wohlstand und politische Spielräume. Doch das muss auch erarbeitet werden können. Hinter jedem erwirtschafteten Euro stehen ein Mensch, der morgens aufsteht, und ein Unternehmer, der Verantwortung übernimmt“, sagte Peter Adrian.

Es gehe nun darum, Wachstumsimpulse zu setzen. Dazu müssten bürokratische Hürden abgebaut werden. Weit mehr als 100.000 Einzelnormen, die für Unternehmen gelten, könne niemand mehr überblicken – auch die Behörden nicht. Deshalb wäre ein Vertrauensvorschuss in das rechtmäßige Handeln von Unternehmen zwingend erforderlich, um diesen Wildwuchs zu reduzieren. Nur wegen weniger schwarzer Schafe alle Unternehmen übermäßig zu gängeln, habe in die aktuelle Wirtschaftskrise geführt. „Hier muss ein Umdenken stattfinden. Wir brauchen jetzt die Zeitenwende hin zu schnelleren Entscheidungen und weniger Hürden!“, rief der DIHK-Präsident zu mehr Mut, Unternehmen auch mal machen zu lassen, auf. Der Bau der LNG-Terminals oder auch der Neubau der Talbrücke Rahmede hätten gezeigt, dass beschleunigte Verfahren möglich seien. Diese müssten nun zur Regel statt zur Ausnahme werden.

Die Schlüsselbranchen in Deutschland stünden unter enormem Druck: Insbesondere die Grundstoffindustrie leide unter den hohen Energiekosten. Die Fahrzeugproduktion stecke mitten in einer umfassenden Transformation. Der Maschinenbau leide unter einer erratischen Zollpolitik und internationalen Spannungen. Und der Immobiliensektor kämpfe mit kostensteigernden Regelwerken sowie wachsenden Zinsen. „So wird das nichts mit dem Wirtschaftswachstum; hier müssen andere Bedingungen geschaffen werden“, stellte Peter Adrian fest.

Er plädierte für ideologiefreie Klimapolitik und technologieoffene Anreize zum Klimaschutz. Nationale Alleingänge gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit, während der deutsche Anteil am weltweiten CO?-Ausstoß gering sei. Es gehe darum, nicht den Energieträger vorzuschreiben, sondern Innovation zu belohnen. Zudem betonte er, dass ohne internationale Zusammenarbeit bei Energieerzeugung, Infrastruktur und CO?-Speicherung die Wirkung auf das globale Klima verpuffe. Ein Alleingang von Deutschland oder auch der EU helfe dem Klima wenig, habe jedoch große Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, die bereits jetzt darunter leide. „Die bisherigen Regelungen führen dazu, dass dieser Nachteil größer wird“, so Peter Adrian. Zudem müsse der Klima- und Transformationsfonds (KTF) zielgenauer eingesetzt werden. „Nach dem bisherigen Regelwerk ist er teuer, kostet Wachstum und bringt weder viel für das Klima noch gleicht er die höheren Kosten für sozial Benachteiligte aus.“

Die sich anschließende Diskussion unterstrich die durch den DIHK-Präsidenten hervorgehobenen Herausforderungen. André Barten (Achenbach Buschhütten GmbH & Co. KG) betonte, dass sich der Rückgang in der Produktion in Deutschland nicht in einer entsprechenden Kostensenkung spiegele. „Die anderen werden besser“, so sein Blick auf den Weltmarkt, „deshalb dürfen wir nicht mehr so viel teurer sein.“ Sebastian Quast (Otto Quast Fertigbau GmbH) bestärkte den Eindruck, dass zu viele Normen und auch die komplexen Vergaberegeln eine Last seien, unter der insbesondere die Bauwirtschaft leide. Hier wäre Erleichterung dringend geboten. Alexander Kremer (Garten-Center Kremer GmbH) hob hingegen das Unternehmertum als Teil der Lösung hervor: „Ärmel hoch, anpacken und die Segel in den Wind drehen“ sei die Devise. Denn vom Schlechtreden sei noch nie etwas besser geworden, zitierte er seinen Großvater.

Dr.-Ing. Christopher Grünewald (Grünewald Papier GmbH & Co. KG) lenkte den Blick der Vollversammlung noch einmal auf die besondere Problemlage in der Industrie: Einerseits stehe die nächste Verschärfung im CO?-Handel bevor, und gleichzeitig fehle es im ländlichen Raum an Energiealternativen: „Hier wird es auf absehbare Zeit keine Wasserstoffleitungen geben.“ Auch Frieder Spannagel (Gontermann-Peipers GmbH) bestätigte die Sorgen. Mit dem angekündigten Industriestrompreis sei dem Unternehmen nicht geholfen, davon sei bei näherer Betrachtung keine Entlastung zu erwarten. Seiner Meinung nach nehme die Unternehmerschaft die vielfältigen Belastungen „viel zu leise“ hin. Arnold Vetter (VETTER Industrie GmbH) stellte sich die Frage: „Erreichen wir die Politik überhaupt?“ Er habe den Eindruck, dass der Ernst der Lage noch nicht bei den Menschen angekommen sei. Gleichzeitig würden unternehmerische Initiativen zum Beispiel in Ökostromproduktion durch unsinnige Vorgaben ausgebremst.

IHK-Präsident Walter Viegener dankte Peter Adrian für sein ehrenamtliches Engagement auf dem Berliner Parkett: „Wir wünschen Ihnen viel Erfolg, denn wir brauchen diesen für unsere positive Entwicklung. Als Unternehmer wissen Sie, wo der Schuh drückt. Wir hoffen sehr, dass die Politik auf Sie hört.“ Der DIHK-Präsident ging am Ende über das bloße Fordern in Richtung Politik hinaus. „Wir brauchen Lösungen, die wirken – bezahlbar, effizient und international anschlussfähig“, betonte Adrian.

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