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Nr. 006: IHK-Konjunkturumfrage: Erste zaghafte Lichtblicke – Wirtschaft wartet weiter auf echten Rückenwind

9. Februar 2026/ „Die Stimmung der heimischen Wirtschaft zeigt erste zaghafte Lichtblicke, aber keine durchgreifende Entspannung. Die Lagebeurteilungen und Zukunftserwartungen hellen sich auf, gleichzeitig bleiben die Rahmenbedingungen herausfordernd: Hohe Kosten, bürokratische Hürden sowie globale Unsicherheiten durch geopolitische Spannungen und Handelsrisiken belasten die Betriebe. Das fragile transatlantische Verhältnis zeigt, wie brüchig das globale Umfeld geworden ist. Gerade deshalb braucht es jetzt eine Politik, die Orientierung bietet, Planungssicherheit schafft und mit Tempo wirksame wirtschaftsfreundliche Impulse setzt“, kommentiert IHK-Präsident Walter Viegener die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage. An der Befragung beteiligten sich 465 Unternehmen mit mehr als 39.000 Beschäftigten aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe.

Der Konjunkturklimaindex, der sich aus Lagebeurteilung und Geschäftserwartungen ergibt, steigt zu Jahresbeginn um acht Punkte auf 96. Damit erreicht er den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren, liegt jedoch weiterhin deutlich unter dem langfristigen Mittelwert der vergangenen 20 Jahre (105). Die Lage vieler Betriebe bleibt anspruchsvoll. Aktuell bewerten 19% der Unternehmen aus den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe ihre wirtschaftliche Lage als gut – eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Spürbarer fällt hingegen die Veränderung beim Blick nach vorn aus: Der seit vier Jahren anhaltend düstere Ausblick hellt sich im Jahresvergleich in allen Wirtschaftszweigen auf und zeigt deutlich weniger Pessimismus. Walter Viegener: „Die Hoffnung wächst, dass in Teilen die Talsohle durchschritten ist. In der Breite der Wirtschaft ist diese Entwicklung aber noch nicht angekommen. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob aus der größeren Zuversicht echte Dynamik entsteht.“

Risikobewertungen bleiben hoch – Arbeitskosten belasten Unternehmen

Die Risikowahrnehmung der Unternehmen bleibt auf hohem Niveau. Zu den größten Geschäftsrisiken zählen die Arbeitskosten (68 %), die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (68 %) sowie die Inlandsnachfrage (66 %). Hierbei erreichen die Arbeitskosten einen historisch hohen Wert. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thilo Pahl: „Die Unternehmen kämpfen weiter mit strukturellen Bremsklötzen. Besonders die hohen Arbeitskosten belasten die Betriebe branchenübergreifend. Hinzu kommt eine schwächelnde Inlandsnachfrage, die den Unternehmen wenig Luft für unternehmerische Entscheidungen lässt. Wenn Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze gesichert werden sollen, braucht es dringend eine Politik, die Prozesse vereinfacht, Bürokratie abbaut und die Wirtschaft spürbar entlastet.“

Investitions- und Beschäftigungsabsichten bleiben verhalten

Sowohl die Investitions- als auch die Beschäftigungsabsichten liegen weiterhin deutlich unter den Durchschnittswerten der vergangenen 20 Jahre. Nur 12 % der heimischen Unternehmen planen in den kommenden Monaten höhere Investitionsausgaben, während 29 % von geringeren Ausgaben ausgehen. Auch bei der Personalplanung zeigen sich die Unternehmen zurückhaltend: 11 % planen einen Personalaufbau, 32 % befürchten eine Reduzierung des Personalstamms. Dr. Thilo Pahl: „Viele Betriebe müssen weiterhin auf Sicht fahren. Größere Investitionsvorhaben werden verschoben, und die Personalplanung bleibt überwiegend zurückhaltend – ein klares Zeichen dafür, wie stark die noch bestehende Unsicherheit die Betriebe ausbremst.“

Industrieunternehmen setzen Hoffnungen auf Auslandsgeschäfte – Exporterwartungen steigen

Die Industrieunternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe bewerten ihre Geschäftslage zu Jahresbeginn positiver als zuletzt. Trotzdem überwiegen noch die negativen Rückmeldungen. 19 % melden aktuell gute Geschäfte, 28 % berichten von einer schlechten Lage. Im Herbst waren noch 40 % der Betriebe von einer schwierigen Geschäftslage betroffen. Die Geschäftserwartungen steigen erstmals seit fast drei Jahren wieder in den positiven Bereich. 22 % der Unternehmen rechnen in den kommenden Monaten mit besseren Geschäften, 16 % mit einer Verschlechterung. Besonders die Auslandsgeschäfte stehen im Fokus: Der Saldo der Exporterwartungen erreicht mit 10 Punkten den höchsten Stand seit vier Jahren. Walter Viegener: „Es ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt, dass die Industrieunternehmen wieder optimistischer in die Zukunft blicken. Viele Betriebe setzen Hoffnungen auf eine Belebung des internationalen Handels. Die Impulse aus dem Ausland könnten entscheidend sein, um die heimische Wirtschaft wieder spürbar in Schwung zu bringen. Ohne deutliche Verbesserungen der Rahmenbedingungen in Deutschland werden Investitionen und Personalaufbau hierzulande jedoch ausbleiben.“

Lage im Baugewerbe stabil – Zukunftsausblick bleibt verhalten

Das Baugewerbe bewertet seine Lage von allen Branchen am positivsten. 43 % der Betriebe melden eine gute Geschäftslage, 20 % eine schlechte. Der Blick auf die kommenden Monate bleibt jedoch getrübt und nur geringfügig besser als im Herbst. Stephan Häger, Leiter des Referates Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: „Die regionalen Bauunternehmen berichten in weiten Teilen von einer weiterhin stabilen Auslastung, sehen aber gleichzeitig merkliche Zurückhaltung bei Anfragen, Investitionen und öffentlichen Ausschreibungen. Belastungen durch Bürokratie, hohe Materialpreise, hohe Lohnkosten und fehlende Fachkräfte bleiben groß. Die Infrastrukturmilliarden bieten Chancen, doch die Betriebe sind skeptisch, da Bauen teuer bleibt und der Fachkräftemangel weiterhin bremst.“

Groß- und Einzelhandel weiter unter Druck – Erwartungen entwickeln sich unterschiedlich

Im Großhandel fallen sowohl die aktuelle Lagebeurteilung als auch die Zukunftserwartungen äußerst schwach aus und haben sich im Vergleich zum Herbst weiter verschlechtert. Hohe Kosten, anhaltende Nachfrageschwäche und Unsicherheiten belasten die Branche besonders stark.

Im Einzelhandel bleibt die aktuelle Geschäftslage ebenfalls angespannt. Der Blick auf die kommenden Monate zeigt jedoch eine deutliche Aufhellung. Stephan Häger: „Die ausgeprägte Kaufzurückhaltung der Verbraucher belastet den Einzelhandel weiterhin stark. Das Weihnachtsgeschäft ist in weiten Teilen enttäuschend verlaufen und konnte kaum Impulse setzen. Dennoch hoffen zahlreiche Einzelhändler auf eine Trendwende.“ Die Geschäftserwartungen erreichen den besten Wert seit fünf Jahren. „Die Betriebe setzen auf eine allmählich anziehende Konsumstimmung. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich die wirtschaftliche Unsicherheit verringert und die Verbraucher wieder mehr Vertrauen und finanzielle Spielräume gewinnen“, so Häger.

Stimmung im Dienstleistungsgewerbe heterogen

Zahlreiche Gastronomen kämpfen weiterhin mit hohen Kosten, fehlenden Stammgästen und rückläufigen Buchungen aus dem Geschäftskundensegment. Die Senkung der Mehrwertsteuer verspricht eine Entlastung, gleichzeitig steigt, ähnlich wie im Einzelhandel, die Hoffnung auf eine Belebung der Konsumstimmung. Damit fällt der Ausblick deutlich weniger pessimistisch aus als noch im Herbst.

Die Stimmung im übrigen Dienstleistungsgewerbe ist zu Jahresbeginn heterogen. Während im Verkehrsgewerbe und bei den personenbezogenen Dienstleistern sowohl Lage als auch Geschäftserwartungen trüber ausfallen, zeigt sich bei unternehmensbezogenen Dienstleistern eine moderate Verbesserung.

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Ansprechpartner

Stephan Häger

Tel: 0271 3302-315
Fax: 0271 3302400
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