PDF wird generiert
Bitte warten!

Nr. 031: Berufliche Orientierung und Ausbildung: IHK-Wirtschaftsgespräch in Wenden stößt auf großes Interesse

4. Mai 2026/ Die Sicherung von Fachkräften, die Rolle der beruflichen Ausbildung und die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandorts standen im Mittelpunkt des IHK-Wirtschaftsgesprächs in der Gemeinde Wenden. Rund 75 Vertreter aus Wirtschaft, Kommune und IHK diskutierten zentrale Herausforderungen von Ausbildung, Infrastruktur und kommunaler Entwicklung in der Gemeinde bei der DREHMO GmbH (AUMA Group). Im Rahmen der Veranstaltung hatten die Teilnehmer zudem die Gelegenheit, bei einem Rundgang durch die Produktion und Verwaltung der DREHMO GmbH einen praxisnahen Einblick in die betrieblichen Abläufe und die industrielle Fertigung zu gewinnen.

IHK-Geschäftsführerin Sabine Bechheim unterstrich die hohe Bedeutung der beruflichen Ausbildung für die Unternehmen in der Region. Ergebnisse aus Unternehmensbefragungen zeigten deutlich, dass akademische Abschlüsse keineswegs alleiniger Maßstab für Karriere seien. „Weniger als 3 % sagen, dass sie ausschließlich akademisch qualifizierte Menschen in die Führungspositionen nähmen.“ Der überwiegende Teil der Betriebe entwickle Fach- und Führungskräfte über Ausbildung, Weiterbildung und berufliche Praxis.

Sabine Bechheim berichtete zudem von einer angespannten Lage auf dem Ausbildungsmarkt. „Wir haben alles verloren, was wir nach Corona wieder zusätzlich gewonnen hatten“, erklärte sie mit Blick auf die Entwicklung der Ausbildungsverträge im Kreis Olpe. Bereits im ersten Quartal des laufenden Jahres seien „noch mal 10 % weniger Ausbildungsverträge zur Eintragung vorgelegt worden“ - eine Entwicklung, die langfristig den Fachkräftemangel erheblich verschärfe.

Ein wesentliches Problem sieht die IHK in der gesellschaftlichen Ausrichtung auf akademische Bildungswege. Die IHK-Geschäftsführerin warb dafür, jungen Menschen realistische Alternativen aufzuzeigen: „Diejenigen, die unsicher sind, die nicht genau wissen, was sie machen wollen, sollten nicht irgendwas studieren, sondern ermutigt werden, die berufliche Orientierung in den Betrieben zu suchen.“ Eine Ausbildung eröffne belastbare Karrierewege und biete zugleich die Möglichkeit zur späteren Weiterqualifizierung.

Schüler gehen in die Betriebe

Bürgermeister Bernd Clemens griff das Thema in Verbindung mit der aktuellen Situation der Gesamtschule Wenden auf, einer „top ausgestatteten Schule“, die nicht nur stabile Anmeldezahlen aufweise, sondern auch leistungsfähige Bildungswege bis zum Abitur biete. Besonders hob er dabei die enge Verzahnung von Schule und Wirtschaft hervor. Schüler mit Hauptschulabschluss-Perspektive besuchten einmal pro Woche einen Betrieb, um ein Dauerpraktikum zu absolvieren. Außerdem seien Betriebe eingeladen, sich nach Absprache zu bestimmten Zeiten den Schülern vorzustellen. Das Ziel: frühzeitig berufliche Orientierung ermöglichen und Übergänge in Ausbildung erleichtern. „Ich werbe darum, diese tolle Chance zu nutzen“, appellierte Bernd Clemens an die Unternehmen.

Der Bürgermeister informierte zudem über weitere gemeindliche Themen, etwa den Ausbau digitaler Verwaltungsleistungen, die kommunale Wärmeplanung, Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung sowie aktuelle Wohn- und Gewerbeflächenentwicklungen. Neue Gewerbestandorte, unter anderem im Bereich Rothemühle und Hünsborn-West, sollen langfristig zusätzliche Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde eröffnen. Gleichzeitig verwies Clemens auf die angespannte Haushaltslage und einen deutlichen Rückgang bei den Gewerbesteuereinnahmen.

Dass Wenden regional zu den wirtschaftlich am besten positionierten Standorten gehört, zeigte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thilo Pahl anhand der aktuellen Strukturdaten deutlich. „Beschäftigung und Industrie haben sich in Wenden überdurchschnittlich stark entwickelt. Zwischen 2000 und 2024 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 66?% gestiegen; der Industrieumsatz hat sich von rund 450 Mio. auf etwa 900 Mio. € verdoppelt.“ Dabei spielten strukturelle Standortfaktoren eine wichtige Rolle. Der verkehrsgünstigen Lage an den Autobahnen müsse eine stabilisierende Wirkung für Wirtschaft und Beschäftigung zugeschrieben werden. Eben diese Stabilität drohe in Form von Verkehrssperrungen wegzubrechen, hob Hans-Peter Langer hervor. Der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer erläuterte den Zustand und aktuelle verkehrslenkende Maßnahmen bei der Wiehltalbrücke (A4), die für Industrie, Logistik und Pendlerverkehr in der Region enorm wichtig sei.

Zuvor hatte Geschäftsführer Kai Ewald die Geschäftsfelder und die Entwicklung der Drehmo GmbH aufgezeigt. Das Unternehmen gehört zur international tätigen AUMA Group und ist auf die Entwicklung und Fertigung elektromechanischer Stellantriebe zur Automatisierung von Industriearmaturen spezialisiert, die weltweit in der Wasser-, Energie-, Öl-, Gas- und Prozessindustrie eingesetzt werden. Am Standort Wenden arbeiten rund 170 Beschäftigte, die jährlich etwa 43.000 Antriebe produzieren; konzernweit erzielt die AUMA Group mit rund 3.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von mehr als 500 Mio. €. DREHMO gilt als führender Anbieter in einem technologischen Nischenmarkt und zeichnet sich durch hohe Fertigungstiefe und ein eigenes weltweites Vertriebs- und Servicenetz aus. Mit einer hohen Exportquote von rund 85 % ist DREHMO zudem ein engagierter Ausbildungsbetrieb. Er bildet derzeit in mehreren technischen und kaufmännischen Berufen den eigenen Fachkräftenachwuchs aus.

Seiten-ID: 5041

Seiten-ID5041

Ansprechpartner

Dr. Thilo Pahl

Tel: 0271 3302 300
Fax: 0271 3302 400
E-Mail

Zum Seitenanfang springen