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Nr. 056: IHK-Verkehrsausschuss beleuchtet Chancen und Probleme elektrischer Antriebe

24. Juli 2026/ „Die Planbarkeit ist im E-Lkw-Bereich wirklich das Wichtigste.“ Mit dieser Aussage brachte Tina Persing von der smartlab Innovationsgesellschaft mbH Aachen eine zentrale Erkenntnis der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses der IHK Siegen auf den Punkt. Unter der Leitung von Michael Kröhl (Krombacher Brauerei Bernhard Schadeberg GmbH & Co. KG) diskutierten die zahlreich erschienenen Ausschussmitglieder mit Fachreferenten aus Logistik und Mobilitätswirtschaft über die Zukunft des Straßengüterverkehrs. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob elektrisch betriebene Lastkraftwagen bereits heute eine praxistaugliche Alternative zum Diesel darstellen und wo ihrem breiten Einsatz noch erhebliche Hürden im Weg stehen.

Aus Sicht der Referentinnen Tina Persing und Sarah Offermann bietet die Elektromobilität im Güterverkehr bereits heute große Chancen. Die Vertreterinnen der smartlab Innovationsgesellschaft verwiesen auf die dynamische technische Entwicklung der vergangenen Jahre. Reichweiten von mehreren hundert Kilometern, steigende Batteriekapazitäten und eine zunehmende Anzahl öffentlicher Ladepunkte würden den Einsatz von E-Lkw immer attraktiver machen. Hinzu kämen stabile und besser kalkulierbare Energiekosten, Mautvorteile sowie die Möglichkeit, Strom aus eigenen Photovoltaikanlagen zu nutzen.

Besonders wichtig sei eine vorausschauende Planung. Ladeinfrastruktur, Energieversorgung und Tourenplanung müssten künftig stärker zusammengedacht werden. Sarah Offermann verwies darauf, dass viele Transporte bereits heute elektrisch durchgeführt werden könnten: „Die meisten Routen in Deutschland – 87 % aller Fahrten – liegen unter 155 Kilometern.“ Für zahlreiche Unternehmen seien die technischen Voraussetzungen daher bereits vorhanden.

Wie die praktische Umsetzung aussehen kann, schilderte Thomas Wirth von der STL Logistik AG. Das Unternehmen beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv mit alternativen Antrieben und gehört zu den frühen Anwendern von E-Lkw in der Region. Seine Erfahrungen zeigen, dass die Technologie inzwischen beachtliche Fortschritte gemacht hat. Die aktuellen Fahrzeuggenerationen verfügten über deutlich höhere Reichweiten als noch vor wenigen Jahren. Zudem überzeugten die Fahrzeuge durch ihre Fahreigenschaften und ihre Energieeffizienz. „Das Fahren in diesem Lkw ist beeindruckend“, berichtete Wirth aus der täglichen Praxis.

Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Weg zur flächendeckenden Nutzung noch mit Herausforderungen verbunden sei. Insbesondere die hohen Anschaffungskosten, der Aufbau leistungsfähiger Ladeinfrastruktur und die Verfügbarkeit geeigneter Netzanschlüsse stellten Unternehmen vor erhebliche Investitionen. Hinzu komme die Frage nach Restwerten und langfristiger Wirtschaftlichkeit der Fahrzeuge. Auch technische Probleme seien vor allem bei den ersten Generationen von E-Lkw nicht ausgeblieben. Über die Erfahrungen mit dem ersten Fahrzeug des Unternehmens sagte Wirth offen: „Das war ständig kaputt.“ Wiederholte Werkstattaufenthalte hätten gezeigt, dass die Technologie damals noch nicht vollständig ausgereift gewesen sei.

Die Diskussion im Verkehrsausschuss machte deutlich, dass die Zukunft des Güterverkehrs nicht ausschließlich von einer einzelnen Technologie abhängen wird. Vielmehr komme es darauf an, wirtschaftlich tragfähige und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. E-Lkw bieten aus Sicht vieler Branchenvertreter erhebliche Potenziale für Klimaschutz, Energieeffizienz und Wettbewerbsvorteile. Damit sich diese Potenziale jedoch vollständig entfalten könnten, müssten Ladeinfrastruktur, Energienetze und Fahrzeugtechnik weiterentwickelt werden.

Neben dem Schwerpunkt Elektromobilität befasste sich der Ausschuss mit weiteren aktuellen Logistikthemen. Simon Stupperich von M.G. International berichtete über die Auswirkungen des Iran-Konflikts auf internationale Lieferketten und Transportwege. Darüber hinaus informierte Jörn Demmer von der STL Logistik AG über die aktuelle Situation bei Großraum- und Schwertransporten, insbesondere über Herausforderungen durch die Infrastruktur sowie anstehende Änderungen bei Genehmigungs- und Digitalisierungsverfahren. Die Veranstaltung zeigte damit erneut die große Bandbreite verkehrs- und logistikpolitischer Themen, die die Unternehmen der Region derzeit beschäftigen.

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Ansprechpartner

Hans-Peter Langer

Tel: 0271 3302-313
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