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Nr. 062: Unternehmer untermauern Nationalpark-Kritik: Deutliche Contra-Positionierung im Gespräch mit Landrat Andreas Müller und NRW-Minister Krischer unmittelbar vor dem Nationalpark-Forum

27. August 2026/ Im Rahmen eines Gesprächs mit Landrat Andreas Müller und NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer haben zahlreiche Unternehmen aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein erneut ihrem Unmut über die Planungen für einen Nationalpark auf dem Rothaarkamm Luft gemacht.

„Wir sind dankbar dafür, dass die Vertreter unserer Mitgliedsunternehmen ihre Positionen nun auch einmal persönlich im Kreishaus vorbringen konnten und hoffen, dass wir zu einem besseren Verständnis für die überwiegende Ablehnung in den Reihen der Wirtschaft beitragen konnten“, so Dr. Thilo Pahl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) im Anschluss an das Gespräch, das am Donnerstag, 27. August, dem Nationalpark-Forum vorausgegangen war. 

In den rund eineinhalb Stunden gab es neben zahlreichen Problemen und Herausforderungen im Detail eine zentrale Botschaft: Die Debatte um einen Nationalpark kommt zur absoluten Unzeit, in der Unternehmen in der Region hart darum kämpfen, weiter ihren Platz am Markt zu behaupten. „Das internationale Wettbewerbsumfeld, gepaart mit den zahlreichen hausgemachten Problemen in Deutschland und Europa stellen die Unternehmen in Siegen-Wittgenstein ohnehin vor weitreichende Probleme“, kritisiert Dr. Thorsten Doublet, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein: „Gegenüber 2019 sind in der deutschen M+E-Industrie 327.000 Arbeits­plätze verloren gegangen.“ Wenn man diesen bedrohlichen Rückgang seitens der Politik aufhalten wolle, dann müssten alle Anstrengungen in den Erhalt von Wirtschaft und Arbeitsplätzen gesteckt werden.

Und genau an diesem Punkt ärgern sich die Unternehmer über den enormen Zeitdruck, unter dem der Nationalpark-Prozess mit üppig dimensionierter Personalplanung seitens des Kreises durchgeführt wird. „Es gibt zahlreiche Themen hier in der Region, die den Menschen auf den Nägeln brennen – beispielsweise die Verkehrsverbindung zwischen Wittgenstein und dem Siegerland. Hier geht es seit Jahrzehnten im Schneckentempo voran“, kritisiert Pahl. Darum hätten die Unternehmer im Gespräch mit Minister Krischer und Landrat Müller sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass man es für befremdlich halte, wenn binnen Tagen eine „Nationalpark-Geschäftsstelle“ aus dem Boden gestampft werde. Diese Schnelligkeit wünsche man sich auch für konkrete Themen in den Bereichen Infrastruktur und Wirtschaftsförderung.

Stattdessen habe man nun vor, von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie Unternehmen erwirtschaftete Steuergelder, in ein Projekt mit ungewissem Ausgang zu stecken. Dr. Thorsten Doublet: „Unsere Unternehmer haben Landrat und Minister deutlich gemacht, dass sie sich einen bewussteren Umgang mit Steuergeldern wünschen.“ Dem Vernehmen nach wird ein Nationalpark 15 bis 20 Millionen jährlich (!) aus dem Landeshaushalt kosten – Geld, das an anderer Stelle in ohnehin klammen kommunalen Kassen fehlt.

Was vielen Befürwortern oder Unentschlossenen ebenso nicht klar sei: Wie groß sind künftig die immissionsschutzrechtlichen Auswirkungen? Immerhin sei das erklärte Ziel für einen jeden Nationalpark zu wachsen. Ergo werde es mittelfristig nicht bei den zum Start avisierten 4300 Hektar bleiben. Und was dann bei einmal erweiterter Gebietskulisse auf erweiterungswillige Unternehmen warte, sei heute völlig unklar – zumal dann eine weitere Behörde, die Nationalpark-Behörde, mit am Tisch der zu beteiligenden Akteure sitze.

Ebenso entspreche es aus Sicht der Unternehmer nicht den Tatsachen, wenn nun auf der Website des Kreises behauptet werde, es seien verbindliche Rahmenbedingungen für den Fall geschaffen worden, dass ein Nationalpark auf dem Rothaarkamm installiert wird. Mit Blick auf Klagemöglichkeiten und im Verwaltungsrecht üppig angelegte Planungs- und Genehmigungsverfahren sei der Schluss, man bekomme nun einen Nationalpark im Tausch gegen eine deutlich erleichterte Route-57-Genehmigung, grundweg falsch.

Ferner werde stets behauptet, das Argument „Mitten in der Natur“ sei ein starkes im Ringen um Fachkräfte für die Region. Stattdessen könne sich das genauso gut kontraproduktiv auf die Wahrnehmung derjenigen externen Arbeitskräfte auswirken, die man eigentlich mit dem Thema Nationalpark für die Region gewinnen wolle. Jegliche mit Fakten untermauerte Untersuchung, die sich explizit auf die Region bezieht, fehle.

Ebenso seien die Zweifel und Bedenken auf Unternehmerseite alles andere als ausgeräumt. Dr. Doublet abschließend: „Die deutliche Mehrheit in unseren Reihen ist nach wie vor gegen einen Nationalpark unter den jetzigen Vorzeichen.“ Nun gelte es, diesen Bedenken beim Treffen politischer Beschlüsse auch Rechnung zu tragen.

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