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Gewerbeflächenentwicklung: Gemeinsam mehr Raum für Wirtschaft sichern

Text von Christina Spill

Knapp anderthalb Jahre ist es her, dass sich die IHK Siegen gemeinsam mit den 18 Kommunen der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe auf die Suche begeben hat. Das Ziel: geeignete und ausreichend große Gewerbeflächen. Denn die sind Mangelware. Und die Zeit drängt: Die Vorbereitungen für den neuen Regionalplan laufen. Der Plan gibt unter anderem vor, wo sich Unternehmen bis etwa 2040 überhaupt neu ansiedeln oder erweitern können. Die Ergebnisse eines von der IHK in Auftrag gegebenen Gutachtens zeigen neue Möglichkeiten auf – und bieten der Region eine gute Grundlage für die erforderlichen Gespräche mit der Bezirksregierung.

›› Im Februar 2018 hatte die IHK auf eigene Kosten das Kölner Planungsbüro Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen mit einem Gutachten beauftragt, um potenziell geeignete Flächen in den beiden Kreisen zu identifizieren und damit der zurzeit florierenden heimischen Wirtschaft langfristig Zukunftsperspektiven aufzeigen zu können. Denn die „Neuauflage“ des Regionalplans soll bereits 2022/2023 in Kraft treten – und dieser Plan legt wieder für mindestens 15 Jahre fest, welche Flächen zur Erweiterung, Neuansiedlung oder Verlagerung für Gewerbe und Industrie genutzt werden dürfen. „Wir sprechen hier mittlerweile von einem sehr kleinen Zeit- und Handlungsfenster
von vielleicht zwei Jahren“, gibt Hermann-Josef Droege, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, zu bedenken. Der Handlungsbedarf ist unbestritten: Immer wieder hat es Wegzüge von Firmen in andere Kommunen gegeben, weil ihnen einfach keine Entwicklungsmöglichkeiten am alten Standort offenstanden. Heimischen Unternehmen müsse man dringend „Luft zum Atmen“ verschaffen, erklärt Droege. Das Planungsbüro hatte für den Kreis Siegen-Wittgenstein ein Flächendefizit
von 314 ha und für den Kreis Olpe einen Bedarf von 190 ha festgestellt.

Es sei nie darum gegangen, den Kommunen ein Flächenkonzept der IHK überzustülpen, verdeutlicht Droege. Vielmehr habe man bewusst einen völlig unabhängigen Dritten von außen auf die Region blicken lassen: „Die Entscheidung, wie sie mit den ermittelten Suchräumen umgehen, liegt ganz bei den Kommunen. Wir wollten lediglich eine Handlungsgrundlage schaffen und Unterstützung anbieten.“ Eine Projektgruppe, bestehend aus den Bürgermeistern Walter Kiß (Kreuztal) und Dietmar Heß (Finnentrop), den Vorsitzenden der Bürgermeisterkonferenzen der beiden Kreise, sowie Judith Feldner (Olpe) und Christian Feigs (Burbach) als kommunale Planungsdezernenten,
hat den bisherigen Prozess begleitet. „Klar ist, dass das Problem der mangelnden Gewerbeflächen alle Kommunen betrifft – wenn auch in unterschiedlichem Maße“, unterstreicht Walter Kiß. „Deshalb begrüßen wir die Initiative der IHK, das Ganze interkommunal anzugehen. So wird dafür Sorge getragen, die Anliegen der Kommunen mit Expertise und Nachdruck auch gegenüber der Bezirksregierung vorzubringen.“ Dominik Geyer, Geschäftsführer der Dr. Jansen GmbH, hat inzwischen die 18 Kommunen besucht und Flächennutzungspläne, öffentliche Kartenwerke sowie alle relevanten Unterlagen zu Wasser- und Naturschutzgebieten etc. zur Verfügung gestellt bekommen. Darauf basierend, ist für jede Kommune in einer Art Trichterverfahren eine Flächenanalyse entstanden: So wurden etwa nach und nach die „absoluten Tabuzonen“, also vorrangig Natur-, Wasser- und Vogelschutzgebiete, von der Karte „gestrichen“. Dabei sei man in Einzelfällen durchaus auf Flächen gestoßen, die die Kommune selbst gar
nicht erst in Erwägung gezogen hatte. „Manche Hindernisse sind aber eben doch überwindbar“, erklärt Hermann-Josef Droege. In einigen Fällen könnten Ausgleichsflächen die Lösung sein.

Nach Auswertung aller zur Verfügung gestellten Dokumente konnten dann jeweils Suchräume festgelegt werden, die Gutachter Dominik Geyer gemeinsam mit Hermann-Josef Droege bereits in 16 von 18 Kommunen im jeweiligen Bau- und Planungsausschuss vorgestellt hat. „In drei oder vier Kommunen hat es im Zuge dessen durchaus kritische Diskussionen gegeben, was aber völlig in Ordnung ist. Anderswo sind im Rahmen der Gespräche sogar noch zusätzliche Flächen ins Spiel gekommen“,
berichtet der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK. Wenn sich mehr Flächen ergeben als derzeit benötigt, beschert das den Kommunen natürlich alternative Handlungsmöglichkeiten – und eine komfortablere Verhandlungssituation auch in puncto Grundstückspreise. In den meisten Fällen aber wurde vor allem bestätigt, dass es keine Alternativen zu den bereits lokalisierten und diskutierten potenziellen Gewerbeflächen gibt. „Das Gutachten war auch wichtig, um klarzustellen: Wenn wir
bestimmte Flächen jetzt nicht antasten, wird dort für die nächsten 20 Jahre auch nichts mehr passieren. Als industriestärkste Region in NRW müssen wir aber unseren Unternehmen Zukunftsperspektiven bieten. Dazu gehören adäquate Flächen.“ Die wiederum könnten auch interkommunal entstehen, denn einige Kommunen werden ihren eigenen Flächenbedarf auch kurzfristig nicht mehr decken können, während andere mehr potenzielle Flächen haben als es ihrem errechneten Bedarf entspricht. „Ökonomisch wie ökologisch bietet eine solche zusammenhängende Fläche große Vorteile. Meistens liegen solche größeren Gebiete auch deutlich günstiger.“ Bestes
Beispiel ist ein etwa 60 bis 70 Hektar großes Areal am Autobahnkreuz Olpe-Süd: Hier laufen bereits Kooperationsgespräche zwischen Olpe, Wenden und Kreuztal.
Judith Feldner, Baudezernentin der Stadt Olpe, erklärt: „Derzeit werden verschiedene Erschließungsvarianten geprüft. Topografisch ist das Gelände durchaus anspruchsvoll. Alle drei Kommunen sind im Gespräch mit Straßen.NRW und sehr darum bemüht, auch zukünftig noch Entwicklungsraum für die heimische Wirtschaft zu bieten.“
Interkommunale Gewerbegebiete gibt es bereits in Wittgenstein (Jägersgrund, Schameder) sowie auf der Lipper Höhe im Zweckverband der Gemeinden Burbach und Neunkirchen. Olpe und Drolshagen teilen sich das Gewerbegebiet Hüppcherhammer. Interkommunale Kooperation ist also in unserer Region kein Neuland mehr.

Der Regionalplan ist zwischen dem Landesentwicklungsplan des Landes NRW und den Flächennutzungs- und Bebauungsplänen der Städte und Gemeinden auf regionaler Ebene bei der Bezirksregierung Arnsberg angesiedelt. Üblicherweise liefert die Bezirksregierung selbst Flächenvorschläge, basierend auf Zahlen zur Arbeitsmarktsituation, zur Bevölkerungsentwicklung und zu anderen relevanten Parametern. „Dieses Verfahren haben wir mit unserer Initiative vom Kopf auf die Füße ge-stellt“, konstatiert Hermann-Josef Droege. Die durch das Planungsbüro identifizierten Suchräume können die Kommunen nun als Arbeitsgrundlage an die Bezirksregierung weitergeben. „Wir haben bei der Präsentation der Ergebnisse noch einmal unsere Bereitschaft signalisiert, mit einem gemeinsamen Konzept Position zu beziehen – im Zweifel auch gegen die Vorstellungen der Bezirksregierung. Hier bei uns haben wir einen Waldanteil von 60 bis 70 % – da kann eine Kommune hier nicht genauso behandelt werden wie eine Gemeinde in der rheinischen Tiefebene mit 10 % Waldfläche, wenn sich die Frage nach eventuell zu fällenden Bäumen stellt.“ So gebe es – auch bei den Naturschutzverbänden – schon viele Stimmen, die sich eher für die Einbeziehung von Waldflächen als für die Nutzung von Wiesen und Feldern aussprechen, weil für Wälder leichter Ausgleichsflächen geschaffen werden können. Als Region geschlossen aufzutreten, stärke die Position jeder einzelnen Kommune. „Den Mut einer Landesregierung möchte ich sehen, einer gesamten Region zu erklären: ,Es gibt hier für euch nichts mehr zu holen, das könnt ihr vergessen.‘“

Und wie sieht es mit der Größe der Flächen aus, die so dringend nötig sind? „Ob nun eher kleinere oder größere Flächen gefragt sind, das ist schon eine Luxusfrage“, sagt Hermann-Josef Droege. Heute habe man Schwierigkeiten, überhaupt noch geeignete Flächen zu lokalisieren. „Die meisten Anfragen liegen zwischen 3000 und 8000, manchmal auch bei 10.000 bis 15.000 m² – ansonsten lohnt es sich eigentlich kaum für ein Unternehmen.“ Die Grundstücke im Industrie- und Gewerbepark Oberes  Leimbachtal/Martinshardt sind sämtlich in dieser Größenordnung angesiedelt. Aber auch kleinere Flächen seien natürlich trotzdem interessant – zum Beispiel für eine Schreinerei, die aus allen Nähten platzt und regelmäßig mit den Nachbarn in Streit gerät, weil es im Betrieb zu laut ist. Kleinere, für Bürogebäude geeignete Flächen sind genauso gefragt wie große für Firmen mit automatisierten Fertigungsstraßen. Doch topografisch stellen Siegerland und Sauerland die Planer vor große Herausforderungen: In den Talauen, in denen sich die Unternehmen traditionell angesiedelt haben und wo sie gewachsen sind, scheitert die Flächensuche oft am Wasserschutz, und auch die (meistens bewaldeten) Bergkuppen sollen tabu sein. „Da bleiben oft nur die Hänge, in die man dann sündhaft teure Terrassen einarbeiten muss – Beispiel Wilnsdorf Lehnscheid.“ Wie groß der Bedarf an geeigneten Flächen ist, zeigt auch die Entwicklung im Industrie- und Gewerbepark Oberes Leimbachtal/Martinshardt: Im Vorfeld hatte es große Kritik an dem Projekt gegeben: Die Grundstücke seien zu teuer, der Bedarf nicht gegeben. „Und dann war alles innerhalb von zwei, drei Jahren vermarktet“, erinnert Droege an den Erfolg des Gewerbegebiets.

Inhalte des Regionalplans

Im Regionalplan werden unter anderem dargestellt:
- Allgemeine Siedlungsbereiche (ASB) für Wohnen und wohnverträgliches Gewerbe
- bestehende und neue Gewerbeund Industrieflächen (GIB)
- Bereiche für den Natur- und Landschaftsschutz sowie den Gewässerschutz
- Bereiche für den Schutz bedeutsamer Kulturlandschaften
- Deponien
- Bodenschätze und Abgrabungsflächen
- Grünzüge, Wald, Gewässer
- Straßen in Bestand und Planung
- Schienenwege mit Haltepunkten
- Flugplätze und Flughäfen
- Standorte mit besonderen Zweckbestimmungen (z.B. für den großflächigen Einzelhandel)

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