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EducatedGuess.ai: "Denken, entwickeln und weitergeben"

Text: Christian Schwermer

Dr. Michael Banf sitzt in einem kleinen Café der Siegener Oberstadt und blickt hinaus auf die an diesem Sommertag verregneten Straßen und Gebäude. „Wir sind nicht die klassischen Geschäftsleute“, schmunzelt der 36-Jährige, „aber es macht uns großen Spaß, über das Problem nachzudenken.“ EducatedGuess.ai heißt das Unternehmen, das Michael Banf gemeinsam mit Jan Nasemann und Sebastian Braunbeck im Sommer 2018 ins Leben gerufen hat. Kennengelernt hatte sich das Trio zuvor im Zuge eines gemeinsamen Projektes. Rasch entstand seinerzeit der Wunsch nach einer gemeinsamen Denkfabrik.

Bei dem jungen Start-up steht das weite Feld der Künstlichen Intelligenz (KI) im Zentrum. Durch passende Schulungsangebote und Beratung wollen die Verantwortlichen vor allem mittelständischen Unternehmen einen effizienten Einstieg in das Thema der KI-basierten Datenanalyse ermöglichen und Fachwissen nachhaltig im Unternehmen festigen. Der Firmenname sei seinen Gedanken entsprungen, lacht der Siegener. Er fügt erklärend hinzu: „Letztlich bedeutet es so viel wie ,Begründete Vermutung‘ und ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Am Ende ist das alles keine Magie. Ohnehin geht es nicht darum, die gesamte Arbeit den Maschinen zu überlassen.“ Zugegeben: Ein gesunder Humor, viel Freude bei der Arbeit und ein äußerst lebendiges Start-up sind vielleicht nicht die ersten Dinge und Attribute, die man einem frisch gegründeten Machine-Learning-Beratungsunternehmen zuschreiben würde. Eher kommt dem Laien das bekannte Klischee des Computer-Nerds in den Sinn, der als Einzelgänger die meiste Zeit des Tages in
einem abgedunkelten Zimmerchen vor zwei oder drei PC-Bildschirmen verbringt und sich fast ausschließlich in der virtuellen Welt bewegt. Weit gefehlt: Wer sich mit Michael Banf verabredet, lernt einen sympathischen, offenen und geselligen jungen Mann kennen, aus dem die Begeisterung über sein Aufgabenfeld mit jeder gesprochenen Silbe förmlich heraussprudelt und dessen Biografie sich absolut sehen lassen kann.

Dem Studium der Angewandten Informatik an der Universität Siegen folgte die Promotion am hiesigen Lehrstuhl für Medieninformatik. Michael Banf war außerdem Forschungsstipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung am Institut für Pflanzen-Biologie an der Stiftung Carnegie Institution for Science, gelegen auf dem Campus der weltberühmten Stanford University im US-Bundesstaat Kalifornien. Ebenfalls im Lebenslauf: Bioinformatik-Consultant für die Carnegie Institution und das Max-Planck-Institut für Pflanzenzuchtforschung, Lehrerfahrungen als Tutor an der Universität Siegen (unter anderem in den Bereichen Mathematik für Informatiker und Statistische Lerntheorie) sowie Vorträge auf internationalen Konferenzen. Ein Werdegang ganz im Zeichen der Wissenschaft.

„Uns drei einen der akademische Hintergrund und der Forschergeist. Zusammen ergibt sich eine spannende Synergie aus Informatik und der Neurowissenschaft, die ja sehr stark mit der KI verbunden ist“, stellt Michael Banf mit Blick auf sein Team fest. Jan Nasemann ist derzeit Doktorand der Neurowissenschaften bei der GSN, einem Elite Neuroscience  Graduiertenprogramm der LMU München. Neben den Studien in Psychologie, Bioinformatik und Philosophie war er zusätzlich für viele Jahre als Dozent für angewandte Statistik in München und Salzburg tätig. Sebastian Braunbeck ist Doktorand der Biophysik im Schwerpunktbereich Neurowissenschaften am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie in Berlin. Nach seinem BWL-Studium wandte er sich der Biologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zu. Hier spezialisierte er sich unter anderem in Bioinformatik und arbeitete währenddessen bei der Nanion Technologies GmbH mit Sitz in München.

Durch diesen multidisziplinären Hintergrund komplettiert sich das Trio. Besonders die enge Verknüpfung von Informatik und Neurowissenschaft stattet die drei bestens aus, um sowohl die Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich KI zu bewerten als auch die Vermittlung von Wissensinhalten voranzutreiben.

Sebastian Braunbeck und Jan Nasemann sind seit ihrer Einschulung befreundet und haben Michael Banf während eines gemeinsamen Projekts kennen und auch schnell schätzen gelernt. Daraus entstand die gemeinsame Idee, ein Start-up zu gründen, in dem sie ihre Interessen ausleben und ihre Kompetenzen voll einbringen können. Ganz bewusst habe sich das Trio dazu entschieden, die Tätigkeit bei EducatedGuess.ai als Nebenberuf auszulegen. Das werde auch weiterhin die klare Ausrichtung sein. Als externer Berater komplettiert Informatiker Benjamin Mies, der sich vor allem der Software-Entwicklung verschrieben hat, das Team.

Die weit voneinander entfernt liegenden Lebensmittelpunkte der drei Protagonisten von EducatedGuess.ai schränken die Kommunikation indes nicht ein, wie Michael Banf konstatiert.  Es fänden Team-Wochenenden statt, bei denen es neben der Arbeit auch um kreative Prozesse und den persönlichen Austausch gehe. Darüber hinaus bespreche man sich etwa per E-Mail und Telefonkonferenz sowie mithilfe des Instant-Messaging- Dienstes Slack. Der Erfolg eines innovativen KI-Beratungsunternehmens dürfe und werde freilich nicht an geografischen Distanzen scheitern. „Uns verbindet die Leidenschaft für das maschinelle Lernen, insbesondere den Bereich Deep Learning“, berichtet der 36-Jährige weiter. Dabei handelt es sich um einen Teilbereich der Künstlichen Intelligenz. Durch das Erkennen von Mustern in vorliegenden Datenbeständen unter Verwendung komplexer, künstlicher neuronaler Netzwerke sind IT-Systeme in der Lage, eigenständig Lösungen für Probleme zu finden. Damit die Software selbstständig und ohne weiteres Zutun Lösungen finden kann, ist ein vorheriges Handeln von Menschen natürlich zwingend notwendig. Genau hier kommt EducatedGuess.ai ins Spiel. Beispielsweise gilt es, die Systeme zunächst mit Daten und Algorithmen zu versorgen. Zudem sind Regeln für die Analyse des Datenbestands und das Erkennen der Muster aufzustellen. Man schaue sich dabei zunächst die vorhandenen Daten an und stelle sich im Anschluss die Frage, welche Informationen zusätzlich aufgenommen werden müssten oder könnten, erklärt Michael Banf. „Dann fallen bereits die ersten Entscheidungen.“ EducatedGuess.ai möchte vor allem kleineren und mittelständischen Unternehmen mit Lösungen für betriebsspezifische Problemstellungen helfen. Insbesondere der deutsche Mittelstand stehe vor der Herausforderung, die Möglichkeiten der KI ökonomisch und verantwortungsvoll zu nutzen. Vereinfacht gesagt: Das Team möchte Wege aufzeigen, Wissen ins Unternehmen zu bringen und dieses nachhaltig dort zu verankern. Ein Schwerpunkt des Service-Angebotes liegt daher, neben der Beratung, im Bereich der Schulungen. Wichtig dabei ist der stete Anspruch, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Im Zuge dessen beginnen gerade in Kooperation mit dem „Gründerwerk“ des Siegerlandfonds und der Sparkasse Siegen die Planungen für eine gemeinsame Informations- und Schulungsreihe gegen Ende des Jahres. „Im ersten Schritt möchten wir zusammen mit den Unternehmen erörtern, wie der Einsatz von KI bei den Kursteilnehmern aussehen könnte und inwiefern das einen Nutzen mit sich bringen würde. Im zweiten Schritt wird es dann etwas technischer”, lächelt Michael Banf. Er sei selbst gespannt, welchen Anklang das Seminar finde. „Im Moment fühlt sich der Bereich der KI ein bisschen wie Goldgräber-Stimmung an“, sagt er weiter. Vor allem den heimischen Mittelstand gelte es zu sensibilisieren. Es sei auch die Aufgabe des Start-ups, Mut zu machen für das nicht immer so einfach zu fassende, weil bisweilen sehr abstrakt daherkommende Feld der Künstlichen Intelligenz. Das erste Jahr als Neu-Unternehmer sei jedenfalls sehr lehrreich gewesen, resümiert Michael Banf. Mehrere große Projekte standen in dieser Zeit an, auf die der Siegerländer aus Gründen des Betriebsgeheimnisses natürlich nicht näher einzugehen vermag.

Es habe sich unter anderem um einen Auftrag aus dem Bereich der „Computer Vision“ gehandelt – noch so ein Fachbegriff aus der weiten Welt der Künstlichen Intelligenz. Dahinter verbirgt sich ein Teilgebiet, das sich damit beschäftigt, Informationen aus visuellen Daten zu extrahieren. Dazu können Fotos, Scans und Videosequenzen zählen. Dabei orientiert sich Computer Vision an der menschlichen Fähigkeit, Bilder zu erfassen. Schneidemaschinen könnten so etwa sicher erkennen, wenn sich eine menschliche Hand in der Vorrichtung befinde, erklärt Michael Banf an einem ganz praktischen Beispiel, das deutlich macht, warumauch kleine Handwerksbetriebe von solchen Entwicklungen in hohem Maße profitieren können. Ein anderes Projekt des ersten Jahres von EducatedGuess.ai habe den großen Bereich Datenanalyse umfasst – mit dem Ziel, gezielte Prognosen und Produktempfehlungen zu erstellen. „Wir arbeiten hier an der Schnittstelle zwischen Industrie und Forschung. Da kommen ganz viele Aspekte zum Tragen. Vor allem wollen wir weiter lernen“, erklärt Michael Banf. Die Entwicklung des jungen Unternehmens wollen die drei Gründer bewusst flexibel halten. „Aus den Projekten haben wir über das letzte Jahr viel mitgenommen – insbesondere dahingehend, welche Chancen darin liegen, die Verantwortlichen über den Einsatz von KI in ihren Unternehmen und die damit verbundenen Möglichkeiten zu informieren. Hier sehen wir einen spannenden Ansatzpunkt für zukünftige Zusammenarbeiten“, sagt Michael Banf. „Denken, entwickeln, weitergeben – das ist unsere Leidenschaft. Da entsteht etwas.“ Und das nimmt man dem jungen Unternehmer sofort ab. Denn: Sein Team und er möchten lernen, neue Wege gehen, die eigenen Fähigkeiten ausbauen und erweitern – im Zusammenspiel mit dem heimischen Mittelstand. So profitieren letztlich alle von der Gründung dieses modernen Start-ups.

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