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SG Finnentrop-Bamenohl: Erfolg und Identifikation

Text: Jan Micha Solms

Könnte man bei der SG Finnentrop-Bamenohl 12/27 e.V. vom „BVB der Westfalenliga 2“ sprechen? „Gewissermaßen schon“, erklärt Andre Ruhrmann, Sportlicher Leiter der SG – auch wenn er dem Dortmunder Bundesligisten privat nichts abgewinnen kann, wie er schmunzelnd hinzufügt. Den Vergleich lässt er dennoch zu, weil sich beide Vereine derzeit in sehr ähnlichen Situationen befinden. Die Sauerländer Fußballer können sich auf zuverlässige Unterstützung aus der Wirtschaft verlassen.

Eine schwierige Saison im Rücken, wollten die Verantwortlichen im Sommer 2018 nicht allzu große Erwartungen formulieren. Damals hatten sich die „Bamenohler Jungs“ erst wenige Spieltage vor Schluss überhaupt den Klassenerhalt sichern können. Daher hatten sie sich für 2018/19 lediglich vorgenommen, sich spielerisch weiterzuentwickeln und den trügerisch sicheren neunten Platz aus der Vorsaison wenigstens zu verteidigen. „Uns war klar, dass der Saisonstart entscheidend werden würde“, erinnert sich Ruhrmann. Direkt am ersten Spieltag ging es gegen YEG Hassel, den „Angstgegner“ aus Gelsenkirchen, der der SG in der vorangegangenen Saison noch zwei empfindliche Niederlagen zugefügt hatte. Doch diesmal konnte die SG einen 2:1-Auswärtssieg verbuchen. Nach sechs Punkten aus den ersten drei Spielen stellten Ruhrmann und sein Team fest, „dass unsere Vorbereitung wohl nicht so schlecht gewesen sein kann.“ Knapp ein Jahr darauf darf sich die SG Finnentrop-Bamenohl zum ersten Mal in ihrer 47-jährigen Vereinsgeschichte Vizemeister der Westfalenliga 2 nennen.

„Diesen zweiten Platz und den Pokalsieg hätten wir vor der Saison sofort unterschrieben. Natürlich ist es ein bisschen schade, dass es am Ende nicht sogar noch zu mehr gereicht hat, aber das beeinflusst unsere Zielsetzungen für die kommende Saison nicht“, erklärt Abwehrspieler Christopher Hennes. „Wir wollen auch nächstes Jahr in erster Linie sehen, dass wir uns als Mannschaft verbessern.“ Ruhrmann pflichtet ihm bei. Von Meisterschaftsträumen will man in Finnentrop nichts wissen – obwohl die erstplatzierten Meinerzhagener am Saisonende nur vier Punkte entfernt waren. Nicht nur das überraschend knappe Finish erinnert an aktuelle Bundesligaverhältnisse. Die SG durfte sich mit durchschnittlich knapp 350 Zuschauern pro Heimspiel über den höchsten Besucherandrang der Liga freuen. 

Vor circa 15 Jahren hätte das wohl kaum jemand geahnt. Damals spielte der Verein in der Kreisliga, ehe er 2005 in die Bezirksliga aufstieg. Zu dieser Zeit traten die Verantwortlichen der SG an die H&R Spezialfedern GmbH aus Lennestadt-Elspe heran. Das 1980 gegründete Unternehmen hat sich einen Namen im Bereich Fahrwerksysteme gemacht. Es passt diese vom Spitzenmotorsport an Straßenautos an und ist heute einer der weltweit führenden Entwickler und Hersteller auf diesem Gebiet. Die Firmengründer Werner Heine und Heinrich Remmen überzeugte insbesondere das sportliche Konzept des Vereins. Dieser erklärte, besonders auf die Jugendförderung, soziale Werte und die Qualitätserhaltung seiner Mannschaften bauen zu wollen. Heute führen die Nachfahren von Heine und Remmen den Betrieb. Sie haben das Engagement bei den Finnentropern sogar noch ausgebaut. Seit einigen Jahren ziert das Firmenlogo von H&R die Trikots. Auch die H&R-Arena, die Heimspielstätte des Vereins, verdankt ihren Namen dem Fahrwerkspezialisten. „Monetäre Interessen sind für uns da eher zweitrangig“, betont Geschäftsführer Christian Heine. Sein Großvater und sein Vater standen für die SG auf dem Rasen, seine Kinder spielen in den Nachwuchsmannschaften. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Geschäftsleitung ist Christian Heine bei fast jedem Heimspiel und sogar manchmal auswärts unter den Zuschauern. Um der SG konkret bei ihrer sportlichen Weiterentwicklung zu helfen, unterstützt H&R das Trainingslager des Teams. Außerdem stiftet das Unternehmen den Siegerpokal für den H&R-Jugend-Wintercup, ein jährliches Hallenturnier im Januar. 

Das Vertrauen der Sponsoren ermöglicht es der SG, geduldig ihren eigenen Weg zu gehen. Sportlich führt Ruhrmann den Erfolg der abgelaufenen Saison auf jede Menge Weitsicht zurück. Einerseits hat sich der Kader auf mehr als 20 Spieler vergrößert, sodass Trainer Ralf Behle bei den Übungseinheiten effizienter arbeiten konnte. „Das erhöht natürlich den Konkurrenzkampf, wenn man regelmäßig die Trainingsspiele mit höchster Intensität durchführen kann“, erklärt er. „Außerdem spielt die Mannschaft schon lange zusammen, sodass sich über die Jahre ein bemerkenswert positiver Teamcharakter entwickelt hat.“ Außerdem sind ab diesem Jahr immer zwei Kaderplätze für Nachwuchskräfte aus der A-Jugend reserviert. So kann man verheißungsvollen Talenten die Möglichkeit geben, sich ein Jahr lang zu akklimatisieren. Die Integration lokaler Nachwuchskräfte ist seit jeher ein wesentlicher Bestandteil der sportlichen Philosophie der SG Finnentrop-Bamenohl als Amateurklub. Bis auf drei Spieler stammen alle Mitglieder der aktuellen ersten Mannschaft direkt aus dem Ort oder dem näheren Umfeld. Mancher ist in seiner Familie nicht der erste „Bamenohler Junge". 

Eine weitere Form der Nachwuchsförderung ist die „Talent-Academy“, die 2019 zum wiederholten Mal nach Ende der regulären Spielzeit in der H&RArena stattfand. Über zwei Tage können hier Kinder und Jugendliche an von den Spielern der ersten Mannschaft durchgeführten Trainingseinheiten teilnehmen. Die Spieler betreiben ihr Engagement ehrenamtlich und organisieren sich selbst. „Wir machen das gern“, betont Christopher Hennes, der selbst die Nachwuchsausbildung des Vereins durchlaufen hat. Die Bindung an die Region ist der SG genauso wichtig wie die Jugendarbeit. Das hat viele positive Nebeneffekte - darunter einen besonders erfreulichen, den Kassenwart Werner Hogrebe in dieser Saison beobachtet hat: „Ich habe den Eindruck, viele aus der Gegend und den Nachbarorten gönnen uns den Erfolg. Sie identifizieren sich auch damit.“ 

Der sportliche Erfolg ist allerdings nicht der einzige Grund für die neue Attraktivität der SG als Werbeträger. Abseits des Platzes findet seit ungefähr einer Dekade ein Prozess der Professionalisierung statt. Dazu gehört unter anderem eine Vereinheitlichung aller Designs und Schriftzüge auf Fanartikeln, der Homepage, Pressematerial und so weiter. Der neugestaltete Internetauftritt, für den Frank Altenhoff zuständig ist, gewann 2018 sogar den Südwestfalenaward der drei südwestfälischen Industrie- und Handelskammern in der Kategorie Non-Profit. Auch die Handhabung des Sponsorenbereichs haben die Verantwortlichen überarbeitet. „Früher war es deutlich schwieriger, Werbepartner zu finden. Heute kommen sogar manche bei einem Spiel auf uns zu“, freut sich Hogrebe. Er ist seit 13 Jahren Teil des Vorstands. Potenziellen Sponsoren bietet der Verein heute einen speziellen Paketdeal an. Vom Umfang des Pakets hängt ab, wie stark die SG den Sponsor repräsentiert. „Mittlerweile hängen in unserer H&R-Arena deutlich mehr Werbeflächen. Das Ganze sieht jetzt viel mehr nach Stadion aus“, stellt Hogrebe zufrieden fest.

Der zweite Hauptsponsor war schon mit von der Partie, als die Bezirksliga als oberste Grenze des Erreichbaren galt. Die Metten-Gruppe hat seit 1902 ihren Standort in Finnentrop. Rund 300 Mitarbeiter, darunter 21 Auszubildende, produzieren hier mehr als 100 verschiedene Fleisch- und Wurstprodukte. Das in vierter Generation geführte Familienunternehmen ist seit den frühen 80er-Jahren fester Bestandteil der SG Finnentrop-Bamenohl. Bereits auf alten Fotos im Vereinsheim findet sich Metten als Trikotsponsor. Heute ziert das Logo des Fleischwarenspezialisten die Ärmel des Trikots sowie zahlreiche Banner, Banden, Trainingsanzüge oder Stehtische. Dass mit H&R mittlerweile eine andere Firma den Brustbereich des Trikots ziert, stört Geschäftsführer Tobias Metten nicht. „Das geschah in enger Absprache mit dem Verein. Seit dem historischen Aufstieg in die Westfalenliga im Jahr 2015 teilen wir uns die Rolle des offiziellen Premium-Partners gern mit H&R, um die bestmögliche Unterstützung für den Verein zu ermöglichen.“

Der Kontakt zum Verein kam in den 80er-Jahren über Peter Metten, den heutigen Mitgesellschafter des Unternehmens, zustande. Er ist bereits seit mehr als 50 Jahren in der Firma tätig und hat selbst lange Fußball gespielt. Über die Jahre spielten und spielen auch zahlreiche Mitarbeiter bzw. heute deren Kinder im Verein. Diejenigen, die nicht mehr selbst gegen den Ball treten, finden sich regelmäßig unter den Zuschauern. Dafür, dass diese bei den Heimspielen der SG nie Hunger leiden müssen, zeichnet natürlich Metten mit der „Dicke Sauerländer“ Bockwurst oder auch der Rostbratwurst-Variante verantwortlich. Zu gutem Fußball gehört eben auch eine gute Wurst – und beides ist in der H&R-Arena garantiert erstklassig.

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