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Technischer Fachwirt - Theorie und Praxis vereint

Text: Patrick Kohlberger, Fotos: Unsplash (1), Werkfotos (2)

Knapp drei Dekaden sind vergangen, seit der DIHK erstmals die Empfehlung für eine Prüfung zum Technischen Fachwirt (IHK) ausgesprochen hat. Mehr als 12.000 Teilnehmer haben diese inzwischen erfolgreich abgelegt. Die Absolventen können in ihren Betrieben wichtige Schnittstellenfunktionen zwischen betriebswirtschaftlichen und technischen Bereichen einnehmen. Im Zentrum der Fortbildung steht der Anspruch, den Transfer von Daten, Fakten und Know-how zu praxisnahem Handeln zu erzielen. Auch das Berufsbildungszentrum (bzz) der IHK Siegen bietet den Kurs an. Im Herbst soll hier die nächste Auflage starten.

„Für mich war es die absolut richtige Entscheidung, diese Herausforderung anzugehen“, lässt Robin Wiegel seine eigene Teilnahme Revue passieren. Er absolvierte den Kurs ab Mai 2016 im bbz. In seiner Karriereplanung spiele die Qualifikation als Technischer Fachwirt eine entscheidende Rolle, ordnet er ein. Nach dem Realschulabschluss hatte der heute 27-Jährige zunächst das Fachabitur im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen gemacht, ehe er seine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der FeBa Fensterbau GmbH in Burbach begann. Nach der Lehre agierte er erst einmal im Innendienst. „Das langfristige Ziel, mehr im Außendienst tätig zu sein, war aber damals schon da. Der persönliche Kontakt zu Menschen ist mir einfach sehr wichtig.“

Diesen Wunsch verwirklichte er anschließend nach seinem Wechsel zu einem Unternehmen im benachbarten Haiger. 2020 ging es zurück zum Ausbildungsbetrieb. Dass er hier nun in seiner Funktion als Account Manager die Segmente Vertrieb und Außendienst optimal miteinander vereinen kann, führt Wiegel nicht zuletzt auf die Qualifikation als Technischer Fachwirt zurück: „Was ich dort gelernt habe, kann ich in meinem Job ganz konkret anwenden. Aufgrund meines kaufmännischen Hintergrunds waren für mich natürlich vor allem die gewerblich-technischen Inhalte von großem Interesse.“ Das Besondere: Technische Fachwirte sind wahre Generalisten – und nach der intensiven Unterrichtszeit sowie dem Abschluss der finalen Prüfungen in der Lage, alle betrieblichen Funktionen innerhalb einer Branche abzudecken. In erster Linie ist das Angebot an Fach- und (angehende) Führungskräfte aus kleinen und mittleren Unternehmen adressiert.

Der Aufbau der Kurse gestaltet sich so, dass die Teilnehmer nach den insgesamt rund 900 Unterrichtsstunden möglichst auf allen Fachgebieten denselben Stand erreichen können. Der prüfungsrelevante Teil „Technische Qualifikationen“ umfasst beispielsweise naturwissenschaftliche Grundlagen und Betriebstechnik. Wirtschaftsbezogene Kompetenzen erlangen die Mitwirkenden durch detaillierte Einblicke in BWL, VWL, Rechnungswesen, Unternehmensführung sowie Recht und Steuern. Um handlungsspezifische Qualifikationen geht es im dritten Part – etwa beim Blick auf Logistik, Absatz- und Materialwirtschaft, Produktionsplanung, -steuerung und -kontrolle sowie Qualitätsmanagement und Arbeitsschutz.

Robin Wiegel hat in erster Linie der hohe Praxisbezug von Beginn an zugesagt: „Unsere Dozenten haben viel Wert darauf gelegt, die Sachverhalte durch möglichst anschauliche Beispiele zu transportieren. Das war für mich ganz entscheidend. Sich rein theoretisches Fachwissen anzueignen, würde zum Teil auch im Selbststudium funktionieren. Der konkrete Fokus auf die Unternehmensrealität gibt diesem Angebot den besonderen Reiz.“ Für ihn persönlich sei die Teilnahme freilich mit einem nicht zu unterschätzenden Aufwand verbunden gewesen. Schließlich handle es sich um einen Kurs, der parallel zum ohnehin oftmals stressigen Arbeitsalltag ablaufe. „Gerade im technischen Bereich konnte ich aber einfach enorm viel dazulernen.“ Fortbildungen wie diese seien sowohl für die Erweiterung des eigenen Horizonts als auch für die Karriereaussichten lohnenswert.

Diese Einschätzung vertritt auch Kevin Beckmann von der Tüschen & Zimmermann GmbH & Co. KG aus Lennestadt. Er ist ebenfalls ausgebildeter Industriekaufmann und hat die Qualifikation zum Technischen Fachwirt erfolgreich abgeschlossen. „Ich war im Vertrieb tätig und wollte unbedingt meine Kenntnisse erweitern, um die Kunden und ihre Bedürfnisse besser verstehen zu können“, schildert er seine Motive für die Teilnahme am bbz-Kurs. Ursprünglich habe er darüber nachgedacht, eine zweite Lehre in Angriff zu nehmen – etwa zum Zerspanungsmechaniker. „Unsere Firma hat mir dann aber den Technischen Fachwirt empfohlen und letztlich sogar alle Kosten dafür übernommen.“

Anstatt also noch einmal die Berufsschulbank drücken zu müssen, konnte der 27-Jährige berufsbegleitend vorankommen. Wertvoll waren für ihn beispielsweise die neugewonnenen Kenntnisse in den Bereichen Fertigung und Werkstofftechnologie: „Verschiedene Arten des Stahls hinsichtlich ihrer Kennzeichnungen und Eigenschaften unterscheiden oder Schnittwerte für Maschinen berechnen – dieses Know-how hat mir vorher in der nötigen Tiefe gefehlt. Seitdem ich den Kurs gemacht habe, bin ich viel sicherer auf dem gesamten Gebiet der technischen Kommunikation.“

Nachdem er in früheren Zeiten bei komplexen Detailfragen der Kunden die Expertise seiner erfahrenen Kollegen in Anspruch genommen habe, falle es ihm nun deutlich leichter, auch schwierige Sachverhalte zu regeln – von vertrieblichen Telefongesprächen über das eigenständige Recherchieren von Lösungsansätzen bis hin zur konkreten Umsetzung. Die Mühen haben sich für den jungen Mann bereits ausgezahlt. Seit Januar dieses Jahres fungiert er im Unternehmen als stellvertretender Einkaufsleiter.

Auch der Austausch mit den anderen Kursteilnehmern habe sich als sehr wertvoll und gewinnbringend erwiesen: „Kaufleute, Dreher, Fräser und zahlreiche weitere Berufsgruppen waren mit dabei. Jeder konnte von dem Wissen der anderen profitieren. Wir alle haben uns gegenseitig Einblicke in unsere Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag gewährt. Das erweitert den Horizont.“ Dankbar ist Kevin Beckmann zudem für den gelungenen organisatorischen Ablauf der Fortbildung. Die Verantwortlichen hätten auch abseits der Unterrichtseinheiten von Beginn an Räume zum gemeinsamen Lernen zur Verfügung gestellt und immer ein offenes Ohr bei auftretenden Fragen gehabt.

„Die persönliche Beratung, Betreuung und Unterstützung der regionalen Fachkräfte in ihrer beruflichen Entwicklung sind uns sehr wichtig“, unterstreicht bbz-Mitarbeiterin Johanna Fick. Das Berufsbildungszentrum strebe danach, allen Teilnehmern optimale Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Aufgrund der immer weiter steigenden Nachfrage nach dem Technischen Fachwirt möchte das bbz bereits im Oktober mit dem zweiten Lehrgang für dieses Jahr starten. Er wird 36 Monate dauern.

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