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Nr. 087: Digital verwaltete Lkw-Stellplätze gefordert - IHK-Arbeitskreis befasst sich auch mit Diesel-Alternativen für den Schwerlastverkehr

1.10.2019 | „Der Diesel wird uns im Schwerlastverkehr noch lange begleiten. Dafür sprechen seine hohe Energiedichte und die fehlende Infrastruktur für alternative Antriebe in anderen Teilen der Welt.“ Viel mehr wollte Manfred Kuchlmayr zum weltweit mit Abstand verbreitetsten Lkw-Antrieb gar nicht sagen. Das hatte seinen Grund: Der Kommunikationschef der Iveco Magirus AG war der Einladung des Arbeitskreises Verkehrswirtschaft der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) in den „MAXI-Autohof“ nach Wilnsdorf gefolgt, um über Erfahrungen mit alternativen Antrieben zu berichten und dabei einen Blick in die Zukunft zu werfen. Der Hintergrund: Bis 2025 müssen die CO2-Werte bei neuen Lkw um 15 %, bis 2030 um 30 % gegenüber heute gesenkt werden. 

Iveco ist erfahren im Einsatz unterschiedlicher Technologien: „Batteriebetriebene Lkw sind schnell 3 Tonnen schwerer. Da bleiben beim Fernverkehr keine Arbeitsplätze mehr.“ Antriebe mit Brennstoffzelle seien generell teuer und eher für lange Strecken geeignet, allerdings empfindlich für Erschütterungen. Oberleitungs-Lkw hingegen seien eher für autonomen Verkehr geeignet, erläuterte der Unternehmenssprecher. „Welchen Antrieb würden Sie empfehlen?“, wollte Arbeitskreisvorsitzender Michael Kröhl (Krombacher Brauerei Bernhard Schadeberg GmbH & Co. KG) wissen. Kuchlmayrs Antwort: „Mit LNG (Liquified Natural Gas)-Antrieb sind Sie zumindest bis 2025 auf der sicheren Seite!“ Die Vorteile: Die Lkw sind ähnlich leistungsfähig wie Dieselfahrzeuge und lassen sich genauso schnell betanken. Dabei sind die Motoren nur halb so laut. Und: Gas lässt sich künftig auch ohne die Nutzung natürlicher Gasvorkommen herstellen. 

Für eine kontroverse Diskussion sorgte bei den Sitzungsteilnehmern das Thema Lkw-Stellplätze: Karl-Hermann Metz, Projektleiter A45 beim Landesbetrieb Straßenbau NRW, stellte den aktuellen Ausbaustand dar. Das Problem sei schon seit langem bekannt. Bundesweit fehlten nach Schätzungen mehr als 30.000 Stellplätze. Bis heute wurden bereits 14 Rastanlagen entlang der A45 zwischen Dortmund und hessischer Landesgrenze ausgebaut. Laut Planungsauftrag sollten bis 2025 in diesem Abschnitt 244 neue Stellplätze entstehen. Tatsächlich gebaut wurden mehr, nämlich 274 Stellplätze. Eine interne Zählung ergab, dass dennoch eine „Überbelastung“ von 191 Plätzen besteht. „Um Gefahren durch unzulässiges Parken, etwa auf den Verzögerungsstreifen der Ausfahrten zu vermeiden, bräuchten wir demnach deutlich mehr Stellplätze. Wir wollen den Schwerlastverkehr ja auf den Autobahnen halten. Deshalb müssen wir diese Möglichkeiten auch schaffen.“ Aktuell warte der Landesbetrieb auf neue Prognosezahlen des Bundesverkehrsministeriums (BMVI), um den Ausbau weiter vorantreiben zu können. 

Auf heftige Kritik stieß im Arbeitskreis, dass technische Systeme zur digitalen Ermittlung und Kommunikation freier Stellplätze an die LKW-Fahrer im Ausbau kaum berücksichtigt würden. Arno Rudolph, Versandleiter der Walzen Irle GmbH: „Wir leben im digitalen Zeitalter. Die technologische Entwicklung ist mittlerweile derart vorangeschritten, dass der Aufwand hierfür, gemessen am volkswirtschaftlichen Ertrag, überschaubar sein dürfte!“ IHK-Geschäftsführer Hans-Peter Langer sagte zu, in beiden Fragen auf das hierfür zuständige BMVI zuzugehen. 

Auf großen Zuspruch stieß eine schon heute verfügbare technische Abhilfe, die Tim Baumeister, Projektleiter für das KRAVAG Truck Parking im R+V Innovation Lab MO14, vorstellte. Die einfache Idee: Speditionen, häufig in Autobahnnähe gelegen, bieten freie Parkplätze auf ihrem Betriebsgelände einfach und komfortabel an. Die eigenen Fahrer können die Parkplätze anderer Speditionen finden und günstig buchen. „Reserviert und bezahlt wird über eine App. Mit einem umgehend zugesandten QR-Code lassen sich die Schranke zum Betriebshof und der Zugang zum Sanitärgebäude mit dem Handy öffnen“, erläuterte Baumeister. Die kostenlose KRAVAG Truck Parking App zeigt dem Fahrer zudem stets die nächstgelegenen Parkplätze und hier verfügbaren Stellplätze an. 

Darunter auch die auf dem „MAXI-Autohof“ in Wilnsdorf. Die insgesamt 165 mit einer automatischen Schranke gesicherten Stellplätze werden montags bis donnerstags in der Regel zwischen 17 und 21 Uhr gut belegt. „110 Servicekräfte kümmern sich auf dem Autohof darum, dass es den Kunden an nichts fehlt“, berichtete Torsten Sanders von der KMS Autohof Betriebsgesellschaft mbH. Bundesweit zehn Autohöfe dieser Art betreibt die Gesellschaft aus Nordhorn. Zur Anlage gehören neben der Lkw-Rastanlage auch eine Tankstelle samt Shop, der Gastronomiebereich, ein Spielcasino und das Qualitelhotel. Bemerkenswert: Der Autohof wird auch von vielen Kunden aus der Region regelmäßig besucht, sei es zum Essen, zum Tanken oder für Tagungen im Hotel.

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