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Nr. 093: Handelskonflikte drücken Stimmung in der südwestfälischen Industrie

Der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie USA und Europa, die schwierige politische Lage im Nahen Osten, der Brexit, all das drückt die Stimmung in der südwestfälischen Industrie. Insbesondere die Zulieferer spüren die Verwerfungen im internationalen Handel. Dies ist das Ergebnis der ersten gemeinsamen Konjunktur-Auswertung der drei Industrie- und Handelskammern in Arnsberg, Hagen und Siegen. 

Gemeinsam haben die drei IHKs 460 Industriebetriebe befragt. Von diesen erwarten 44 Prozent eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage in den kommenden Monaten. Nur 12 Prozent prognostizieren eine Verbesserung. Zu Jahresbeginn hielten sich Optimismus und Pessimismus noch fast die Waage. „Die südwestfälische Industrie durchläuft ein von Unsicherheiten geprägtes Jahr. Die Handelshemmnisse haben eher zu- als abgenommen. Der Brexit belastet den Handel in Europa. Die Automobilbranche befindet sich im Umbruch. Bürokratie lähmt die internen Prozesse und Genehmigungsverfahren. All dies drückt auf die Erwartungen an die nähere Zukunft“, erläutert Andreas Rother, Präsident der IHK Arnsberg.
Insbesondere die Zulieferer sind pessimistisch gestimmt. Dort erwarten fünf von zehn Unternehmen eine Verschlechterung der Geschäftslage, jedoch nur eines von zehn eine Verbesserung. Dem Export werden kaum positive Impulse zugetraut. 41 Prozent der Unternehmen rechnen mit geringeren, nur zwölf Prozent mit höheren Ausfuhren. „Der Export schwächelt in Deutschland insgesamt. Davon sind direkt und indirekt viele Zulieferer betroffen. Sie liefern zwar häufig innerhalb Deutschlands, doch das Endprodukt ist oft für den Weltmarkt bestimmt“, erläutert Ralf Stoffels, Präsident der SIHK zu Hagen.

Die Bedeutung des indirekten Exports zeigt sich auch beim Blick auf die wirtschaftlichen Risiken. 61 Prozent der Industriebetriebe bezeichnen inzwischen die Inlandsnachfrage als Risiko. Das ist der geteilte Spitzenplatz unter den Konjunkturgefahren. Gleichauf liegen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit ebenfalls 61 Prozent und an dritter Stelle folgt die Auslandsnachfrage mit 54 Prozent. Zu Jahresbeginn wurde noch der Fachkräftemangel am häufigsten genannt. „Unternehmen, die für die Zukunft schlechtere Geschäfte erwarten, schaffen in der Regel kaum neue Stellen. Sollten sich die Aussichten bewahrheiten, sind 2020 Stellenreduzierungen nicht auszuschließen“, stellt Felix G. Hensel, Präsident der IHK Siegen fest. Dies belegen auch die Zahlen. Zwar wollen fast 60 Prozent der Industriebetriebe an der Größe ihrer Belegschaft in den kommenden Monaten festhalten. Doch auch fast ein Drittel gibt an, dass sich die Zahl der Beschäftigten verringern könnte. 

Die Zulieferindustrie in Südwestfalen ist geprägt von den Branchen Metall, Elektro sowie der Gummi- und Kunststoffindustrie. Besonders gedrückt ist die Stimmung bei den Unternehmen aus der Metallerzeugung und -bearbeitung. Die Bewertung der Lage hat sich dort, im Vergleich zur letzten Umfrage, umgekehrt. Zu Jahresbeginn bezeichneten noch 46 Prozent ihre Geschäftslage als gut und nur 10 Prozent als schlecht. Nun sagen nur noch elf Prozent die Lage sei gut, jedoch 36 Prozent sehen pessimistisch auf die aktuelle Lage. Beim Blick auf die zukünftigen Geschäfte ist eine deutliche Mehrheit von 63 Prozent pessimistisch. Beim Export rechnet die eine Hälfte mit einer Verschlechterung, die andere mit gleichbleibenden Geschäften. 

Ein ähnliches Bild der Wirtschaftslage zeigt sich bei den Herstellern von Metallerzeugnissen. Während zu Jahresbeginn noch 47 Prozent ihre Lage mit gut beschrieben, sind es jetzt nur noch 17 Prozent. Negativ urteilen 28 Prozent, verglichen mit sechs Prozent zum Jahresbeginn. Eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage erwarten 47 Prozent, schlechtere Exporte 46 Prozent. Zumindest mit der aktuellen Lage zufrieden sind die Unternehmen der Gummi- und Kunststoffindustrie. Immerhin zwei Drittel beurteilen sie mit befriedigend, 23 Prozent mit gut und nur 15 Prozent mit schlecht. Bei den Erwartungen ist jedoch ebenfalls der Optimismus verflogen. 44 Prozent erwarten eine schlechtere Geschäftslage und 41 Prozent geringere Exporte. Neben dem Export sehen die IHKs im Strukturwandel in der Automobilindustrie hin zu elektrischen Antrieben einen weiteren Grund für die gedrückte Stimmung unter den Zulieferern. „In Deutschland fährt kaum ein Auto ohne Teile aus Südwestfalen. Das ist eine Erfolgsgeschichte, doch die Diskussionen um die Zukunft des Autos gehen nicht an hiesigen Zulieferern vorbei“, sagt Ralf Stoffels.

Deutlich besser als bei den Zulieferern ist die Stimmung bei den Herstellern von Investitionsgütern sowie von Gebrauchs- und Verbrauchsgütern. Im Maschinenbau, der Kernbranche der Investitionsgüterindustrie, sind immer noch 50 Prozent der Unternehmen mit ihrer Lage sehr zufrieden. Wenngleich die Zahl derer, die ihre Lage mit schlecht beschreiben, um 18 Prozentpunkte angestiegen ist. Sowohl bei den allgemeinen Geschäftserwartungen, als auch bei den Exporterwartungen überwiegen noch die Optimisten. Mit 42 Prozent erwarten doppelt so viele Betriebe bessere als schlechtere Exporte. Felix G. Hensel: „Es ist erfreulich, dass trotz der schwierigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen die Maschinenbauer noch überwiegend optimistisch in die Zukunft blicken. Aber auch hier hinterlassen die globalen Handelskonflikte ihre Spuren. Es überrascht daher nicht, dass in dieser exportorientierten Schlüsselbranche drei von vier Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als größtes Konjunkturrisiko sehen.“ 

Die Produzenten von Gebrauchs- und Verbrauchsgütern profitieren von der guten Binnenkonjunktur. „Die hohe Nachfrage der Konsumenten und die ausgelastete Baubranche sorgen weiterhin für gute Absatzzahlen. Doch auch hier ist ein Einbrechen der Inlandsnachfrage das größte Risiko aus Sicht der Unternehmen“, betont Andreas Rother. 83 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Lage mit befriedigend oder gut. Zwei Drittel erwarten gleichbleibende Geschäfte, 21 Prozent bessere. 40 Prozent erwarten höhere Exporte, nur etwa die Hälfte schlechtere.

„Die Stimmung ist in weiten Teilen der südwestfälischen Industrie sichtlich gedrückt. Die Unternehmen stehen vor einer Zukunft, die unsicher ist wie lange nicht. Doch eine Vollbremsung sehen wir nicht. Viele Unternehmen waren in den letzten Jahren auf der ganz linken Überholspur unterwegs. Noch schneller und noch eine Spur weiter nach links geht es dann nicht mehr. Nun konzentriert es sich wieder auf der mittleren Spur. Dort geht es zwar langsamer, aber noch immer solide voran“, fassen die drei IHK-Präsidenten zusammen.

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