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Großraum- und Schwertransporte

Die vielen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus im Bezirk der Industrie und Handelskammer Siegen (IHK) haben seit Jahren größte Schwierigkeiten, ihre schweren Maschinen und Anlagen von den Produktionsstätten im Sieger- und Sauerland zu ihren Kunden in aller Welt zu transportieren. Zur Größenordnung: Pro Jahr bearbeiten die zuständigen Stellen bei den Kreisverwaltungen Siegen-Wittgenstein und Olpe rund 14.000 Anträge auf Durchführung solcher Transporte.

Hohe Gewichte und überdimensionale Abmessungen stellen die Unternehmen vor fast unlösbare Probleme. Ursächlich hierfür sind marode Brücken und enge Straßen, aber auch eine Genehmigungsprozedur für diese Schwertransporte, die immer umfangreicher und teurer wird. Erste, einzelne Betriebe haben deshalb bereits Teile ihrer Produktion an verkehrsgünstigere Standorte verlagert, zum Teil ins Ausland. Angesichts der dramatischen Situation der Unternehmen hatte die IHK Siegen Prof. Steinbrecher von der Universität Siegen beauftragt, dieses Problem genauer zu untersuchen und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Die IHK Siegen stellte die Ergebnisse im Oktober 2012 vor. 

Studie von Prof. Dr.-Ing. Jürgen Steinbrecher und Dipl.-Ing. Torsten Schubert: Schwertransporte im Spannungsfeld zwischen Verkehrsinfrastruktur, behördlichen Auflagen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten

Auf Grundlage dieser Studie wurde in der Folge eine Projektgruppe im Düsseldorfer Verkehrsministerium eingesetzt. Hier entwickelten die Veranstwortlichen unter aktiver Beteiligung von Vertretern aus Wirtschaft und Verwaltung Lösungsansätze in mehreren Themenfeldern. Unter anderem erarbeiteten sie eine verlässliche Schwerlastroute auf dem nachgelagerten Straßennetz von Kreuztal zu den Binnenhäfen in Duisburg und Gelsenkirchen für Transporte bis 299 t. Auf ihr haben die Unternehmen größtmögliche Gewissheit, dass die Route, die später Richtung Süden bis Wilnsdorf verlängert wurde, dauerhaft befahrbar ist.

Viele Transporte bedurften früher einer Begleitung durch die Polizei, um verkehrslenkende Maßnahmen vor Ort durchzuführen, wenn beispielsweise Kreuzungen abzusperren waren. Um die Abläufe zu erleichtern und die Polizei zu entlasten, wurde die Forderung aus der Wirtschaft aufgegriffen, eine Transportbegleitung durch private Fachleute zu ermöglichen. Hierzu wurden zunächst „Verwaltungshelfer“ eingeführt, die jedoch anders als die Polizei unterwegs keine Ermessensentscheidungen treffen dürfen. Dies hat zu einer Fülle neuer und aufwendiger Auflagen geführt, so dass die Kosten für die Transporte zum Teil um ein Vielfaches anstiegen - was die Wettbewerbssituation der Produzenten erheblich verschlechterte. Der ohnehin beträchtliche Genehmigungsaufwand ist hierdurch exorbitant gestiegen. Die Folge: Termingeschäfte platzen, Aufträge gehen verloren und es kommt zu Vertragsstrafen.

Eine im Bundesverkehrsministerium erarbeitete Straßenverkehr-Transportbegleitungsverordnung soll hier Abhilfe schaffen, indem bisher eingesetzte Verwaltungshelfer durch „Beliehene“ ersetzt werden, fachkundiges und geschultes Personal, das Ermessensentscheidungen vor Ort treffen darf. Dies könnte perspektivisch einen Großteil derzeit bestehender Auflagen entbehrlich machen.

Die bundesweit eingesetzte Genehmigungssoftware „VEMAGS“ genügt in keiner Weise den Ansprüchen des digitalen Zeitalters und umfasst keinen durchgängigen, routingfähigen digitalen Workflow. Das System wird deshalb mittelfristig automatisiert und deutlich vereinfacht. Gleichzeitig entstehen neue digitale Assistenzsysteme, mit denen im Vorfeld der Beantragung von Großraum- und Schwertransporten automatisch die bestgeeignete Route ermittelt wird. Diese lässt sich in das Genehmigungsverfahren laden. Das System berücksichtigt zahlreiche Daten wie geplante Baustellen, Brückentraglast, Kurvenradien oder Tunneldurchmesser.

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