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Coronavirus - Gesundheitsgefährdung von Mitarbeitern durch Importprodukte?

Zahlreiche regional ansässige Unternehmen müssen sich zurzeit mit den Auswirkungen des Coronavirus beschäftigen, um arbeitsfähig zu bleiben. Neben dem drohenden Mitarbeiterausfall und der Unterbrechung von Lieferketten haben sich heimische Unternehmer dabei aktuell auch mit der Frage auseinanderzusetzen, inwieweit importierte Produkte eine Infektionsquelle und damit eine Gefahr für Mitarbeiter darstellen können.

Dazu muss man zunächst wissen, dass bislang keine Fälle bekannt sind, bei denen es zu einer Infektion durch Berühren von Oberflächen importierter Waren oder Postsendungen gekommen ist. Im Hinblick auf die Beharrlichkeit der Coronaviren auf Oberflächen ergaben erste Studien, dass sich die Erreger bei Raumtemperatur bis zu neun Tage lang auf Oberflächen halten und infektiös bleiben können. Im Schnitt überlebt das Virus laut Forschern der Universitäten Greifswald und Bochum jedoch nur zwischen vier und fünf Tagen. Die Überlebensfähigkeit der Viren hängt dabei stets von der konkreten Beschaffenheit der jeweiligen Oberfläche ab. Hohe Feuchtigkeit und geringe Temperaturen begünstigen die Lebensdauer der Erreger.

Um für importierte Produkte möglichst frühzeitig eine Entwarnung geben zu können, sollten Unternehmen daher insbesondere die Transportzeit des Frachtgutes prüfen. So beträgt die durchschnittliche Transportzeit von Seefracht, die per Containerschiff von Asien z. B. nach Hamburg eingeführt wird, 25 – 30 Tage (bei gewöhnlich 5 bis 10 Zwischenstopps). Bei einer Direktfahrt sind ca. 20 Tage für die Seereise zu veranschlagen. Eine Luftfracht von Asien nach Deutschland beansprucht inklusive Zollbehandlung und Zustellung etwa 7 – 10 Tage. In jedem Fall reduziert sich die potenzielle Überlebensrate der Viren durch die Transportwege erheblich.

Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass die Tröpfcheninfektion Hauptübertragungsweg des Erregers ist. Dies kann direkt von Mensch zu Mensch über die Schleimhäute der Atemwege geschehen oder auch indirekt über die Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden. Das zuständige Bundesinstitut für Risikobewertung stellt entsprechend fest: „Aufgrund der bisher ermittelten Übertragungswege und der relativ geringen Umweltstabilität von Coronaviren ist es nach derzeitigem Wissensstand unwahrscheinlich, dass importierte Waren wie importierte Lebensmittel oder Bedarfsgegenstände und Spielwaren, Werkzeuge, Computer, Kleidung oder Schuhe Quelle einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sein können.“

Um gleichwohl auf Nummer Sicher zu gehen, kann angedacht werden, die Frachtverpackung und evtl. auch die Zulieferteile selbst, mit antiviralen Mitteln zu behandeln. Tests mit verschiedensten Desinfektionslösungen zeigten, dass Mittel auf der Basis von Ethanol, Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochlorid gegen die Coronaviren gut wirksam sind. Wendet man diese Stoffe in entsprechender Konzentration an, so reduzieren sie die Zahl der infektiösen Coronaviren binnen einer Minute um vier sogenannte log-Stufen, was zum Beispiel bedeutet, dass die Erreger-Konzentration von einer Million auf nur noch 100 krankmachende Partikel reduziert wird. Wenn Präparate auf anderer Wirkstoffbasis verwendet werden, sollte für das Produkt mindestens eine Wirksamkeit gegenüber behüllten Viren nachgewiesen sein („begrenzt viruzid“). Bei der Desinfektion ist jedoch stets Vorsicht geboten. Vor Maßnahmen, die unmittelbar auf die Zulieferteile selbst zielen, sollte unbedingt vorher technisch abgeklärt werden, inwieweit eingesetzte chemische Mittel den Werkstoff selbst oder dessen Weiterverarbeitbarkeit negativ beeinflussen (Bsp: mögliche Bleichwirkung und Sprödigkeit von Kunststoffen bei Einsatz von Wasserstoffperoxid).

Auch wenn eine Gesundheitsgefährdung von Mitarbeitern insoweit als sehr unwahrscheinlich gelten kann, mag der arbeitgeberseitigen Fürsorgepflicht gegebenenfalls zusätzlich mit der Vergabe von Einmalhandschuhen und evtl. auch Mundschutz Rechnung getragen werden (soweit nicht ohnehin bereits besondere Bekleidungsvorschriften im Rahmen des Arbeitsschutzes im Fertigungsprozess angewiesen sind).

Für weitere Informationen hinsichtlich des Arbeitsschutzes und der Fürsorgepflicht der Arbeitgeber wird auf den IHK-Workshop „Corona-Virus – wie kann die Personalabteilung unterstützen?“ am 18.03.2020 in der IHK Siegen, Koblenzer Straße 121, 57072 Siegen, verwiesen.

Anmeldungen hierzu über: https://events.ihk-siegen.de/termine/496/

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