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Der deutsche Einzelhandel 2020 – zweite IHK-ibi-Handelsstudie

Die Unternehmensgröße beeinflusst, wie breit aufgestellt Einzelhandelsbetriebe beim Thema „Digitalisierung“ sind. Dies zeigen die Ergebnisse der zweiten IHK-ibi-Handelsstudie. Aus dem Kammerbezirk Siegen beteiligten sich 104 Unternehmen. Die Mehrheit gab an, zum inhabergeführten Einzelhandel (Fachhandel) zu gehören. Des Weiteren zeigt die Stichprobe, dass diese Teilnehmer vorwiegend „kleine Händler“ sind. Definiert wird diese Unternehmensgröße durch eine Beschäftigtenanzahl von bis zu 49 Personen und einem Jahresumsatz von unter 2 Millionen Euro.

Nachfolgend finden Sie einige exemplarisch ausgewählte Studienergebnisse im Überblick. Die gesamte Sonderauswertung für den Kammerbezirk Siegen steht im Bereich „Downloads“ zur Verfügung.

Welche Vertriebswege nutzt der heimische Handel? Dreiviertel der Umfrageteilnehmer aus dem Kammerbezirk geben an, über ein stationäres Ladenlokal ihre Waren und Dienstleistungen zu verkaufen. Als zweithäufigster Vertriebsweg wird mit 30 Prozent der eigene Online-Shop genannt. 10 Prozent geben an, über den Online-Marktplatz ebay zu verkaufen. Zudem bieten 7 Prozent der Befragten über lokale Online-Marktplätze Produkte zum Kauf an. 

Die wichtige Bedeutung des Ladenlokals als Vertriebsweg wird durch diese Angaben deutlich. Allerdings gehen die heimischen Studienteilnehmer, die Umsatz über ein stationäres Geschäft generieren, davon aus, dass diese über die nächsten fünf Jahre sinken werden. Händler hingegen, die einen eigenen Online-Shop betreiben, rechnen mit einer Umsatzsteigerung über diesen Kanal.

Welche Marketing- bzw. Kommunikationsinstrumente setzt der Handel ein? Bei den Instrumenten zur Kundenkommunikation wird am häufigsten die eigene Website ohne Verkaufsfunktion genannt – sehr dicht gefolgt von dem Social-Media-Kanal Facebook. Mit etwas Abstand folgt die Nennung des Google-My-Business-Eintrags.

Ist die Digitalisierung im Gange? 43 Prozent der antwortenden Händler geben an, dass in ihren Unternehmen Digitalisierungsstrategien oder -projekte existieren. „Fehlende zeitliche Ressourcen“ ist das am häufigsten genannte Hemmnis bei der Umsetzung von digitalen Maßnahmen. Danach folgen die Hemmnisse „Hohe Investitionskosten“ und „Rechtliche Unsicherheit“.

Die Ergebnisse aus dem Kammerbezirk, wo vorwiegend kleine Händler an der Studie teilgenommen haben, korrespondieren mit dem Fazit der Gesamtstudie: Digitalisierung im Handel ist abhängig von der Unternehmensgröße. Große Händler sind digital breiter aufgestellt – wohl vor allem aufgrund ihrer, im Vergleich zu kleinen und mittleren Unternehmen, umfangreicheren personellen und finanziellen Ausstattung.

Was spricht für oder gegen den Online-Verkauf von Waren und Dienstleistungen? Die drei häufigst genannten Antwortmöglichkeiten für einen Multikanal-Vertrieb, also die Nutzung von digitalen Kanälen neben dem stationären Landenlokal, lauten: „Erschließung zusätzlicher Kundengruppen“, „Imageverbesserung“ sowie „Kundennachfrage nach Online-Bestellmöglichkeiten“. 

Gegen den Verkauf über einen Markplatz wiegen am schwersten folgende Gründe: „Zu großer organisatorischer Aufwand“, „Zu hohe Gebühren“ sowie „Zu hohe Abhängigkeit vom Marktplatz“. Die drei relevantesten Gründe gegen den Verkauf über einen eigenen Online-Shop sind ähnlich: „Fehlende zeitliche Ressourcen“, „Hohe Kosten“ und „Hohe rechtliche Anforderungen“.

Wie wird die zukünftige Entwicklung im Einzelhandel beurteilt? Die überwiegende Mehrheit der antwortenden Betriebe ist sich darin einig, dass das Einkaufserlebnis und die individuelle Lösung der Kundenprobleme die wesentlichen Erfolgsfaktoren des stationären Einzelhandels sind. Über dreiviertel gehen zudem davon aus, dass zusätzliche Services und Dienstleistungen wie beispielsweise Kundenveranstaltungen oder Events im stationären Handel immer wichtiger werden. 60 Prozent stimmen der Aussage zu, dass der stationäre Vertriebsweg auch zukünftig noch der wichtigste Einkaufskanal sein wird – jedoch in zunehmender Verbindung mit anderen.

Wie wird der Schulungsbedarf beim Thema Digitalisierung eingeschätzt? Die Umfrageteilnehmer, die einen Schulungsbedarf sehen, nannten folgende drei Themen am häufigsten: „Soziale Medien“, „Kundenkommunikation über soziale Medien“ sowie „Online-Marketing (SEO/SEA)“.

Angebot für Händler, Dienstleister und Gastronomen

Zwei Hinweise im Zusammenhang mit den Studienergebnissen: Die IHK lädt auch im kommenden Jahr herzlich dazu ein, die breit aufgestellte Workshop-Reihe für Händler, Gastronomen und Dienstleister zu nutzen, um sich rund um das Thema „Auffindbarkeit im Internet“ kostenlos weiterzubilden. Die Veranstaltungsorte rotieren im gesamten Kammerbezirk, damit lange Anfahrtswege eine Teilnahme nicht verhindern. Enthalten ist in der Veranstaltungsreihe auch ein Angebot an Webinaren, das je nach Corona-Lage ausgebaut wird. Die Termine der Workshop-Reihe sind hier oder über die Veranstaltungsdatenbank zu finden.

Darüber hinaus unterstützt die IHK seit Anfang des Jahres Unternehmen mit kritischen Zeitressourcen gezielt dabei, die digitalen Kommunikationswege zu nutzen. Allen interessierten Einzelhändlern, Dienstleistern und Gastronomen steht das Angebot zur Verfügung, sie in ihrem Betrieb zu besuchen, und gemeinsam mit ihnen die ersten Schritte in den neuen Medien zu gehen. Das Angebot der "Social-Media-Dienstleistung" reicht vom Einrichten eines entsprechenden Social-Media-Nutzerkontos über Hinweise zum Erstellen von Inhalten bis hin zum Austausch über die strategische Ausrichtung der bereits vorhandenen Accounts. Sprechen Sie für mehr Informationen gern Boris Edelmann (Tel. 02761 944 514; E-Mail: boris.edelmann@siegen.ihk.de) an.

Studienhintergrund

Bereits an der ersten IHK-ibi-Handelsstudie im Jahr 2017 haben sich Unternehmen aus dem Kammerbezirk Siegen beteiligt. Daher bat die IHK ihre zugehörigen stationären Händler, Mulitkanal-Händler sowie Online-Händler erneut um eine Teilnahme. In Kooperation mit ibi research von der Universität Regensburg haben der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und 46 Industrie- und Handelskammern gemeinsam diese Studie durchgeführt. Der geplante Befragungszeitraum wurde durch den Corona-Shutdown von Januar bis Ende Mai 2020 verlängert. Insgesamt sind 1.450 ausgefüllte Fragebögen in die Auswertung eingeflossen.

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