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Elfriede Sauerwein-Braksiek: „Wir arbeiten mit Hochdruck“

Elfriede Sauerwein-Braksiek ist seit April 2020 Direktorin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH des Bundes. Im Interview erläutert sie die Schwierigkeiten rund um die Talbrücke Rahmede – und alle Hintergründe zur Planung des Neubaus.

 

Was ist das Schwierige an diesem Bauwerk – vor allem auch im Vergleich zu anderen Autobahnbrücken?

Die Talbrücke Rahmede liegt wie viele weitere Brücken an der A45 in einem sehr steilen und auch unwegsamen Gelände. Dabei geht es hier – wie bei den Brücken Kattenohl und Brunsbecke auch – um beinahe alpine Verhältnisse, was den Bau sehr herausfordernd macht. In den 1960er und 1970er Jahren, als die Sauerlandlinie gebaut wurde, gab es breite Bauschneisen, die inzwischen zu einem Naturraum geworden sind oder bebaut wurden. Wir haben also nicht die freie Hand wie die Ingenieure, die seinerzeit geplant und gebaut haben. Doch diesen Herausforderungen stellen wir uns, seit wir mit dem Ausbau der A45 begonnen haben.

 

Liegen die Widrigkeiten also in der Topografie begründet?

Die Autobahn Westfalen hat in ihrer Verantwortung 2.330 Brücken. Die Brücken an der A45 sind Bauwerke, die durch ihre Größe herausstechen. Sie überspannen weite und tiefe Täler und müssen mehr als andere, kleinere Bauwerke an die Topografie angepasst gebaut werden. Einfache Bauwerke mit geringen Spannweiten und einer normalen Höhe können wir heute mit innovativen Verfahren sehr schnell und mit wenig Beeinträchtigung für den Verkehr ersetzen. In Südwestfalen brauchen wir die innovativen Verfahren wie zum Beispiel den Querverschub, um die Ersatzneubauten zu errichten und gleichzeitig den Verkehr fließen zu lassen. Die Lennetalbrücke ist so gebaut worden: 1.000 Meter Brücke haben wir Anfang 2021 verschoben. Und auch die Talbrücke Rinsdorf wird verschoben, mitsamt ihren Pfeilern. Das ist Premiere in Deutschland. Der erste Überbau ist seit wenigen Wochen unter Verkehr.

Bei der Talbrücke Rahmede geht es nun darum, schnell zu klären, ob das alte Bauwerk gesprengt werden kann. Geht das nicht, müssen wir auch hier in Seitenlage bauen. Für die Gründung der Brücke muss zunächst der Baugrund untersucht werden. Diese Untersuchungen sollen beginnen, bevor die ersten Baustraßen angelegt sind. Das bedeutet, dass die schweren Bohrgeräte in den Hängen abgesichert werden müssen. Das ist eine Herausforderung. Unsere Erfahrung aus anderen Projekten zeigt, dass der Baugrund in dieser Region anspruchsvoll ist. Wir müssen also gründlich untersuchen, um eine solide Planungsbasis zu haben.

 

Wie schwierig ist es, vor Ort Baustraßen anzulegen?

Wer im Rahmedetal einmal zu Fuß unterwegs gewesen ist, kann sich vorstellen, dass man Baustraßen für den Lkw-Verkehr und auch Standplätze für Kräne in diesem Gelände nicht mit ein paar Ladungen Schotter anlegen kann. Hier müssen zum Beispiel mit sogenannter bewehrter Erde Flächen geschaffen werden, die einer längeren Belastung standhalten. Es kann auch sein, dass Stützwände gebaut werden müssen, um den Hang zu sichern. Auf jeden Fall werden wir angesichts der extremen Steigungen die Straßen als Serpentinen anlegen. Das bedeutet, dass schon für die Baustraßen mehrere Kilometer Wege hergestellt werden müssen. 

 

Wie realistisch ist es vor diesem Hintergrund, einen klar definierten Zeitplan für den Neubau zu erarbeiten?

Wir arbeiten seit Anfang Dezember in vielen Bereichen parallel und bauen dabei auf die bereits vorliegenden Planungen auf. Das heißt, dass schon mit der Entscheidung, die Brücke zu sperren, die ersten Gespräche mit Anliegern und Grundstückseigentümern geführt wurden, um so schnell wie möglich mit den Baugrunduntersuchungen beginnen zu können. Der weitere Zeitplan hängt zum einen von der Frage ab, ob die Brücke gesprengt werden kann, zum anderen auch von den Vorgaben, die wir baurechtlich zu erfüllen haben. Da geht es zum Beispiel um die Frage, ob eine Umweltverträglichkeitsuntersuchung durchgeführt werden muss. Wir haben – unabhängig von der Entscheidung in dieser Frage – sofort mit den zuständigen Naturschutzbehörden vor Ort Kontakt aufgenommen, um hier so schnell wie möglich ein Einvernehmen herzustellen. Auch der Planungsprozess läuft. In der Außenstelle Hagen ist ein 15-köpfiges Team aus den Bereichen Planung und Bau mit der Talbrücke Rahmede befasst. Dazu kommen derzeit sieben externe Büros, die unsere Arbeiten ergänzen.

Uns ist bewusst, dass nicht nur die Bürgerinnen und Bürger in Lüdenscheid ein hohes Interesse daran haben, einen klaren Zeitplan zu bekommen. Wir wissen auch um die Bedeutung der A45 für die Wirtschaft in der Region und arbeiten darum mit Hochdruck daran, den Neubau voranzutreiben. In den kommenden Wochen werden sich mit Blick auf Genehmigung und Ausschreibung viele Fragen klären. Dann können zuverlässige Aussagen über eine Bauzeit getroffen werden.

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Ansprechpartner

Hans-Peter Langer

Tel: 0271 3302-313
Fax: 0271 3302400
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