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DIALOG.Schiene.Südwestfalen zeigt neue Wege auf - Südwestfalen setzt im Güterverkehr auf nachhaltige Logistikkonzepte per Bahn

21.09.2017 | Das Güterverkehrsaufkommen in Südwestfalen wächst. Aber: Angesichts maroder Brücken und eingeschränkt nutzbarer Infrastruktur stellt dies transportierende Unternehmen vor immer größere Herausforderungen. Welchen Anteil kann die Eisenbahn im Mix der Verkehrsträger zur Entlastung der Straße und zuverlässigen Versorgung der Wirtschaft erbringen? Diese und weitere Fragen standen im Fokus der Veranstaltung „DIALOG.Schiene.Südwestfalen“ in Kreuztal. Zu der Veranstaltung hatten die KSW Kreisbahn Siegen-Wittgenstein GmbH, Hafen Hamburg Marketing e.V., DB Cargo AG, Bundesvereinigung Logistik e.V. Regionalgruppe Südwestfalen und die IHK Siegen in die Krombacher Erlebniswelt eingeladen. Rund 250 Vertreter aus Industrie, Handel, Verkehrswirtschaft sowie Verbänden und Institutionen nutzten die Gelegenheit, um sich über die Entwicklungschancen im Kombinierten Güterverkehr (KV) in der Wirtschaftsregion Südwestfalen zu informieren und auszutauschen.  

Gastgeber und Referenten sprachen sich unter anderem für eine schnelle Umsetzung des für den Kombinierten Verkehr nötigen „KV-Profils 400“ aus, das die derzeit noch bestehenden Höheneinschränkungen durch zu geringe Tunnelquerschnitte beenden soll. Besonders „High Cube Container“ oder Einheiten mit größerer Ladehöhe könnten dann problemlos auf der Ruhr-Sieg-Strecke und der Siegstrecke in den Abschnitten Hagen-Siegen und Siegen-Troisdorf transportiert werden.

Den Betrieb des neuen KV-Terminals übernehmen mit der Südwestfalen Container-Terminal GmbH (SWCT) die Gesellschafter KSW Kreisbahn Siegen-Wittgenstein GmbH (KSW) und die Kombiverkehr Deutsche Gesellschaft für kombinierten Güterverkehr mbH & Co. KG. Für Christian Betchen, Geschäftsführer KSW und SWCT, erhält die in Südwestfalen stark vertretene eisen- und metallverarbeitende Industrie mit dem neuen KV-Terminal in Kreuztal bessere Verlademöglichkeiten. Neben intermodalen Verbindungen zu den deutschen und internationalen Häfen werden nach seiner Überzeugung erstmals durch nationale KV-Verkehre und die Einbeziehung des Einzelwagenverkehrs auch leistungsstarke Transportkonzepte für die Wirtschaft im Drei-Länder-Eck Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz ermöglicht. 

Die Gäste interessierten sich neben den Angeboten des DB-Einzelwagenproduktionssystems auch für intermodale Transportlösungen, die für Verlader ohne eigenen Gleisanschluss zugeschnitten sind. Erst durch das neue Container-Terminal ergeben sich letztlich diese zusätzlichen Möglichkeiten für die Organisation von Transportketten in Richtung Seehafen Hamburg und andere Destinationen. Mit seiner Betriebsaufnahme im Frühjahr 2018 können dann erstmals auch Unternehmen ohne eigenen Gleisanschluss die Schiene nutzen. Neue Verlademöglichkeiten erhalten dann Konsumgüterhersteller oder Hersteller industrieller Halb- und Fertigerzeugnisse, zum Beispiel Automobilzulieferer. Diesen Unternehmen wird mit dem Südwestfalen Container-Terminal eine leistungsfähige Umschlaganlage für Container, Wechselbrücken und Sattelauflieger im Kombinierten Verkehr Straße-Schiene zur Verfügung stehen, die eine Kapazität von rund 45.000 Containern pro Jahr bietet.

IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener begrüßte in der Veranstaltung besonders den Staatssekretär im Verkehrsministerium NRW, Dr. Hendrik Schulte. Seine Teilnahme, aber auch mehrere Besuche des Verkehrsministers in kürzester Zeit in der Region, zeigten, dass dieser Wirtschaftsstandort mitsamt seinen verkehrlichen Problemen in Düsseldorf durchaus im Fokus liege. „Wir nehmen wahr, dass Sie uns wahrnehmen!“ Rund 16 Milliarden Euro im Jahr würden in der Region erwirtschaftet. Jeder zweite Euro werde im verarbeitenden Gewerbe erzielt. Die Unternehmen seien ganz besonders auf eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur angewiesen. „Der Fehler der Vergangenheit war, dass Investitionen in sämtliche Verkehrsträger zugunsten immer neuer sozialer Wohltaten massiv vernachlässigt wurden. Die Folgen sehen wir heute: Wo leistungsfähige Straßen und Schienenverbindungen gebraucht werden, stehen sie nicht zur Verfügung.“ Es bleibe zu hoffen, dass in der neuen Legislaturperiode mehr in Beton und Asphalt investiert werde. 

Die Referenten Gunnar Platz, Geschäftsführer der PLANCO Consulting GmbH, Remo Piesker, Leiter Regional Sales Südwest bei DB Cargo AG und Armin Riedl, Geschäftsführer Kombiverkehr Deutsche Gesellschaft für kombinierten Güterverkehr mbH & Co. KG, diskutierten unter anderem die Potenziale und Voraussetzungen für Bahnshuttle-Verkehre auf den Rhein querenden Relationen nach Kreuztal. Bahnshuttle-Verbindungen könnten nach Ansicht der Experten für verkehrliche Entlastung sorgen und rund 10.000 LKW-Fahrten jährlich auf die Schiene verlagern helfen. Kreuztal sei neben der Rheinstrecke der einzige Standort am südlichen Ende des Rhein-Ruhr-Gebietes, der mit dem „KV Profil 400“ das Handling von  Megatrailern und High-Cube Containern erlaube. „Das neue KV Terminal in Kreuztal erhält mit Betriebsaufnahme Anschluss an unser internationales Direktzugnetz, das 190 Terminals in 30 Ländern Europas miteinander verbindet“, so Armin Riedl. 

Nach Auffassung von Axel Mattern, Vorstand Hafen Hamburg Marketing e.V., wird mit dem neuen Container-Terminal in Kreuztal die Anbindung der Region Südwestfalen an Deutschlands größten Universalhafen ab Frühjahr 2018 enorm verbessert. Volker Hahn, Repräsentant des Hamburger Hafens in NRW, ergänzte: „Mit einem jährlichen Verkehrsaufkommen von rund 500.000 TEU (20-Fuß-Standardcontainer) ist Nordrhein-Westfalen die zweitwichtigste Region im Container-Hinterlandverkehr des Hamburger Hafens. Verlader und Speditionen aus allen Regionen Nordrhein-Westfalens nutzen das dichte Netz an weltweiten Liniendiensten via Hamburg für die globale Verteilung von Im- und Exportwaren, darunter überwiegend Handels- und Kaufhausgüter, Metalle und Metallerzeugnisse, Maschinen und Ausrüstung, Fahrzeuge sowie Nahrungs- und Genussmittel.“

In zwei Jahren wollen die Veranstalter den DIALOG.Schiene.Südwestfalen nach Inbetriebnahme des neuen Container Terminals fortzusetzen.

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