PDF wird generiert
Bitte warten!

Zollunion EU-Türkei

 

1. Warenverkehrsbescheinigung A.TR

In der Zollunion zwischen der Europäischen Union (EU) und der Türkei werden Warensendungen in der Regel von der Warenverkehrsbescheinigung A.TR begleitet. Die Vorlage der A.TR sorgt in beiden Gebieten der Zollunion für eine zollfreie Einfuhr der Waren. Mit der A.TR wird nachgewiesen, dass sich die davon erfassten Waren im zollrechtlich freien Verkehr befinden (Freiverkehrseigenschaft).

Bestimmte A.TR, EUR.1 und EUR-MED aus der Türkei sind ohne Unterschrift ungültig

Seit 24. April 2018 werden die Warenverkehrsbescheinigungen A.TR in der Türkei zumindest teilweise elektronisch erstellt. Die so erstellten Vordrucke wurden nicht mehr von türkischen Zollbeamten unterschrieben. Dasselbe gilt für Warenverkehrsbescheinigungen EUR.1 und EUR-MED (für landwirtschaftliche Erzeugnisse sowie den Bereich Eisen und Stahl). Wegen nicht ausreichender Abstimmung mit der EU werden diese A.TR, EUR.1 und EUR-MED bei der Einfuhr in die EU nicht anerkannt. 

Warenverkehrsbescheinigungen, die von einem türkischen Exporteur mit vereinfachten Verfahren erstellt werden (zum Beispiel Sonderstempel mit Registriernummer), gelten auch weiterhin ohne Unterschrift. 

Warenverkehrsbescheinigungen ohne Unterschrift (und ohne vereinfachtes Verfahren in der Türkei) müssen entweder neu ausgestellt oder nachträglich vom türkischen Zoll unterschrieben werden, sonst fällt der normale Zoll an. Unternehmen sollten dies selbständig überprüfen, auch im Hinblick auf spätere Betriebsprüfungen durch den Zoll. Eine ursprünglich angekündigte Überprüfung aller Dokumente findet nach einer Mitteilung des deutschen Zolls nicht statt. Seit Mitte Juli 2018 werden die Warenverkehrsbescheinigungen A.TR wieder unterschrieben.

A.TR und Ermächtigter Ausführer

Für die Warenverkehrsbescheinigung A.TR gibt es keine Bagatellgrenze.  Diese Bescheinigung wird auch für Sendungen von geringem Wert benötigt und jedes Mal vom zuständigen Binnenzollamt ausgestellt. Als Vereinfachung gibt es die Möglichkeit, die Warenverkehrsbescheinigungen A.TR aus der EU in die Türkei vorabstempeln zu lassen. Hierzu ist eine Bewilligung als Ermächtigter Ausführer vom zuständigen Hauptzollamt erforderlich.

Bei der jeweiligen Ausfuhr muss in die A.TR die jeweilige MRN (movement reference number) der Ausfuhranmeldung eingetragen werden. Dies kann in der Praxis schwierig sein, weil die MRN erst nach der Anmeldung entsteht. Daher besteht seit 2009 nach Absprache mit der damaligen Bundesfinanzdirektion Südost die Regelung, dass im Feld 12 der vorabgestempelten A.TR auch eine unternehmensinterne Nummer (beispielsweise eine Rechnungs- oder Auftragsnummer) eingetragen werden kann, solange sichergestellt ist, dass aufgrund dieser Nummer die A.TR eindeutig dem zugehörigen Ausfuhrvorgang zugeordnet werden kann.

 

2. Lieferantenerklärungen EU-Türkei

Falls zusätzlich zur Freiverkehrseigenschaft auch der Nachweis des präferenziellen Ursprungs erforderlich ist, um beispielsweise Ursprungswaren

  • zollfrei in andere Staaten liefern zu können oder
  • bei Lieferungen innerhalb der EU eine Lieferantenerklärung gemäß Unionszollkodex ausstellen zu können,

muss neben der A.TR eine besondere Lieferantenerklärung vom Lieferanten ausgefüllt werden. Nach dem Beschluss Nr. 1/2006 des Ausschusses für Zusammenarbeit im Zollwesen „Europäische Gemeinschaft-Türkei“ müssen diese Lieferantenerklärungen beziehungsweise Langzeit-Lieferantenerklärungen mit ergänzenden Kumulierungsvermerken versehen werden. 

Waren türkischen Ursprungs können aus der EU zollermäßigt in die Teilnehmerstaaten der Pan-Euro-Med-Zone geliefert werden.

Mit diesen Lieferantenerklärungen kann für präferenzberechtigte EU-Ursprungsware ein Zusatzzoll wie unter 3. beschrieben vermieden werden.

 

3. Zusatzzölle der Türkei und erforderliche Nachweise

Zusatzzölle: Welche Waren sind betroffen?

Die Türkei erhebt seit längerem bei der Einfuhr bestimmter Waren Zusatzzölle. Die Höhe der Zusatzzölle ist je nach Ware und Warenursprung unterschiedlich. Für welche Waren der türkische Zoll Zusatzzölle erhebt, ist nur schwer herauszufinden. Eine konsolidierte Liste existiert nach Kenntnis der IHK nicht. Normalerweise wird sich der türkische Importeur melden, wenn er diese Zölle bezahlen muss und die zusätzlichen Unterlagen anfordern.

Ausgleichssteuern: Welche Waren sind betroffen?

Seit 13. Januar 2018 fallen bei der Einfuhr von bestimmten Gütern mit Ursprung in den APS-Ländern Indonesien, Indien, Vientam, Pakistan, Bangladesh, Kambodscha und Sri Lanka Zusatzzölle („Ausgleichssteuern“) an. Wir haben eine Liste der betroffenen Zolltarifnummern für Sie als Übersicht im Download hinterlegt, die deutsche Übersetzung ist unverbindlich. Die Regelung findet Anwendung für sämtliche Wareneinfuhren aus der EU, welche mit der Warenverkehrsbescheinigung A.TR eingeführt werden, sobald die Ware den Ursprung aus den genannten Ländern besitzt.

Nachweis des EU-Ursprungs zur Vermeidung von Zusatzzöllen seit 24. Mai 2019:

  • A.TR und
  • Lieferantenerklärung EU-Türkei (Ware mit EU oder Pan-Euro-Med-Ursprung) oder
  • Ursprungszeugnis (statt Exporter’s Declaration)

Hinweis: türkische Importeure mit AEO-Status benötigen keine zusätzlichen Nachweise.

Exporteurs-Erklärung nicht länger zulässig – Neue Regelung seit 24. Mai 2019

  • Das türkische Staatssekretariat hat am 24. Mai 2019 mit sofortiger Wirkung verordnet, dass die  „Exporter’s Declaration” für Waren, die Zusatzabgaben unterliegen, nicht mehr gilt. Bislang konnte mit der Herstellererklärung (Exporter’s Declaration) der EU-Ursprung von Waren einfach nachgewiesen werden. Der Nachweis des EU-Ursprungs sorgt dafür, dass bei zahlreichen Waren keine Zusatzzölle und Ausgleichssteuern anfallen. Auf die Erhebung der Zusatzzölle wurde bei Vorlage der Erklärung verzichtet.
  • Die Neuregelung sorgt dafür, dass in vielen Fällen die Vorlage eines IHK-Ursprungszeugnisses verlangt wird, obwohl dies nur bei Importen von bestimmten Risikowaren der Fall sein sollte. Diese Risikowaren wurden noch nicht veröffentlicht.
  • Alternativ kann für EU-Ursprungswaren grundsätzlich eine Lieferantenerklärung EU-Türkei vorgelegt werden, wie unter 2. beschrieben. 
  • Türkische Importeure, die den Status als AEO haben, benötigen aktuell von ihren EU-Lieferanten keine zusätzlichen Nachweise vorlegen.

Damit erhöht sich der Aufwand für EU-Exporteure, die Ware in die Türkei liefern. Da die Auflage nicht für alle Warensendungen gilt, ist es dringend zu empfehlen, mit dem Kunden vorab zu klären, welche Dokumente für die Einfuhrverzollung benötigt werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die türkischen Kunden im Zweifel angeben werden, dass ein Ursprungszeugnis erforderlich ist – schon alleine um eine Zeitverzögerung bei der Importverzollung zu vermeiden.
 

 

Seiten-ID: 3058

Seiten-ID3058

Ansprechpartner

Tanja Giese

Tel: 0271 3302-158
Fax: 0271 3302-44158
E-Mail

Andrea Hoppe

Tel: 0271 3302-159
Fax: 0271 3302-44159
E-Mail

Kirsten Kämpf

Tel: 0271 3302-154
Fax: 0271 3302-44154
E-Mail