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Nr. 051: Wenn der Stillstand droht: Logistikbranche wegen Fahrermangels unter Druck

8. Juli 2022 / Steigende Energiekosten, Lieferketten unter Druck, Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg – die Logistikbranche durchlebt momentan turbulente Zeiten. Verstärkt wird die Situation durch den grassierenden Fahrermangel. Der gilt schon seit längerem als eines der drängendsten Probleme der Branche. „In einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) klagen fast drei Viertel der Unternehmen über Fachkräftemangel“, erläutert Burhan Demir, Leiter des Referats Verkehr und Mobilität bei der IHK Siegen. Der Mangel an Fahrern führt jetzt schon zu gestörten Lieferketten und steigenden Preisen in der Branche. „Fehlende Transportmöglichkeiten können erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Versorgung der Bevölkerung nach sich ziehen. Der Fachkräftemangel ist deshalb auch gesamtwirtschaftlich eine Herausforderung“, ergänzt IHK-Geschäftsführer Hans-Peter Langer. Der Stillstand in Produktionsstätten wegen fehlender Vorprodukte oder deutlich weniger gefüllte Supermarktregale wie in Großbritannien sind auch in Deutschland zukünftig nicht auszuschließen.

Seit Jahren bemühen sich die Unternehmen im Logistik- und Busgewerbe daher um geeignetes Personal. Dabei übersteigt die Nachfrage das Angebot bei Weitem. Die Unternehmen und die Politik arbeiten seit geraumer Zeit daran, die Arbeitsbedingungen der Fahrer zu verbessern und somit die Attraktivität des Berufes zu erhöhen. So wird die Zahl der Lkw-Parkplätze seit Jahren erhöht, damit die Fahrer die Lenk- und Ruhezeiten besser einhalten können. In den vergangenen Jahren wurden auch an der A45 zwischen Dortmund und der hessischen Landesgrenze Rastanlagen ausgebaut. Gleichwohl fehlen auch hier noch etliche Stellplätze für Lkw. Laut Autobahn GmbH Westfalen sollen bis 2024 allein im Niederlassungsgebiet insgesamt mehr als 1.000 neue Stellplätze entstehen. Trotz allen Bemühungen fehlen der Branche bis zu 80.000 zusätzliche Fahrer – allein in Deutschland. Europaweit geht man sogar von bis zu 400.000 fehlenden Fahrern aus.

Die Gründe für den Fahrermangel sind vielfältig. In Deutschland beispielsweise gibt es durch den Wegfall der Wehrpflicht wesentlich weniger Fachpersonal, das den Lkw-Führerschein bei der Bundeswehr gemacht hat. „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs sorgen dafür, dass viele Fahrer aus Osteuropa in der Branche fehlen“, so Ferdinand Menn, Geschäftsführer der Spedition Menn aus Kreuztal. „Viele Fahrer, beispielsweise aus Polen, sind aufgrund von Corona in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Die ukrainischen Fahrer dagegen sind zur Verteidigung ihres Heimatlandes aufgebrochen und haben sich der ukrainischen Armee angeschlossen“, erläutert Ferdinand Menn.

Um dem Fachkräftemangel in der Logistikbranche wirksam zu begegnen, wird eine ganze Reihe konkreter Maßnahmen diskutiert. Burhan Demir: „Denkbar sind eine weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Abbau bürokratischer Hürden. So sollten Fahrer ohne EU-Wohnsitz die Möglichkeit erhalten, eine gültige Fahrprüfung in einem EU-Staat abzulegen.“ In Betracht komme auch, die Anerkennung der Qualifikationen aus Drittstaaten zu verbessern – solange die Prüfungen den EU-Standards entsprechen. „Solche Schritte können bei der Fahrergewinnung helfen, solange die Qualität eingehalten wird“, bestätigt Ferdinand Menn. „Wir versuchen, dem Fahrermangel durch Ausweitung unserer eigenen Ausbildungsbemühungen entgegenzutreten“, betont der Spediteur.

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Ansprechpartner

Burhan Demir

Tel: 0271 3302-319
Fax: 0271 3302400
E-Mail

Hans-Peter Langer

Tel: 0271 3302-313
Fax: 0271 3302400
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