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Nr. 068: „Explodierende Energiepreise“: IHK-Außenwirtschaftsausschuss fordert dauerhafte Entlastung für Betriebe

27.09.2022 | „Wir können kaum noch verlässliche Aussagen zu Aufträgen und Geschäften machen, weil wir einfach nicht wissen, ob wir in vier Monaten noch genügend Strom haben, um zu produzieren!“ Eindringlich beschrieb Dagmar Langenhan, Arthur Langenhan GmbH & Co. KG, in der Sitzung des IHK-Außenwirtschaftsausschusses die gegenwärtigen Belastungen durch gestiegene Energiepreise. Längst wachse das Unverständnis auch bei Kunden und Geschäftspartnern im Ausland. „Sie kennen uns als verlässliches Unternehmen und vermissen genau dies jetzt!“ 

Diese Einschätzung fand bei den weiteren anwesenden Unternehmensvertretern überwiegend Bestätigung. Es sei spürbar, dass Kunden in Europa und den USA zunehmend ungeduldig und zum Teil schon fasst aggressiv aufträten, weil sie einen klaren Kurs in der deutschen Energiepolitik ebenso wenig erkennen könnten, wie man selbst, erklärte Arnold Vetter, VETTER Industrie GmbH. Damit setzten sich auch die Unsicherheiten der Versorgungsunternehmen im Außenhandel fort. Viele Unternehmer wussten zu berichten, dass sich die Energieversorger derzeit häufig nicht in der Lage sähen, Anschlussverträge anzubieten. Im Gespräch stelle sich immer wieder heraus, dass die Anbieter selbst nicht wüssten, mit welchen Entwicklungen binnen drei Monaten zu rechnen sei. Für die Betriebe, insbesondere diejenigen mit hohen Verbräuchen, hat das gravierende Auswirkungen. 

„Beinahe wie gelähmt müssen Unternehmer zuschauen, wie die bestehenden Verträge in den kommenden Wochen ausliefen, ohne verlässliche Perspektive auf einen Anschlussvertrag. Die Planungssicherheit beträgt null!“ beschrieb Felix G. Hensel, Gustav Hensel GmbH & Co. KG, die gegenwärtige Lage.

Die Energiepreise lägen in Deutschland seit jeher auf hohem Niveau. Jetzt, mit dem Krieg in der Ukraine, zahlten deutsche Betriebe acht Mal so viel für Gas wie US-amerikanische, betonte der IHK-Ehrenpräsident.

Investitionen in die Energiewende geraten ins Hintertreffen

Auch die Strompreise sind in Deutschland stärker gestiegen als in anderen Teilen der Welt und verstärken die Unsicherheiten in der Wirtschaft: 83 % der Unternehmen in den Kreisen SiegenWittgenstein und Olpe sehen nach einer IHK-Blitzumfrage die größten Risiken für die wirtschaftlichen Entwicklungen in den weiter steigenden bzw. dauerhaft hohen Energie- und Kraftstoffpreisen. Jeder zehnte Betrieb zieht aufgrund der hohen Kosten in diesem Bereich Standortverlagerungen konkret in Erwägung. Die Bundespolitik befasse sich seit Monaten mit kaum etwas anderem als mit Entlastungspaketen, insbesondere für Privathaushalte, hob Ausschussvorsitzender Rainer Dango, Dango & Dienenthal GmbH & Co. KG, hervor. „Das größere Problem sind aber die explodierenden Energiepreise für Wirtschaftsunternehmen. Hier muss der Staat wirksame Maßnahmen entwickeln und für eine möglichst nachhaltige Entlastung sorgen. Andernfalls ist die Wirtschaft nicht mehr in der Lage, Investitionen auch für die Energiewende zu leisten!“ 

Entscheidend hierfür sei eine bezahlbare Energie, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Ein Höchstmaß an Klarheit und Verlässlichkeit biete nur ein Industriestrompreis, der dauerhaft gelte, zeigte bei dieser Gelegenheit IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener auf. Ziel müsse sein, die aus dem Ruder laufenden Energiepreise auf Dauer zu stabilisieren. „Im Wahlkampf hatte Bundeskanzler Olaf Scholz erklärt, sein Ziel sei ein Industriestrompreis von vier Cent je Kilowattstunde Strom. Ein Wert, der von Fachleuten als durchaus realistisch eingeschätzt wird. Angesichts der aktuellen Debatten fragt man sich, wie lange mit der Einführung des Industriestrompreises noch gewartet werden soll. Jetzt sind die Existenzen bedroht. In wenigen Monaten sind sie womöglich schon aufgegeben“, so Klaus Gräbener. 

Immerhin sei der Wirtschaftsstandort seit geraumer Zeit erheblichen Herausforderungen ausgesetzt, erinnerte IHK-Präsident Walter Viegener: „Wir laufen seit Jahren einen Krisenmarathon. Wenn jetzt nicht schnell die richtigen politischen Weichen gestellt werden, kann das kein gutes Ende nehmen!“ Die einhellige Meinung im Außenwirtschaftsausschuss: Die Politik müsse jetzt ihre wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen und dabei wirklich „alle Register ziehen“. Dazu gehöre beispielsweise auch, ideologische Vorbehalte gegen einen vorübergehenden Weiterbetrieb der verbleibenden Atomkraftwerke zurückzustellen. 

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