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Nr. 070: Vorläufige IHK-Lehrstellenbilanz 2023: Besser als erwartet, dennoch nicht wirklich zufriedenstellend

5. Oktober 2023/ Die Unternehmen in Industrie und Handel schlossen bis Ende September in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe 1.977 Lehrverträge ab. Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr beträgt 4,6 %. Im Kreis Siegen-Wittgenstein steigerten die Firmen die Anzahl der geschlossenen Lehrverträge um 7 %. Dem gegenüber blieb das Ausbildungsvolumen im Kreis Olpe nahezu unverändert. „Bei oberflächlicher Betrachtung kann man von einem erfreulichen Ergebnis sprechen. Zuwachs ist immer besser als Rückgang. Nach wie vor gilt jedoch: In diesem Jahr wäre deutlich mehr ,drin‘ gewesen. Zahlreiche Unternehmen blieben im wahrsten Sinne des Wortes auf leeren Lehrstellen sitzen.“ Mit diesen Worten kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener die vorläufige Ausbildungsbilanz 2023. Man schätze, dass die Unternehmen allein im IHK-Bereich sicherlich etwa 300 Ausbildungsverträge mehr hätten abschließen können, wenn es denn passende Bewerbungen gegeben hätte. Das sei bitter. Schließlich fehlten die jungen Menschen, die derzeit nicht eingestellt würden, in den kommenden Jahren im Beschäftigungssystem. Hinzu komme, dass derzeit wichtige konjunkturelle Indikatoren wie der Auftragseingang oder die zu erwartenden Erträge eindeutig nach unten zeigten. 

Dies gelte auch für die Einstellungsdynamik der heimischen Wirtschaft, die nachlasse, wie eine aktuelle Umfrage bei rund 450 Unternehmen belege. Nur noch 11 % der befragten Firmen wollten ihren Beschäftigtenstand ausbauen, 27 % planten dem gegenüber, ihre Beschäftigung zu reduzieren. Klaus Gräbener: „Dies sollten wir ernst nehmen. Wer meint, die Beschäftigung würde sich dauerhaft von der konjunkturellen Lage abkoppeln, ist auf dem Holzweg. Die Einstellungsdynamik der Unternehmen hat offenkundig ihren Höhepunkt überschritten. Wenn junge Leute immer weniger Interesse an der Lehre haben und gleichzeitig die Unternehmen aus konjunkturellen Gründen ihr Angebot reduzieren, werden steigende Ausbildungszahlen im kommenden Jahr nicht wahrscheinlicher. Das ist alles andere als gut.“ 

Zwischen beiden Kreisen gab es in den ersten neun Monaten erhebliche Unterschiede, betont IHK-Geschäftsführerin Sabine Bechheim. „Der Zuwachs von 7 % in Siegen-Wittgenstein resultierte im Wesentlichen daraus, dass die Anzahl geschlossener gewerblich-technischer Lehrverträge um satte 11,6 % anstieg. In den für die industrielle Entwicklung so wichtigen Metall- und Elektroberufen registrierten wir sogar einen Zuwachs von 17,5 %. Das erstaunt und erfreut zugleich.“ Eine andere Entwicklung vollziehe sich derzeit im Kreis Olpe. Hier stagnierte bei abgeschlossenen 628 Lehrverträgen das realisierte Ausbildungsvolumen. Die kaufmännischen Verträge stiegen um 6,4 % an, während die gewerblich-technischen Verträge um satte 6,6 % abnahmen. Die Zahl der in den industriellen Metall- und Elektroberufen im Kreis Olpe abgeschlossenen Lehrverträge sank binnen fünf Jahren um mehr als ein Viertel. Dies verdeutlicht, wo im Kreis Olpe der Schuh drückt. Denn trotz der gedämpften Konjunktur würden auch zukünftig Fachkräfte gebraucht. Diese müsse man heute schon ausbilden. Sabine Bechheim: „Was auffällt: Das Durchschnittsalter der Ausbildungsanfänger im IHK-Bezirk liegt inzwischen bei 19,3 Jahren. Junge Menschen lassen sich immer mehr Zeit damit, sich für einen Berufsweg zu entscheiden. Und: 37 % der diesjährigen Auszubildenden bringen die (Fach-)Hochschulreife mit.“ Demzufolge müssten Informations- und Orientierungsangebote rund um die Ausbildung auch an Gymnasien eine größere Rolle spielen. Dafür biete die IHK sich gerne als Partner an.

Im Altkreis Siegen registrierte die IHK in Hilchenbach (+ 36 %), Netphen (+ 55 %), Neunkirchen (+ 19 %) und Wilnsdorf (+ 13 %) deutliche Zuwächse. Rückgänge wurden in Freudenberg (- 24 %) und in Kreuztal (- 14 %) verzeichnet. Das Lehrstellenvolumen in Wittgenstein lag bei 158 Verträgen um gut 20 % über dem Vorjahresergebnis. Sabine Bechheim: „Das ist prima. Dennoch hätten wir uns einen größeren Zuwachs gerade hier gewünscht, auch um den Berufsschulstandort in Bad Berleburg noch besser abzusichern.“ Im Kreis Olpe wurden die höchsten Zuwächse in der Stadt Olpe (+ 9 %), Drolshagen (+ 7 %) und Lennestadt (+ 19 %) realisiert. Rückgänge gab es in Attendorn (- 6 %), Finnentrop (- 7 %) und Wenden (- 17 %). 

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Ansprechpartner

Sabine Bechheim

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