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IHK-Kaufkraftanalyse 2020 vorgestellt: „Attendorn und Siegen führen das Feld an“

10.02.2021 | „Die Kaufkraftbindung Siegens ist nach wie vor bemerkenswert gut. Bundesweit weisen nur fünf Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern bessere Werte auf als das heimische Oberzentrum. Demgegenüber verfügen die Bürger Attendorns mit 29.382 € über die höchste allgemeine Kaufkraft im IHK-Bezirk. Sie erzielen um mehr als 6.000 € höhere Einkünfte als der Bundes- und Landesdurchschnitt. In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es nur drei Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohnern, die besser dastehen als Attendorn. Beide Werte zeigen: Unsere Region steht nach wie vor im deutschlandweiten Vergleich ordentlich da, auch wenn die Corona-Pandemie im heimischen Handel mittlerweile deutliche Bremsspuren hinterlässt.“ Dies betont IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener bei der Vorlage der „IHK-Kaufkraftanalyse 2020“. Sie gibt Aufschluss über das Konsumpotenzial sowie die Attraktivität des Einzelhandels in den 18 Städten und Gemeinden in Siegen-Wittgenstein und Olpe und will der heimischen Kommunalpolitik eine Hilfestellung bei strukturpolitisch relevanten Entscheidungen bieten. Die IHK stellte beiden Kreisen sowie den 18 Städten und Gemeinden mehr als 1.000 Exemplare zur Verfügung, damit auch sämtliche Ratsmitglieder sowie die Vertreter in den Kreistagen das Zahlenwerk in ihrer wichtigen Arbeit nutzen können. Die Analyse verdeutlicht, dass 2020 erstmals nach etlichen Jahren sowohl die Kaufkraft als auch der Einzelhandelsumsatz im Bezirk der IHK Siegen zurückgingen.

Kaufkraft und Einzelhandelsumsatz gehen zurück
Für das Jahr 2020 belief sich das allgemeine Kaufkraftvolumen in Siegen-Wittgenstein und Olpe auf etwa 9,7 Mrd. €. Je Einwohner ergibt sich somit ein verfügbares Einkommen von 23.574 €. Das sind 329 € mehr als der Bundes- und 613 € mehr als der Landesdurchschnitt. Gegenüber dem Vorjahr ging jedoch die allgemeine Kaufkraft um etwa 1,3 % zurück; das entspricht einem Minus von etwa 160 Mio. €. Klaus Gräbener: „Erhebliche Unsicherheit, Kurzarbeit und sinkende Beschäftigung führen dazu, dass die Leute ihr Geld vermehrt beisammenhalten. Die Sparquote stieg binnen Jahresfrist auf nicht für möglich gehaltene Höhen. Dies liegt natürlich auch daran, dass man in von Staats wegen geschlossenen Geschäften nahezu ausschließlich Kosten produziert, jedoch keine Erträge generiert. Beide Entwicklungen spüren weite Teile des Einzelhandels erheblich.“ Der Einzelhandelsumsatz im gesamten stationären Handel ging laut Prognosen um 8 % zurück. Wurde er im IHK-Bezirk für 2019 noch auf 2,60 Mrd. € beziffert, lag der Umsatz 2020 bei 2,40 Mrd. €. Stephan Häger, Leiter des IHK-Referats Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: „Der gewaltige Rückgang von etwa 200 Mio. € zeigt die immensen Corona-Auswirkungen. Das abrupt abgebrochene Weihnachtsgeschäft hat vielen stationären Einzelhändlern immens geschadet. Besonders dramatisch ist die Lage im innenstadtprägenden Modeeinzelhandel, der ein deutliches zweistelliges Minus zu beklagen hat.“ Der mit Abstand größte Profiteur der Corona-Krise war der Internethandel. Er legte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes um 24 % zu. Klaus Gräbener: „Damit ergibt sich eine paradoxe Situation: Zwar konnte der Einzelhandel insgesamt die stärksten Umsatzzuwächse seit 26 Jahren verbuchen, zugleich ist die Lage etlicher Händler dramatisch. Die Branche teilt sich in Gewinner und Verlierer auf. Geht es so weiter, wird sich auch das Gesicht unserer Innenstädte schneller verändern, als uns lieb sein kann.“ 

Kaufkraftbindung sinkt, bleibt aber überdurchschnittlich
Den Einwohnern im IHK-Bezirk standen insgesamt 2,76 Mrd. € für den Einzelhandel zur Verfügung. Demgegenüber belief sich der Einzelhandelsumsatz vor Ort laut Prognosen auf etwa 2,40 Mrd. €. Somit wurden etwa 360 Mio. € nicht im stationären Einzelhandel der Region ausgegeben, sondern flossen in den Online- und Versandhandel bzw. in Kommunen außerhalb des IHK-Bezirkes. Die Kaufkraftbindungsquote sank von 89 % im Jahr 2019 auf 87 %. Bundes- bzw. landesweit ging diese Quote sogar um 4 Prozentpunkte zurück. Erneut gelingt es dem Einzelhandel nur in Siegen, Olpe und Freudenberg, rein rechnerisch die vorhandene Kaufkraft vor Ort zu binden und sogar Kaufkraft aus anderen Kommunen zu gewinnen. Den Spitzenplatz belegt der Einzelhandelsstandort Siegen. Etwa 197 Mio. € werden von Einwohnern anderer Kommunen in Siegen umgesetzt. 
Damit liegt die Kaufkraftbindungsquote des Siegener Einzelhandels bei 130 %; bundesweit ein Spitzenwert, der darauf schließen lässt, dass in Siegen in den vergangenen Jahren sehr viel richtig gemacht wurde. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt allerdings die Quote um 7 Prozentpunkte und damit stärker als im IHK-Bezirk und im Bundes- und Landesdurchschnitt. Stephan Häger: „Da in Siegen ein starker Fokus auf die innerstädtischen Leitsortimente wie Bekleidung und Schuhe liegt, sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlicher zu spüren. Allein im Siegener Einzelhandel ging laut Prognosen der stationäre Umsatz um mehr als 100 Mio. € zurück.“ Dennoch wurde auch im vergangenen Jahr der mit Abstand größte Anteil (35 %) des im IHK-Bezirk getätigten Einzelhandelsumsatzes im Oberzentrum Siegen generiert.

Spitzenplatz beim Einkommen geht wieder an die Einwohner Attendorns
Den Einwohnern Attendorns stehen jährlich 29.382 € allgemeine Kaufkraft zur Verfügung, gefolgt von den Bewohnern der Stadt Olpe (26.442 €) und der Gemeinde Wilnsdorf (25.672 €). Stephan Häger: „Wieder einmal stechen die Bewohner Attendorns bei diesem Vergleich heraus. Regional sind sie unangefochtener Spitzenreiter und bundesweit in den Top 30 angelangt. Im gesamten Bundesgebiet erzielen in nur 27 Kommunen (mit mehr als 20.000 Einwohnern) die Einwohner im Durchschnitt bessere Einkommen als die der Hansestadt.“ Etwa 28 % der allgemeinen Kaufkraft stehen dem Einzelhandel inklusive Versand- und Internethandel zur Verfügung. Diese einzelhandelsrelevante Kaufkraft liegt für den IHK-Bezirk ebenfalls über dem Bundes- und Landesdurchschnitt. 6.693 € stehen im Durchschnitt jedem Einwohner im IHK-Bezirk für den Einzelhandel zur Verfügung. Damit können sie 64 € mehr im Einzelhandel ausgeben als der durchschnittliche Einwohner Nordrhein-Westfalens. 

In der IHK-Kaufkraftanalyse werden alle relevanten Kaufkraftzahlen wie die allgemeine Kaufkraft, die einzelhandelsrelevante Kaufkraft, der Einzelhandelsumsatz und die Zentralität dargestellt. Insbesondere bei Standort- und Ansiedlungsfragen von Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen interessieren sich die Investoren und Gründer für solche Zahlen. Die IHK wertet mit dem IHK-Zahlenspiegel die Kaufkraftzahlen von „MB-Research und CIMA! BBE!“ aus, um den kommunalen Entscheidungsträgern, ihren Mitgliedsunternehmen und Existenzgründern detaillierte Standortinformationen zugänglich zu machen. Bei den Kaufkraftzahlen handelt es sich um Prognosedaten für das Jahr ihrer Ermittlung. Vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen wurden im Herbst zwei Szenarien hinsichtlich des weiteren Verlaufs entwickelt. Im positiven Szenario wurde von einer langsamen Erholung und im negativen Szenario von weiteren Einschränkungen ausgegangen. Aufgrund des Teil-Lockdowns im November und des harten Lockdowns im Dezember ist das negative Szenario eingetroffen. 

Der IHK-Kaufkraftzahlenspiegel steht zum Download auf der Homepage der IHK Siegen bereit.

Seiten-ID: 3806

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Ansprechpartner

Stephan Häger

Tel: 0271 3302-315
Fax: 0271 3302400
E-Mail