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Nr. 047: Konjunkturklima deutlich verbessert - Aber: Schere zwischen den Branchen geht weiter auseinander

10.5.2021 | „In weiten Teilen der heimischen Wirtschaft hat sich die Stimmung in den letzten Wochen deutlich aufgehellt. Der Optimismus ist in der Industrie, im Bau sowie im Großhandel zurück, aber eben nicht überall. Teile des Handels und der Dienstleistungen, vor allem aber das Gastgewerbe sind die eindeutigen Corona-Verlierer. Wir sehen eine konjunkturelle Zweiklassen-Gesellschaft. Die einen kommen immer besser durch, bei den anderen liegen die Nerven blank.“ Mit diesen Worten kommentiert IHK-Präsident Felix G. Hensel die Ergebnisse der im April durchgeführten IHK-Konjunkturumfrage, an der sich 553 Unternehmen mit mehr als 42.000 Beschäftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungsgewerbe in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten. Der Konjunkturklimaindex – er ergibt sich aus Lagebeurteilung und Erwartung - steigt um 18 Punkte auf einen Wert von 118 und somit auf den höchsten Stand seit Januar 2019. Erstmals seit zwei Jahren liegt der Klimaindex wieder über dem Mittelwert der letzten 20 Jahre (106). 39 % der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe berichten von einer guten und 20 % von einer schlechten Lage. Der Lagesaldo verbessert sich um 19 Punkte. Ebenfalls deutlich verbessert haben sich die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate (+18 Punkte). Felix G. Hensel: „Seit dem konjunkturellen Tiefpunkt vor einem Jahr kletterte der Klimaindex der heimischen Wirtschaft um mehr als 50 Punkte. Das ist über alles gesehen eine sehr erfreuliche Entwicklung, die Mut macht.“


Weiterhin problematisch und nur unwesentlich besser als zu Jahresbeginn ist in Teilen der Wirtschaft die finanzielle Situation. 12 % der Unternehmen melden Liquiditätsengpässe und 22 % einen Eigenkapitalrückgang. Während in der Industrie, im Baugewerbe und im Großhandel zwischen 70 und 80 % der Unternehmen ihre finanzielle Lage als unproblematisch einschätzen, ist es im Gastgewerbe nur jedes Fünfte. IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener: „19 % der Einzelhändler und 44 % der Gastronomen melden Liquiditätsengpässe. Große Teile dieser Unternehmen fühlen sich perspektivlos und von der Politik verlassen. Würden sie durch die Politik auch nur ansatzweise so in Watte gepackt wie hochbezahlte Fußballteams, ginge es ihnen deutlich besser.“ Mut mache demgegenüber, dass sich in den anderen Branchen die Beschäftigungsabsichten und die Investitionsneigungen wieder positiv entwickeln. Erstmals seit zwei Jahren wollen wieder mehr Unternehmen Personal aufbauen (18 %) als abbauen (17 %). Zum Jahresbeginn lag das Verhältnis von positiven und negativen Einstellungsabsichten noch bei 14 zu 25 %. Noch optimistischer ist die Investitionsneigung. 27 % (+7 Prozentpunkte) der Unternehmen wollen in den kommenden Monaten mehr investieren, 16 % (-12 Prozentpunkte) gehen von geringeren Investitionen aus. 

 

Industrie erholt sich, kämpft aber mit Materialverfügbarkeit und brüchigen Lieferketten

In großen Teilen der Industrie überwiegen die positiven Meldungen. 42 % beurteilen ihre derzeitige Geschäftslage als gut, 14 % als schlecht. Der Lagesaldo steigt um beachtliche 24 Punkte. Die Erwartungen sind ebenfalls deutlich positiver als noch zu Jahresbeginn. 39 % der Industrieunternehmen blicken optimistisch in die Zukunft, 13 % der Betriebe sind hingegen pessimistisch. Klaus Gräbener: „Weit überwiegend brummt es in unserer Industrie wieder. Die Auftragseingänge haben spürbar angezogen, auch wegen der Bewegung auf wichtigen Absatzmärkten in Asien und Amerika. Die Auslastung ist deutlich gewachsen, die Exporterwartungen sind so optimistisch wie seit drei Jahren nicht mehr. Vielleicht sind wir ja schneller als erwartet über den Berg.“ Aber: Nicht in allen Industriezweigen ist die Lageeinschätzung so positiv. Bei den Metallerzeugern überwiegen weiterhin die negativen Einschätzungen, wenngleich auch nicht mehr in dem Maße wie noch zu Jahresbeginn. Über alle Industriezweige hinweg hat sich die Ertragslage deutlich verbessert. Zur Unzeit ziehen derzeit von anderer Seite dunkle Wolken auf. Zahlreiche Unternehmen haben mit hohen Energie- und Rohstoffpreisen und deutlich anziehenden Vormaterialkosten zu kämpfen. Felix G. Hensel: „Die Materialverfügbarkeit entwickelt sich zum Flaschenhals, etliche Lieferketten sind brüchig. Drei Viertel der Industrieunternehmen klagen aktuell über Lieferengpässe, 93 % melden steigende Vormaterialkosten. Das sind historisch hohe Werte. Der gerade auf Touren kommende Konjunkturmotor droht schon bald wieder zu stottern.“ Als Ursachen der Lieferengpässe beobachten 94 % der Unternehmen eine Verknappung der Materialverfügbarkeit. Für 61 % ist die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten ursächlich für die derzeitige Problemlage, für zwei Fünftel der Unternehmen sind es Lieferengpässe durch Logistik, Zoll und Transportwege. 

 

Positive Entwicklung im Bausektor, im Großhandel und in Teilen des Dienstleistungsgewerbes
Die Baubranche zeigt sich weiterhin unbeeindruckt von der Corona-Krise. So gut wie alle der befragten Baubetriebe geben eine gute oder befriedigende Geschäftslage an. Stephan Häger, Leiter des Referates Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: „Die Auftragsbücher im Bausektor sind gut gefüllt und die Auslastung sehr ordentlich. Acht von zehn Unternehmen melden einen Auslastungsgrad von über 70 %. Zudem kann die steigende industrielle Investitionsbereitschaft dem zuletzt kriselnden Wirtschaftsbau Rückenwind verleihen. Aber auch in der Baubranche sind Materialknappheit und steigende Kosten ein großes Thema. Sie dämpfen die Zukunftserwartungen ebenso wie fehlende Fachkräfte.“ Die Lagebeurteilung der regionalen Großhändler klettert auf ein Rekordniveau. 60 % der Unternehmen bewerten ihre Lage als gut, 6 % als schlecht. Auch die Zukunftserwartungen hellen sich im Vergleich zum Jahresbeginn merklich auf. Stephan Häger: „Insbesondere der produktionsnahe Großhandel profitiert von der gut laufenden Industrie und der wieder an Fahrt aufnehmenden Weltwirtschaft. Beim konsumnahen Großhandel hingegen ist die Lageeinschätzung im Vergleich zum Jahresbeginn etwas verhaltener.“ Die Stimmung in der Dienstleistungsbranche ist gespalten. Während unternehmensbezogene Dienstleister und die Logistikbranche vom Aufschwung und von der Nähe zur Industrie profitieren, ist die Situation bei den personenbezogenen und sonstigen Dienstleistern nach wie vor sehr angespannt. 

 

Düstere Stimmung in großen Teilen des Einzelhandels und dem Gastgewerbe
Äußerst schwierig ist immer noch die Lage in Teilen des Einzelhandels. Sechs von zehn Händlern bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht, ein Fünftel als gut. Stephan Häger: „Lebensmittel laufen nach wie vor bestens, während beispielsweise in den Segmenten Mode und Bekleidung, aber auch im Kfz-Einzelhandel die kaum nachvollziehbaren Öffnungsvorgaben von Bund und Land für großen Unmut sorgen. Wie soll auch der Strohhalm ,Click and Meet‘ funktionieren, wenn die Kunden nicht wissen, ob und unter welchen Voraussetzungen zumindest ein Termin-Einkauf möglich ist?“ Vor allem der Modeeinzelhandel und der Kfz-Handel blicken jedoch nach den ersten Fortschritten der Impfkampagne wieder optimistischer in die Zukunft. Die Hoffnung auf eine baldige Auflösung des Konsumstaus scheint zu wachsen. Im Gegensatz zum Einzelhandel ist in der gesamten Gastronomie die Stimmung äußerst düster. Neun von zehn Gastronomen bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht. Auch die Zukunftsaussichten sind von deutlichem Pessimismus geprägt. Nur 16 % erwarten in den kommenden Monaten bessere Geschäfte. 64 % gehen weiterhin von schlechten Umsätzen aus. Klaus Gräbener: „Das sind unterirdische Werte. Der Endlos-Lockdown setzt dem Hotel- und Gastgewerbe immens zu. Zahlreiche Unternehmen kämpfen ohne wirkliche Perspektive um das nackte Überleben. Etliche von ihnen glauben nicht mehr daran, dass bei ihnen nach der Krise die Lichter wieder angehen.“

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Stephan Häger

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