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Nr. 091: 4. IHK-Blitzumfrage bei 679 Firmen: Deutliche Umsatzrückgänge, weniger Nachfrage, sinkende Investitionen und zu viel Bürokratie

23.11.2020 | „Die meisten heimischen Unternehmen werden das laufende Geschäftsjahr mit einem zum Teil dicken Minus abschließen. Etwa ein Drittel der Firmen beziffert seine Umsatzrückgänge auf mehr als 25 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark leiden Unternehmen der Reisewirtschaft, des Gastgewerbes sowie der Kultur- und Kreativwirtschaft.“ Mit diesen Worten fasst IHK-Präsident Felix G. Hensel ein wesentliches Ergebnis der aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zusammen, an der sich 679 Unternehmen aus der Region beteiligten. Die Corona-Pandemie führe bei einem Großteil der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe zu einer geringeren Nachfrage nach Produkten und Dienstleitungen. Felix G. Hensel: „Etwa 71 % der Industrieunternehmen aus unserer Region melden einen Nachfragerückgang aufgrund der Corona-Pandemie. Auch wenn der Industrieumsatz zuletzt zulegen konnte, liegen wir in den ersten neun Monaten 12,5 % unter dem Ergebnis des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr entspricht das einem satten Rückgang von rund 2 Mrd. €. Aber: Nicht alle Unternehmen leiden unter der Krise. Jeder vierte Betrieb aus dem Baugewerbe und der Gesundheitswirtschaft rechnet mit einer Umsatzsteigerung in diesem Jahr.“ Weitere große Herausforderungen, mit denen sich die Unternehmen konfrontiert sehen, sind zum einen die steigende Zahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die erkrankt sind oder sich in Quarantäne befinden, und zum anderen die Stornierung von Aufträgen. Jeweils etwa 24 % der Unternehmen machen dies geltend.

 

Investitionen werden verschoben bzw. gestrichen

Große Sorgen bereitet der IHK die rückläufige Investitionsbereitschaft, die auch die neue Umfrage bestätigte. Um den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu begegnen, senken die Unternehmen Kosten, wo immer dies geht. Zugleich schieben sie ihre Investitionen auf die lange Bank. IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener: „Das ist mehr als beunruhigend. Investitionen drücken Zukunftszuversicht aus. Diese Zuversicht scheint Teilen der Wirtschaft in der andauernden Krise abhanden zu kommen. Anders ist nicht zu erklären, dass allein in der heimischen Industrie 55 % der Unternehmen geplante Investitionen verschieben oder ganz streichen.“ Zwei Fünftel setzen auf Rationalisierung und nutzen so Einsparpotenziale aus. Gleichzeitig ist die Corona-Pandemie Anlass für etwa 28 % der Unternehmen, verstärkt die Digitalisierung sowie die Online-Präsenz und Online-Kundenbindung auszubauen.

 

Bürokratieabbau dringend notwendig

Auf die Frage, welche politischen Maßnahmen notwendig seien, um die Wirtschaft zu stützen, gibt die deutliche Mehrheit der Unternehmen (62 %) an, dass die Bürokratiebelastung zurückgeschraubt werden müsse. Klaus Gräbener: „Der Staat steht hier vor einer doppelten Herausforderung. Auf der einen Seite soll er die Wirtschaft mit milliardenschweren Hilfspaketen wieder zum Laufen bringen, auf der anderen Seite darf dies keinen Rattenschwanz an Bürokratie nach sich ziehen. Die Unternehmen vermissen offenbar an vielen Stellen schnelleres und effizienteres Handeln. Was nutzen im Juni beschlossene Überbrückungshilfen von 25 Mrd. €, von denen bis Oktober gerade einmal 1,5 Mrd. € verausgabt wurden? Hier wären weniger, jedoch deutlich einfacher zu durchschauende Programmstrukturen zielführender. Gerade jetzt darf doch nicht weitere Belastung das Gebot der Stunde sein.“

Für etwa ein Drittel der Unternehmen sind darüber hinaus wettbewerbsfähige Energiepreise eine wichtige politische Maßnahme. IHK-Konjunkturexperte Stephan Häger: „Für jeden zweiten Betrieb aus der Industrie und der Verkehrswirtschaft ist dies von großer Bedeutung. Die Energiewende hat widersprüchlich ausgestaltete und größtenteils intransparente Programmstrukturen hervorgebracht und zugleich ein Preisniveau ausgelöst, das in Europa seinesgleichen sucht.“ Aber auch verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten (28 %) und eine Ausweitung des steuerlichen Verlustrücktrages (25 %) sollten nach dem Willen der befragten Unternehmen auf die politische Agenda gesetzt werden, um die Wirtschaft zu unterstützen. Etwa 40 % der vom Teil-Lockdown betroffenen Branchen, vor allem Gastgewerbe, Reisewirtschaft sowie Kultur- und Kreativwirtschaft, fordern zudem ein Nachsteuern bei den finanziellen Hilfsmaßnahmen und ein weiteres Konjunkturprogramm ein. Klaus Gräbener: „Die notwendigen Hilfsprogramme müssen zielgenau, transparent und einfach gehalten sein. Es kann doch nicht sein, dass allein die Frage, ob jemand antragsberechtigt ist oder nicht, schon zu komplex ist. Hier werden wir weiter gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Druck machen, damit nicht noch mehr Firmen hilflos im Dickicht des Förderdschungels umherirren.“

 

Finanzlage in großen Teilen noch solide

Für fast die Hälfte der Betriebe hat die Corona-Pandemie noch keine negativen Auswirkungen auf die Finanzlage. Jedoch geben auch etwa 37 % einen Eigenkapitalrückgang und etwa 22 % Liquiditätsengpässe an. Felix G. Hensel: „Unsere zumeist familiengeführten mittelständischen Unternehmen sind in großen Teilen immer noch finanziell gut aufgestellt und konnten daher verhältnismäßig sicher durch die Corona-Krise navigieren. Aber: Im Reisegewerbe, im Gastgewerbe sowie in der Kultur- und Kreativwirtschaft droht zahlreichen Unternehmen mehr als nur eine finanzielle Schieflage.“ Etwa 59 % der Unternehmen aus diesen Branchen melden einen Rückgang des Eigenkapitals und etwa 37 % Liquiditätsengpässe. Etwa 18 % sprechen sogar von einer drohenden Insolvenz. Stephan Häger: „Der November-Lockdown hat die Unternehmen dieser bereits zuvor stark gebeutelten Branchen ins Mark getroffen. Wenn fast jedem Fünften die Insolvenz droht, wird deutlich, wie viele bereits jetzt am Abgrund stehen.“

 

Kurzarbeit weit verbreitet

39 % der Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, nehmen staatliche Unterstützung in Anspruch. Mit 70 % ist der Anteil in der Reisewirtschaft, im Gastgewerbe sowie in der Kultur- und Kreativwirtschaft besonders stark ausgeprägt. Wenig staatliche Hilfe nehmen das Baugewerbe sowie die Finanz- und Versicherungsdienstleister in Anspruch. Vor allem im Einzelhandel, im Großhandel und in der Industrie machen die Betriebe nach wie vor vom Instrument der Kurzarbeit rege Gebrauch.

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Stephan Häger

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