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Nr. 101: der IHK Siegen: „Schlüsselkompetenzen zur Krisenbewältigung: Ausbildungsforum der IHK Siegen"

10.12.2021 | „Ohne solide Grundlagen geht es nicht. Doch wir müssen unsere Auszubildenden außerdem befähigen, den eigenen Lernbedarf zu erkennen. Sie sollten sich selbst darum kümmern können, die eigenen Kompetenzen zu erweitern“, betonte die Ausbildungsleiterin der Roche Diagnostics GmbH Mannheim, Dr. Elke Schwing. Sie sprach vor etwa 100 Ausbilderinnen und Ausbildern beim 5. Ausbildungsforum der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) im weitläufigen Leonard-Gläser-Saal der Siegerlandhalle und stellte das Programm der „personalisierten Ausbildung“ von Roche Diagnostics vor.

 

Ihr Gastvortrag nahm damit die Zukunftsfähigkeit der Dualen Berufsausbildung in den Fokus und brachte auf den Punkt, was viele Ausbildungsexperten bewegt: Einerseits müssen bestimmte berufliche Merkmale erreicht und geprüft werden, andererseits wird kaum jemand, der heute einen Beruf lernt, in Zukunft mit dem gerade Gelernten auskommen. Mit praxisnahen Beispielen machte Schwing deutlich, wie Roche Diagnostics das Ziel umsetzt und gab damit zahlreiche Anregungen, die auch in deutlich kleineren Ausbildungsbetrieben umgesetzt werden können.

 

Zuvor hatte Dr. Monika Hackel vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) aufgezeigt, wie Schlüsselkompetenzen als Leitbild in den Ausbildungsordnungen integriert werden. Sie leitet im BIBB die Abteilung „Struktur und Ordnung der Berufsbildung“. Dort hat man die „Qualifizierenden Vier“ ermittelt, die aus einer modernen Berufsausbildung ein Fundament für die Zukunft machen sollen. Die rechtlichen Grundlagen, Arbeitsschutz und Gesundheit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie Digitalisierung sind Basiskompetenzen, die für alle Auszubildenden wichtig sind. In allen Berufsausbildungen sollen die Jugendlichen lernen, eigenverantwortlich zu handeln und ihre Ausbildung und ihr Lernen selbstgesteuert zu gestalten. Dazu gehört, dass sie gezielt kommunizieren und ihr Verhalten und ihre Lernerfolge realistisch einschätzen. So erhalten junge Menschen ein Rüstzeug für das lebenslange Lernen, das sie in ihrer Berufstätigkeit unterstützt.

 

IHK-Präsident Felix G. Hensel nutzte sein Grußwort, um noch einmal daran zu erinnern, dass die duale Ausbildung den besten Start ins Berufsleben darstellt. Wenn Gymnasiasten ausschließlich in Richtung eines Studiums orientiert würden, so ginge dies an der Realität und vor allem auch am Bedarf der Wirtschaft völlig vorbei. „Auszubildende erwerben nicht nur fachliche, sondern vor allem durch die Einbindung in betriebliche Abläufe auch personale und soziale Kompetenzen, die für sie ein Leben lang wichtig sind. Sie werden von ihren Ausbildern begleitet und geführt, erhalten so unmittelbares Feedback und wachsen an ihren Aufgaben. Das ist durch nichts zu ersetzen“, hob Hensel hervor.

 

 

 

Sabine Bechheim, Geschäftsführerin der IHK, appellierte an die Ausbildungsverantwortlichen, die betriebliche Ausbildung durch Zusatzqualifikationen, Auslandsaufenthalte und die Integration von Weiterbildungsinhalten auch für Abiturienten attraktiv zu machen. Die Corona-Pandemie habe zudem gezeigt, wie sehr die Schlüsselkompetenzen zur Krisenbewältigung beitrügen. Deshalb habe man dieses Thema in den Mittelpunkt des trotz der Einschränkungen gut besuchten Forums gestellt. Der Lehrstellenmarkt im IHK-Bezirk Siegen sei durch die Krise erheblich unter Druck geraten, etliche Ausbildungsplätze blieben unbesetzt. Insofern sei es wichtig, die Leistungsfähigkeit der Dualen Ausbildung sichtbarer zu machen. Fehlendes Personal sei inzwischen ein Engpass, der als hohes Risiko für die Unternehmensentwicklung gelte.

 

Aus diesem Grund waren auch die auf die Vorträge folgenden Workshops gut besucht. Die Gäste informierten sich über Handlungsansätze bei persönlichen Lebenskrisen ihrer Auszubildenden, sie befassten sich mit dem Einsatz von virtueller Realität in der Ausbildung und erarbeiteten mit IHK-Expertinnen Wege, um Konflikte in der Ausbildung lösungsorientiert zu beseitigen. Das Fazit des Tages war jedoch: Der Austausch in Gesprächen ist wichtiger denn je, die dem Infektionsschutz geschuldete „Vereinzelung“ hemmt auch die eigene, persönliche Entwicklung und den Austausch von Ideen. Umso besser, dass die Teilnehmer vor Ort sein konnten und die Corona-Warn-App dennoch keine unangenehme Meldung machte.

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